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Nasa: Berüchtigter Asteroid Apophis entdeckt – Übung für den Ernstfall

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Von: Tanja Banner

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Asteroiden umkreisen die Sonne und können der Erde unter Umständen gefährlich werden. (Symbolbild)
Der Asteroid „Apophis“ wurde nach dem ägyptischen „Gott des Chaos“ benannt. Er wird im April 2029 sehr nahe an der Erde vorbeifliegen. (Symbolbild) © Science Photo Library / Imago Images

Asteroiden können der Erde gefährlich werden – und im Ernstfall muss es schnell gehen. Fachleute nutzen den berüchtigten Asteroiden Apophis zur Übung.

Pasadena – Ein großer Asteroid trifft die Erde und sorgt für große Zerstörung – ein Szenario, das sich liest wie aus einem Hollywoodfilm oder einer Netflix-Serie, das aber durchaus realistisch ist. Fachleute schätzen, dass etwa 25.000 erdnahe Asteroiden mit einem Durchmesser von mehr als 140 Metern existieren. Davon wurden bisher etwa 40 Prozent gefunden – etwa 15.000 weitere Asteroiden, die das Potenzial haben, große Schäden anzurichten, sind bisher noch nicht entdeckt worden, so die gängige Schätzung aus der Fachwelt.

Es ist also möglich, dass eines Tages ein großer Asteroid die Erde bedroht – um auf diesen Fall vorbereitet zu sein, proben Fachleute regelmäßig den Ernstfall. Bei einer dieser Übungen zur „planetaren Verteidigung“, wie der Fachbereich genannt wird, haben Forschende unter der Leitung des International Asteroid Warning Network (IAWN) und des Planetary Defense Coordination Office (PDCO) der US-Raumfahrtorganisation Nasa einen echten Asteroiden als Übungsobjekt genutzt. Die Übung fand bereits Ende 2020 statt, eine Studie dazu wurde jetzt im Planetary Science Journal veröffentlicht.

Nasa: Berüchtigter Asteroid als Übung für den Ernstfall

Der Asteroid, der für die Übung verwendet wurde, ist berüchtigt, was man bereits an seinem Namen erkennt: Benannt wurde er nach dem altägyptischen Gott des Chaos, Apophis. Über den Asteroiden, der im Jahr 2004 entdeckt wurde, weiß man mittlerweile relativ viel. Kurz nach seiner Entdeckung stellte sich heraus, dass es eine Chance gibt, dass Asteroid Apophis 2029 oder später die Erde trifft. Keine gute Nachricht, denn der Asteroid hat einen Durchmesser von etwa 340 Metern und könnte auf der Erde für Zerstörung sorgen. Doch im Laufe der Zeit und durch immer weitere Beobachtungen wurde klar, dass der Asteroid Apophis der Erde zwar mehrmals nahe kommen wird, sie aber in den nächsten hundert Jahren nicht treffen wird.

Trotzdem ist Apophis perfekt geeignet für eine Asteroiden-Übung: Im März 2021 näherte sich Apophis der Erde – und eine Gruppe von mehr als 100 Teilnehmenden aus 18 Ländern machte sich daran, den Asteroiden neu zu entdecken. Denn das war der Plan: Die Fachleute sollten Apophis so behandeln, als wäre der Asteroid gerade entdeckt worden und stelle eine mögliche Bedrohung für die Erde dar. Um die Übung möglichst realistisch zu machen, hatten die Teilnehmenden keinen Zugriff auf die Daten, die zuvor über den Asteroiden gesammelt wurden.

