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Ein Asteroid nähert sich der Erde. Je nach Flugbahn kann er sie verfehlen oder auch richtig gefährlich werden. Im Fall von Asteroid 2019 OK hat er die Erde um 73.000 Kilometer verfehlt - zum Glück.

Kosmischer Streifschuss

Asteroid näherte sich der Erde bis auf 65.000 Kilometer

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Ein Asteroid raste mit sehr geringem Abstand an der Erde vorbei. Bilder helfen den Forschern dabei, die Bewegung des Himmelskörpers genau zu vermessen.

Update vom 13.9.2019: In der Nacht auf Sonntag (15.9.) rast ein riesiger Asteroid an der Erde vorbei. Zwar ist der Abstand sehr groß, doch der Asteroid ist so groß, dass er mit Teleskopen zu sehen sein wird.

Update vom 2.8.2019: Der Asteroid 2019 OK, der am 25. Juli quasi aus dem Nichts kam und sehr nah an der Erde vorbeiflog, wurde vorher von der Europäischen Raumfahrtorganisation Esa beobachtet. Kurz vor dem Flyby an der Erde wurden zwei Teleskope aus dem International Scientific Optical Network (ISON) auf den Asteroiden ausgerichtet.

Mit Hilfe dieser Bilder konnten Experten die Position und die Bewegung des Himmelskörpers genau vermessen. In Kombination mit anderen Beobachtungen des Asteroiden hat man herausgefunden, wie nah der Asteroid der Erde kam: Er näherte sich bis auf etwa 65.000 Kilometer. Den Asteroiden habe man erst so spät entdeckt, weil er sich sehr langsam am Himmel bewegte.

Asteroid rast kurz nach seiner Entdeckung dicht an der Erde vorbei

Erstmeldung vom 26.7.: Es geschieht nicht oft, dass ein Asteroid der Erde näher kommt als der Mond. Doch in der Nacht von Donnerstag auf Freitag ist es passiert: Der Asteroid 2019 OK näherte sich der Erde in der Nacht bis auf 0,19 Mondabstände - das sind umgerechnet etwa 73.000 Kilometer. Das ist in irdischen Dimensionen eine große Distanz - und tatsächlich bestand für die Erde auch keine Gefahr. Doch in den Dimensionen des Weltalls betrachtet, handelte es sich um einen kosmischen Streifschuss: Der Mond ist im Durchschnitt 384.400 Kilometer von der Erde entfernt.

Dazu kommt, dass der Asteroid aus Richtung der Sonne auf die Erde zuraste - und er damit erst sehr spät zu erkennen war. Tatsächlich wurde der Asteroid erst Tage vor seinem Vorbeiflug entdeckt, erst 24 Stunden vorher kam die Bestätigung von einer zweiten Quelle. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass der Asteroid bereits Ende Juni erstmals gesichtet wurde - allerdings wurde seine Relevanz damals noch nicht erkannt. Rückwirkend halfen die Daten jedoch, mehr über den Asteroiden herauszufinden. Seinen Durchmesser schätzen Experten auf etwa 57 bis 130 Meter, seine Geschwindigkeit relativ zur Erde beträgt nach Berechnungen 24,5 Kilometer pro Sekunde - umgerechnet sind das 88.200 Kilometer pro Stunde.

Asteroid ist ein „City Killer“, sagt ein Experte

„Ein City-Killer“, zitiert der „Sydney Morning Herald“ den Astronomie-Professor Alan Duffy. Der Asteroid hätte bei einem Einschlag auf der Erde die Kraft von mehr als 30 Hiroshima-Atombomben entwickelt, so Duffy weiter. „Weil der Asteroid so klein ist, ist er bis zur letzten Minute sehr schwer zu sehen“, erklärt der Experte.

Es kommt gelegentlich vor, dass Asteroiden sehr nah an der Erde vorbeifliegen. Apophis, ein Asteroid mit etwa 400 Metern Durchmesser, soll am 13. April  2029 in einer Entfernung von nur etwa 30.000 Kilometern an der Erde vorbeischrammen. Deutlich kleiner ist der Meteor, der im Frühjahr 2013 über der russischen Region Tscheljabinsk explodiert ist und dabei große Schäden angerichtet hat: Er hatte etwa einen Durchmesser von 20 Metern. Der Asteroid oder Meteorit, dessen Einschlag vermutlich die Dinosaurier ausgelöscht hat, hatte Berechnungen zufolge einen Durchmesser von bis zu 15 Kilometern.

Asteroid auf Kollisionskurs - eine Gefahr für die Erde

Asteroiden, die auf Kollisionskurs mit der Erde gehen, stellen tatsächlich eine Gefahr dar. Deshalb versuchen Astronomie-Organisationen wie die US-Raumfahrtorganisation Nasa und das europäische Pendant Esa, die großen und möglicherweise gefährlichen Asteroiden frühzeitig zu identifizieren und zu beobachten. Nur so weiß man rechtzeitig über eine mögliche Bedrohung Bescheid und kann notfalls reagieren.

Seit 1998 hält das Near-Earth Object Observations Program der Nasa aktiv Ausschau nach so genannten „erdnahen Objekten“ (NEOs) und koordiniert sich dabei auch mit anderen Raumfahrtbehörden und dem International Asteroid Warning Network. Zum Einsatz kommen dabei auch verschiedene Teleskope, die automatisiert den Himmel scannen. Generell nutzen Astronomen jede Gelegenheit, um sich mit dem Thema zu beschäftigen.

Ende Mai waren mehr als 20.000 erdnahe Asteroiden bekannt, jede Woche kommen nach Angaben der Nasa etwa 30 Neuentdeckungen dazu. Mehr als die Hälfte der bisher bekannten NEOs hat nach Angaben des Center for Near Earth Object Studies (CNEOS) der Nasa einen Durchmesser von mehr als 140 Metern. Berechnungen gehen davon aus, dass es etwa 25.000 erdnahe Objekte mit einer Größe ab 140 Meter gibt, derzeit werden etwa 500 NEOs dieser Größe pro Jahr entdeckt. Von den erdnahen Objekten, die größer als einen Kilometer sind, wurden nach offiziellen Angaben bereits mehr als 90 Prozent entdeckt. Nun will man auch 90 Prozent der 140-Meter-NEOs finden.

Zwei Drittel der Asteroiden, die größer als 140 Meter sind, sind noch unentdeckt

Die Grenze von 140 Metern ist willkürlich gewählt: Einschläge von Asteroiden, die größer als 140 Meter sind, haben regionale Auswirkungen, während 300-Meter-Asteroiden bereits sub-globale Effekte auslösen können und ein Ein-Kilometer-Asteroid globale Auswirkungen hat. Statistischen Berechnungen zufolge sind etwa zwei Drittel der NEOs, die größer als 140 Meter sind, noch unentdeckt.

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Dass Material aus dem Weltall auf die Erde fällt, ist im Übrigen etwas völlig Alltägliches - und fällt meist gar nicht auf. Jeden Tag fallen 80 bis 100 Tonnen Material aus dem All auf die Erde - als Staub oder kleine Meteoriten. Ein größeres Ereignis wie der Meteor, der 2013 über Russland explodiert ist, kommt Schätzungen zufolge etwa ein bis zwei Mal pro Jahrhundert vor. Einschläge von größeren Objekten werden als wesentlich seltener eingeschätzt - hier geht es um Jahrhunderte oder gar Jahrtausende. Da man allerdings längst nicht alle Objekte kennt, die der Erde aufgrund ihrer Größe und Flugbahn gefährlich werden könnten, kann es jederzeit einen nicht vorherberechneten Einschlag geben.

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