Der Asteroid (99942) Apophis ist seit 2004 bekannt - kurzzeitig befürchtete man, er könnte auf der Erde einschlagen. Diese Gefahr ist plötzlich wieder real. (Symbolbild)
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Der Asteroid (99942) Apophis ist seit 2004 bekannt - kurzzeitig befürchtete man, er könnte auf der Erde einschlagen. Diese Gefahr ist plötzlich wieder real. (Symbolbild)

„Gott des Chaos“

Flugbahn von Asteroid Apophis verändert sich - Trifft er 2068 die Erde?

  • Tanja Banner
    vonTanja Banner
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Eigentlich sollte der Asteroid Apophis 2068 nah an der Erde vorbeifliegen - aber nicht einschlagen. Doch seine Flugbahn hat sich geändert. Und plötzlich ist der Asteroideneinschlag möglich.

  • Der Asteroid (99942) Apophis wurde nach dem ägyptischen „Gott des Chaos“ benannt.
  • Er kommt der Erde in den kommenden Jahrzehnten drei Mal sehr nah - doch bisher ging man davon aus, dass kein Asteroideneinschlag möglich ist.
  • Das hat sich nach nun geändert. Was die Weltraumforschung jetzt plant.

Beim Asteroiden (99942) Apophis ist der Name Programm. Benannt wurde der etwa 370 Meter große Gesteinsbrocken nach dem Gott des Chaos und der Finsternis in der ägyptischen Mythologie - und das hat auch einen Grund: Nach seiner Entdeckung im Juni 2004 befürchtete man für kurze Zeit, dass der Asteroid Apophis für Chaos auf der Erde sorgen könnte. Berechnungen hatten ergeben, dass der Asteroid mit einer Wahrscheinlichkeit von 2,7 Prozent im Jahr 2029 mit der Erde kollidiert.

Orbit von Asteroid Apophis hat sich verändert - Droht ein Asteroideneinschlag 2068?

Nach weiteren Berechnungen konnten Astronom:innen eine Kollision des Asteroiden mit der Erde im Jahr 2029 ausschließen, auch ein Einschlag auf der Erde im Jahr 2036 oder 2068 wurde etwas später ausgeschlossen. Doch nun melden sich Forschende um den Astronomen Dave Tholen von der Universität von Hawaii zu Wort, die den Asteroiden Apophis 2004 entdeckt haben. Das Team hat Apophis an drei Nächten im Januar und einer Nacht im März 2020 erneut beobachtet und dabei etwas überraschendes festgestellt: Der Asteroid befindet sich nicht mehr exakt dort, wo man erwartet hatte, ihn zu finden.

„Unsere Beobachtungen zeigen, dass der Asteroid von seinem rein gravitativen Orbit wegdriftet“, erklärt Tholen in einer Mitteilung der Universität von Hawaii. Um etwa 170 Meter pro Jahr verschiebt sich die Bahn von Asteroid Apophis nach Angaben der Forschenden. „Das ist genug, um das Einschlagszenario für 2068 weiter im Spiel zu halten“, betont Tholen weiter.

Asteroid Apophis mit Bahnänderung - Schuld ist die Wärme der Sonne

Hinter der Bahnänderung des Asteroiden steckt der sogenannte „Jarkowski-Effekt“: Der Asteroid wird von der Sonne ungleichmäßig bestrahlt und dadurch ungleichmäßig erwärmt. Diese Wärme gibt der Asteroid Apophis wieder ans Weltall ab - und wird dadurch leicht beschleunigt. Bei Apophis macht dieser Effekt offenbar 170 Meter im Jahr aus - und die könnten entscheidend sein, ob man im Jahr 2068 einen Asteroiden-Einschlag befürchten muss.

