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Asteroiden: Eine reale Gefahr aus dem Weltall – Was Nasa und Co. dagegen tun

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Von: Tanja Banner

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Fachleute sind sich sicher: Es gibt noch tausende bisher unbekannte erdnahe Asteroiden mit einer Größe von mindestens 140 Metern. Sie könnten der Erde großen Schaden zufügen. (Symbolbild)
Fachleute sind sich sicher: Es gibt noch tausende bisher unbekannte erdnahe Asteroiden mit einer Größe von mindestens 140 Metern. Sie könnten der Erde großen Schaden zufügen. (Symbolbild) © imago images/Cavan Images

Noch immer sind nicht alle möglicherweise gefährlichen erdnahen Asteroiden bekannt. Der Internationale Asteroiden-Tag warnt vor der Gefahr.

Frankfurt – Asteroiden sind viel mehr als die gefährlichen Objekte, als die sie in Hollywood-Filmen dargestellt werden. Die Himmelskörper stammen vermutlich aus der Entstehungsphase des Sonnensystems, als sich aus Staub die Planeten formten. Asteroiden sollen eine Restpopulation von sogenannten Planetesimalen – Planeten in der Entstehung – sein, deren Bildung nicht gelang. Auch aus diesem Grund sind sie für die Forschung wichtig: Asteroiden könnten Forschenden mehr über die Anfangszeit des Sonnensystems verraten. Doch das größte Augenmerk bei der Erforschung von Asteroiden liegt auf ihrer Gefährlichkeit.

Dass Asteroiden gefährlich sein können, daran gibt es keinen Zweifel: Ein Einschlag vor 66 Millionen Jahren löschte die Dinosaurier und zahlreiche weitere Lebewesen aus, das ist längst bekannt. Ein Ereignis am 30. Juni 1908 in Sibirien zeigt, welche Auswirkungen ein Asteroiden-Einschlag haben kann. Damals wurde eine oder mehrere sehr große Explosionen gemeldet. Noch in 65 Kilometern Entfernung wurden Fenster und Türen eingedrückt, Fachleute schätzen, dass auf mehr als 2000 Quadratkilometern rund 60 Millionen Bäume entwurzelt oder umgeknickt wurden. Menschen kamen wohl nicht zu Schaden, da die Region sehr abgelegen war.

Die gängige Forschungsmeinung geht davon aus, dass bei diesem sogenannten Tunguska-Ereignis ein Asteroid in der Erdatmosphäre explodiert ist – es gilt als größter Asteroideneinschlag in der aufgezeichneten Geschichte. Um auf die Gefahr durch Asteroiden aufmerksam zu machen, wurde der 30. Juni von den Vereinten Nationen zum Internationalen Asteroidentag erklärt. Fachleuten zufolge existieren etwa 25.000 erdnahe Asteroiden mit einem Durchmesser von mehr als 140 Metern. Von diesen potenziell gefährlichen Himmelskörpern wurden bisher nur etwa 40 Prozent gefunden – es existieren also etwa 15.000 bisher unbekannte Asteroiden, die das Potenzial haben, große Schäden auf der Erde anzurichten.

Asteroid explodierte über Russland – Internationaler Asteroiden-Tag warnt vor der Gefahr

Spätestens seit Februar 2013 ist die Gefahr durch Asteroiden vielen Menschen präsenter: Damals explodierte ein etwa 20 Meter großer Asteroid über der russischen Millionenstadt Tscheljabinsk, die Druckwelle verletzte rund 1500 Menschen, tausende Gebäude wurden beschädigt. Niemand hatte den Asteroiden kommen sehen, da er sich der Erde aus der Richtung der Sonne näherte – wegen des hellen Sonnenlichts ist eine Beobachtung in dieser Richtung von der Erde aus nicht möglich.

In den vergangenen Jahren hat sich bei der Erforschung von Asteroiden und der Beobachtung der gefährlichen Himmelskörper einiges getan. 2020 brachte die japanische Sonde „Hayabusa 2“ Proben vom Asteroiden Ryugu zur Erde, die von Forschenden seitdem analysiert werden. Im September 2023 sollen auf der Erde außerdem Gesteinsproben ankommen, die die Nasa-Raumsonde „Osiris-Rex“ vom Asteroiden Bennu genommen hat. Gleich mehrere neue Asteroiden-Missionen sind derzeit in Planung oder bereits gestartet worden.

Künstlerische Darstellung: Die Nasa-Raumsonde „Osiris-Rex“ hat vom Asteroiden Bennu Material gesammelt, das sie nun zur Erde zurückschickt. Anschließend soll „Osiris-Rex“ dem Asteroiden Apophis hinterherjagen. (Symbolbild)
Künstlerische Darstellung: Die Nasa-Raumsonde „Osiris-Rex“ hat vom Asteroiden Bennu Material gesammelt, das sie nun zur Erde zurückschickt. Anschließend soll „Osiris-Rex“ dem Asteroiden Apophis hinterherjagen. (Symbolbild) © imago images/ZUMA Wire

Asteroiden-Mission von Nasa und Esa soll Asteroiden rammen

Als ein Highlight gilt die Mission „AIDA“, bei der die US-Raumfahrtorganisation Nasa und ihr europäisches Pendant Esa kooperieren und erstmals versuchen, einen Asteroiden im Weltall abzulenken. Die Mission ist zweigeteilt: Die Nasa hat ihre Asteroiden-Raumsonde „Dart“ bereits auf den Weg gebracht. Sie soll im Herbst 2022 den Doppelasteroiden Didymos erreichen, der aus dem potenziell gefährlichen und 800 Meter großen Asteroiden Didymos und einem kleineren, etwa 170 Meter großen Mond mit dem Namen Dimorphos besteht.