Asteroiden-Übung der Nasa: Apophis simuliert den Ernstfall

Ab dem 4. Dezember 2020 nahm die Übung ihren Lauf: Zuerst „entdeckte“ das Nasa-Teleskop „Catalina Sky Survey“ in Arizona den Asteroiden und meldete dessen Position an das zuständige Minor Planet Center (MPC). Weitere Beobachtungen von anderen Teleskop-Systemen folgten. Und auch das Nasa-Weltraumteleskop Neowise lieferte Daten aus dem Weltall, mit denen die Fachleute arbeiten konnten. Das Ziel: Möglichst schnell und sicher herausfinden, ob der Asteroid eine Gefahr für die Erde darstellt.

„Obwohl wir wussten, dass Apophis in Wirklichkeit nicht im Jahr 2029 auf der Erde einschlagen würde, gab es – ausgehend von nur wenigen Tagen astrometrischer Daten von Vermessungsteleskopen – große Unsicherheiten in der Umlaufbahn des Objekts, die theoretisch einen Einschlag in diesem Jahr ermöglichten“, erklärt Davide Farnocchia, der am Jet Propulsion Laboratory (JPL) der Nasa die Berechnungen zur Orbitalbestimmung des Asteroiden durchführte. Letztendlich konnten die Forschenden in ihrer Übung einen Einschlag des Asteroiden im Jahr 2029 jedoch ausschließen. Jenseits der Übung ist sogar bekannt, dass Apophis für mindestens die nächsten 100 Jahre keine Gefahr für die Erde darstellt.

Obwohl wir wussten, dass Apophis in Wirklichkeit nicht im Jahr 2029 auf der Erde einschlagen würde, gab es – ausgehend von nur wenigen Tagen astrometrischer Daten von Vermessungsteleskopen – große Unsicherheiten in der Umlaufbahn des Objekts, die theoretisch einen Einschlag in diesem Jahr ermöglichten.

Davide Farnocchia

Asteroid Apophis: Tritt der Ernstfall ein, muss es schnell gehen

Sollte eines Tages der Ernstfall eintreten und Fachleute schnell herausfinden müssen, ob ein neu entdeckter Asteroid der Erde gefährlich wird, wissen die Forschenden nun, was sie zu tun haben und welche Instrumente besonders hilfreich dabei sind. Unter diesen Punkt fällt offenbar das Weltraumteleskop Neowise, das den Asteroiden im Infrarotbereich beobachtet hat.

„Die unabhängigen Infrarotdaten, die aus dem Weltraum gesammelt wurden, kamen den Ergebnissen dieser Übung sehr zugute“, erklärt Akash Satpathy, der sich als Student mit Neowise beschäftigt. „Neowise war in der Lage, die Wiederentdeckung von Apophis zu bestätigen und gleichzeitig schnell wertvolle Informationen zu sammeln, die für die Bewertung der planetarischen Verteidigung genutzt werden können, wie zum Beispiel seine Größe, Form und sogar Hinweise auf seine Zusammensetzung und Oberflächeneigenschaften.“

Abwehr eines Asteroiden: Fachleute müssen seine Größe kennen

Diese Werte sind nicht nur für die Berechnung der Flugbahn des Asteroiden von Bedeutung, sondern auch dann, wenn es um die Abwehr eines Asteroiden geht. Wissen Fachleute die Größe eines Asteroiden, können sie einschätzen, wie viel Energie bei seinem Einschlag auf der Erde freigesetzt wird. Dieses Wissen wiederum hilft dabei, dass sich Katastrophenschutzbehörden vorab gut vorbereiten und im Ernstfall rechtzeitig Evakuierungen einleiten können.

„Es war beeindruckend zu sehen, wie die Community während der letzten Annäherung von Apophis zusammenkam“, freut sich der Nasa-Mitarbeiter Michael Kelley, der die Übungsteilnehmer unterstützte. „Selbst während einer Pandemie, als viele der Übungsteilnehmer gezwungen waren, aus der Ferne zu arbeiten, waren wir in der Lage, eine potenzielle Gefahr mit großer Effizienz zu erkennen, zu verfolgen und mehr darüber zu erfahren. Die Übung war ein durchschlagender Erfolg.“ (tab)

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