Asteroid Apophis kommt der Erde bereits in einigen Jahren sehr nahe: Am 13. April 2029 kommt Apophis näher an die Oberfläche der Erde heran als geostationäre Satelliten, die sich in einer Höhe von etwa 36.000 Kilometern befinden. Bis auf etwa 31.000 Kilometer wird sich der Asteroid Apophis der Erde nähern und dabei eine Geschwindigkeit von etwa 25.000 Kilometern pro Stunde haben. Er kann dann mit bloßem Auge gesehen werden - stellt jedoch keine Gefahr für die Erde oder die Satelliten dar. „Wir wissen seit einiger Zeit, dass ein Einschlag auf der Erde 2029 nicht möglich ist“, beruhigt Tholen, der den Asteroiden Apophis seit 2004 genau beobachtet.

Wie wirkt sich der „Jarkowski-Effekt“ auf Asteroiden wie Apophis aus?

Derzeit finden weitere Beobachtungen statt, um genauer herauszufinden, wie sich der „Jarkowski-Effekt“ auf den Asteroiden Apophis und seine Umlaufbahn auswirkt. Unabhängig davon untersucht auch die US-Raumfahrtorganisation Nasa diesen Effekt derzeit mit der Raumsonde „Osiris-Rex“, die den Asteroiden Bennu besucht und dort Gesteinsproben gesammelt hat.

Laut Berechnungen wird Bennu pro Jahr um 284 Meter in Richtung Sonne verschoben. „Osiris-Rex“ soll zeigen, wie genau das Modell zur Berechnung des „Jarkoswki-Effekts“ ist und dabei helfen, es weiter zu verfeinern, um die Flugbahn von Asteroiden künftig noch genauer vorhersagen zu können. Die Erkenntnisse könnten auch beim Asteroiden Apophis zum Einsatz kommen.

Asteroid Apophis: Was passiert bei seiner Erd-Annäherung 2029?

Weitere Beobachtungen des Asteroiden durch das NEOWISE-Teleskop der Nasa sind bereits geplant und erste Pläne für die Beobachtung des Asteroiden bei seiner großen Annäherung an die Erde im April 2029 sind bereits geschmiedet: „Wir werden den Asteroiden mit optischen und Radar-Teleskopen beobachten“, erklärte die Nasa-Wissenschaftlerin Marina Brozovic bereits vor einiger Zeit. Ein großer Asteroid, der der Erde sehr nahe kommt ist eine Gelegenheit, die Astronom:innen unbedingt nutzen möchten.

Nach den Berechnungen des Teams um Tholen dürfte die Forschung den Asteroiden Apophis bei seinem Vorbeiflug 2029 nun noch genauer beobachten. Denn auch der Vorbeiflug ist nicht ganz ohne: „Wir wissen, dass die nahe Begegnung mit der Erde den Kurs von Asteroid Apophis verändern wird“, erklärte der Astronom Davide Farnocchia vom Center für die Erforschung von erdnahen Objekten (CNEOS) vor einiger Zeit.

Asteroid Apophis kann auf der Erde beträchtliche Schäden anrichten

Fest steht auf jeden Fall eines: Sollte 2068 die Gefahr eines Einschlags durch den Asteroiden Apophis bestehen, wissen die Forschenden das relativ früh. Dann wird es darum gehen, wie man sich vor einem Asteroiden schützen kann. Denn eins ist sicher: Apophis ist so groß, dass er bei einem Einschlag auf der Erde beträchtliche Schäden anrichten würde.

Experten gehen davon aus, dass ein Asteroid von Apophis‘ Größe bei einem Einschlag eine Energie von etwa 900 Megatonnen freisetzt - das ist das 18-Fache der größten von Menschen verursachten Nuklearexplosion. Welche Auswirkungen das hätte, hängt jedoch stark davon ab, an welchem Ort und in welchem Winkel der Himmelskörper einschlägt. Ein „globaler Killer“ wie der Asteroid, der vor 66 Millionen Jahren dafür verantwortlich war, dass die Dinosaurier ausstarben, müsste jedoch eine deutlich höhere Einschlagsenergie haben. (Tanja Banner)

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