Die Nasa-Raumsonde soll den kleinen Mond rammen, anschließend soll untersucht werden, welche Auswirkungen die Aktion auf die Umlaufbahn des kleinen Asteroiden hatte. Die Esa-Sonde „Hera“ soll 2026 den Doppelasteroiden erreichen und dort ebenfalls den Einschlag untersuchen.

Planetare Verteidigung: Fachleute erforschen, wie man Asteroiden abwehrt

Die Erkenntnisse der „AIDA“-Mission sollen in Strategien der sogenannten planetaren Verteidigung mit einfließen. Das Fachgebiet beschäftigt sich damit, wie man Asteroiden abwehren kann, sollten sie der Erde eines Tages gefährlich werden. Aus dem Fachgebiet gibt es zahlreiche Studien, die in den vergangenen Jahren entstanden sind. So haben Forschende berechnet, dass ein „planetarer Killer“ wie der Asteroid, der die Dinosaurier auf dem Gewissen hat, für die Menschheit heute nicht unbedingt die Auslöschung bedeuten muss. Es gibt auch Berechnungen, ob Atomwaffen – ähnlich wie in Hollywoodfilmen – gegen Asteroiden helfen könnten und was man tun müsste, sollte man kurzfristig auf eine Asteroiden-Bedrohung reagieren müssen.

Außerdem haben Forschende eine Software entwickelt, die dabei helfen soll, bisher unbekannte Asteroiden auf Archivmaterial von Teleskopen zu entdecken.

Asteroid Apophis kommt der Erde 2029 näher als mancher Satellit

Im Jahr 2029 findet für Fachleute ein ganz besonderes Ereignis statt: Der Asteroid Apophis wird in einer Entfernung von nur etwa 30.000 Kilometern an der Erde vorbeifliegen. Das ist sehr nah – geostationäre Satelliten (beispielsweise Kommunikationssatelliten oder Wettersatelliten) umkreisen die Erde in knapp 36.000 Kilometern Höhe. Für die Forschung ist es eine einmalige Gelegenheit, einen Asteroiden aus nächster Nähe zu erforschen, weshalb die Beobachtungen bereits jetzt vorbereitet werden. Außerdem hat die Nasa eine Raumsonde auf den Asteroiden angesetzt: „Osiris-Rex“ soll nach der Mission zum Asteroiden Bennu dem Asteroiden Apophis hinterherjagen und ihn erforschen.

Apophis ist ein Asteroid mit einer bemerkenswerten Geschichte: Als der etwa 350 Meter große Himmelskörper im Jahr 2004 entdeckt wurde, berechneten die Forschenden, dass er die Erde im Jahr 2029 oder 2036 treffen könnte. Bald wurden diese beiden Daten jedoch ausgeschlossen, eine Unsicherheit für das Jahr 2068 blieb jedoch bestehen. Mittlerweile konnten die Forschenden auch einen Einschlag im Jahr 2068 ausschließen – der Asteroid Apophis wurde nach 17 Jahren von den Risikolisten von Nasa und Esa gestrichen.

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Nasa-Weltraumteleskop soll Asteroiden am „blinden Fleck“ finden

Auch beim „blinden Fleck“ bei der Beobachtung von der Erde tut sich etwas: Neben den zahlreichen erdbasierten Teleskopsystemen, die automatisiert nach Asteroiden suchen, plant die Nasa ein Weltraumteleskop, das aus den Tiefen des Weltraums nach erdnahen Asteroiden Ausschau halten soll. Der „NEO Surveyor“ soll 2026 starten und innerhalb von fünf Jahren mindestens zwei Drittel der erdnahen Asteroiden mit einem Durchmesser von mindestens 140 Metern finden. „Durch die Suche nach erdnahen Objekten, die sich näher an der Sonne befinden, wird ‚NEO Surveyor‘ Astronomen helfen, Einschlaggefahren zu entdecken, die sich der Erde am Tageshimmel nähern könnten“, erläutert Amy Mainzer, Leiterin der NEO Surveyor-Studie an der Universität von Arizona.

„‚NEO Surveyor‘ wird in der Lage sein, die Geschwindigkeit, mit der die Nasa Asteroiden und Kometen entdecken kann, die eine Gefahr für die Erde darstellen könnten, rapide zu beschleunigen“, betont Mike Kelley, ‚NEO Surveyor‘-Programmwissenschaftler der Nasa. Die neue Mission soll der Nasa auch dabei helfen, ein Ziel zu erreichen, das die Politik der Raumfahrtorganisation bereits vor vielen Jahren vorgegeben hatte: Mindestens 90 Prozent aller erdnahen Objekte zu finden, die größer als 140 Meter sind und der Erde damit großen Schaden zufügen könnten. (tab)

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