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Hypothetischer Riesen-Asteroid: Könnte die Menschheit einen „Planeten-Killer“ überleben?

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Von: Tanja Banner

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Angenommen, ein riesiger Asteroid oder Komet ist im Anflug auf die Erde – könnte die Menschheit einen „Planeten-Killer“ überleben? Forschende haben nachgerechnet.

Santa Barbara – Ein Himmelskörper wie ein Asteroid oder Komet, der auf der Erde einschlägt und für große Zerstörung sorgt, ist ein reelles, wenn auch eher unwahrscheinliches Szenario. Zuletzt wurde es im Film „Don‘t Look Up“ (Netflix) heraufbeschworen. Auch wenn es in dem Film eigentlich darum geht, dass die Wissenschaft nicht gehört wird, haben sich nun zwei Forscher mit einem Szenario, das dem aus dem Film ähnelt, beschäftigt und sich die Frage gestellt „Könnten wir die Bedrohung eindämmen und die Menschheit retten?“ Ihre Erkenntnisse haben die beiden Forscher auf dem Preprint-Server Arxiv veröffentlicht.

Die Ausgangslage: Ein Komet oder Asteroid mit einem Durchmesser von zehn Kilometern wird entdeckt; sechs Monate später soll er die Erde treffen. „In diesem Paper konzentrieren wir uns auf eine hypothetische Bedrohung durch einen großen Asteroiden oder Kometen mit einer sehr kurzen Warnzeit, die existenzielle Konsequenzen für das Leben auf der Erde, speziell die Menschheit hätte“, schreiben die Forscher Philip Lubin und Alexander Cohen von der Universität von Kalifornien in Santa Barbara. „Ein solches Ereignis wird oft als ‚Planeten-Killer‘ bezeichnet.“ Aspekte wie Orbitaldynamiken haben die Forscher dabei bewusst außen vor gelassen, es geht ihnen nur um den Asteroiden und wie man ihn abwehren kann.

Hypothetischer Asteroid bedroht die Erde: Was tun gegen den „Planeten-Killer“ aus dem Netflix-Film?

Im Gegensatz zu Einschlägen von kleineren Asteroiden – ein Himmelskörper mit 20 Metern Durchmesser schlägt im Schnitt alle 50 bis 100 Jahre auf der Erde ein, ein 50-Meter-Asteroid etwa alle 650 Jahre – ist ein „Planeten-Killer“ sehr selten. Etwa alle 100 Millionen Jahre komme ein solcher todbringender Einschlag vor, zeigen die Forscher in ihrer Studie und beruhigen mit der Erkenntnis, dass „die Menschheit eine technologische Schwelle überschritten hat, die uns davor bewahrt, den Weg der Dinosaurier zu gehen“. Genau wie der Asteroid, der vor etwa 66 Millionen Jahren die Dinosaurier auslöschte, würde der hypothetische Himmelskörper die Menschheit und alles, was an der Erdoberfläche lebt, mit seinem Einschlag ausradieren.

Ein 10 Kilometer großer, hypothetischer Asteroid trifft in sechs Monaten die Erde. Könnte man das verhindern? Forscher haben es berechnet. (Symbolbild)
Ein 10 Kilometer großer, hypothetischer Asteroid trifft in sechs Monaten die Erde. Könnte man das verhindern? Forscher haben es berechnet. (Symbolbild) © imago/Science Photo Library

In ihrem Paper schauen sich die beiden Forscher verschiedene Methoden an, wie man dem bedrohlichen Himmelskörper begegnen könnte. Ihr Favorit ist die „Pulverize It“-Methode: Eine Reihe von nuklearen Sprengkörpern „pulverisiert“ den Asteroiden – und zwar so, dass die meisten der entstandenen Fragmente die Erde verfehlen. Nur die Politik stellt bei dieser Lösung offenbar ein Problem dar. Die nuklearen Sprengkörper müssten vor dem Einsatz getestet werden – was derzeit wegen des Vertrags über das Verbot von Atomtests verboten ist, wie die Forscher anmerken.

Die Fragmente des hypothetischen Asteroiden müssen die Erde verfehlen

Offenbar ist besonders wichtig, dass die Fragmente des Asteroiden die Erde verfehlen. Treffen sie alle die Erde, sehen die Forscher eine große Gefahr: Die Temperatur auf der Erde würde dadurch – wie bei dem Asteroiden, der die Dinosaurier ausgelöscht hat – um 300 Grad steigen und alles Leben an der Oberfläche auslöschen. „Eine Möglichkeit für die Menschheit zu überleben, wäre, unter die Erde zu gehen“, schreiben die Forscher. „Aber die Schäden am Oberflächen-Ökosystem der Erde wären katastrophal.“

Die Menschheit hat eine technologische Schwelle überschritten, die uns davor bewahrt, „den Weg der Dinosaurier“ zu gehen.

Philip Lubin und Alexander Cohen

Die Autoren ziehen ein Fazit: „Der Sinn dieses Papers war es, zu zeigen, dass wir auch in Fällen mit extrem kurzer Vorwarnzeit reagieren können, wenn wir vorbereitet sind“, heißt es darin. Die Menschheit könne verhindern, den Weg der Dinosaurier zu gehen, „die nie Physikunterricht hatten und vergessen haben, die planetare Verteidigung zu finanzieren“, so die Forscher weiter.

Entwarnung der Forscher: Gefährliche Asteroiden werden früher entdeckt

Zum Schluss geben Lubin und Cohen noch eine Entwarnung: Dass ein gefährlicher Himmelskörper wie im Netflix-Hit erst sechs Monate vorher entdeckt werde, sei sehr unwahrscheinlich angesichts der Fähigkeiten, große Objekte zu verfolgen und ihre Umlaufbahnen zu berechnen.

Allerdings gebe es auch den Fall des Kometen Neowise, der im Jahr 2020 nur vier Monate vor seiner größten Annäherung an die Erde entdeckt wurde, schränken die Forscher ein. Insgesamt gebe ihnen ihre Arbeit jedoch Hoffnung, dass ein robustes planetares Verteidigungssystem auch für existenzielle Bedrohungen mit kurzer Vorwarnzeit möglich sei. „Idealerweise kommen wir niemals in diese Situation. Aber es ist besser vorbereitet zu sein, als tot.“

Tatsächlich arbeitet die Forschung an der planetaren Verteidigung. Zahlreiche automatisierte Teleskopsysteme suchen den Himmel nach bisher unbekannten Bedrohungen ab oder beobachten bekannte Asteroiden, die eines Tages gefährlich werden könnten. Zahlreiche Studien – auch zu Atombomben und Asteroiden – sind bisher erschienen.

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Und auch praktische Missionen gibt es bereits: Vor wenigen Monaten ist die „Dart“-Mission der US-Raumfahrtorganisation Nasa zu einem Doppel-Asteroiden gestartet. Im Herbst 2022 soll die Sonde dort ankommen und den kleineren der beiden Asteroiden aus seiner Umlaufbahn um den größeren Asteroiden schubsen. So soll ermittelt werden, ob die Methode des sogenannten „kinetischen Impaktors“ im Fall der Fälle hilfreich ist. (Tanja Banner)

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