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Der Asteroid „Apophis“ wurde nach dem ägyptischen „Gott des Chaos“ benannt. Er wird im April 2029 sehr nahe an der Erde vorbeifliegen. (Symbolbild)
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Der Asteroid „Apophis“ wurde nach dem ägyptischen „Gott des Chaos“ benannt. Er wird im April 2029 sehr nahe an der Erde vorbeifliegen. (Symbolbild)

Planetare Verteidigung

Gefährlicher Asteroid „Apophis“ nähert sich der Erde – Letzte Chance für Forschende

  • Tanja Banner
    VonTanja Banner
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Der Asteroid „Apophis“ kommt der Erde in Zukunft näher als so mancher Satellit. Im März 2021 haben Forschende eine letzte Chance, die sie nutzen wollen.

  • Der berüchtigte Asteroid „Apophis“ kommt der Erde am 5. März 2021 nahe. Forschende wollen den gefährlichen Asteroiden beobachten, um künftige Einschläge auf der Erde auszuschließen.
  • Ein Projektteam übt anhand von Asteroid „Apophis“ den Ernstfall: Sie testen die planetare Verteidigung.
  • Aktuelles aus der Astronomie und der Raumfahrt finden Sie auf den Themenseiten.

Der Asteroid „Apophis“ ist legendär: Er gilt bis heute als der Asteroid, für den kurzzeitig das größte Kollisionsrisiko mit der Erde bestand. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 2,7 Prozent würde der Asteroid, der nach dem Gott des Chaos in der ägyptischen Mythologie benannt ist, am 13. April 2029 die Erde treffen, berechnete man kurz nach seiner Entdeckung im Jahr 2004.

Kurz darauf wurde die Berechnung jedoch korrigiert, für 2029 besteht nun kein Einschlagsrisiko mehr. Doch der Asteroid kommt der Erde an diesem Tag trotzdem noch sehr nah: Bis auf 31.000 Kilometer soll „Apophis“ am 13. April 2029 an die Erdoberfläche herankommen – näher, als so mancher Satellit, der die Erde umkreist.

Astronom:innen in aller Welt fiebern dem Tag entgegen, an dem sie den Asteroiden, dessen Durchmesser auf etwa 300 Meter geschätzt wird, aus einer ungewöhnlichen Nähe untersuchen können. Doch zuvor bekommen sie die Chance auf eine Art Generalprobe: Am 5. März 2021 kommt Asteroid „Apophis“ der Erde noch einmal nahe, bevor er sich bis April 2029 zurückzieht. Wobei der Begriff „nahe“ im Weltall relativ ist: „Apophis“ nähert sich der Erde bis auf etwa 16,8 Millionen Kilometer an – das ist mehr als die 43-fache Entfernung zwischen Erde und Mond. Eine Gefahr für die Erde durch Asteroid „Apophis“ besteht also 2021 nicht.

Asteroid „Apophis“ nähert sich der Erde – Forschende bekommen eine „Generalprobe“

Für Astronom:innen ist es dennoch eine große Chance: Sie können sich auf den sehr nahen Vorbeiflug von Asteroid „Apophis“ im Jahr 2029 vorbereiten und vorab so viele Informationen wie möglich über den fremden Himmelskörper sammeln. „Apophis“ gilt als ein „potentiell gefährlicher Asteroid“, der möglicherweise eines Tages die Erde treffen könnte. Daher ist seine Beobachtung so wichtig. Auf Basis der Daten, die beim Asteroiden-Vorbeiflug 2021 gesammelt werden, wird die Beobachtungskampagne im Jahr 2029 vorbereitet, die den Asteroiden dann sehr genau untersuchen soll.

Schließlich führt ihn seine Umlaufbahn um die Sonne immer wieder in die Nähe der Erde – und eines Tages könnte es zu einem Einschlag kommen. Ob es passiert, können Forschende derzeit nicht mit Gewissheit sagen, dazu weiß man zu wenig über den Asteroiden.

Umlaufbahn von Asteroid „Apophis“ verschiebt sich

Eigentlich war ein Einschlag des Asteroiden „Apophis“ auf der Erde für das Jahr 2068 rechnerisch ausgeschlossen worden. Doch vor einigen Monaten stellte sich heraus, dass der so genannte „Jarkowski-Effekt“ die Umlaufbahn des Asteroiden um 170 Meter pro Jahr verschiebt. „Das ist genug, um das Einschlagszenario für 2068 weiter im Spiel zu halten“, erklärte der Astronom Dave Tholen, der 2004 an der Entdeckung des Asteroiden beteiligt war und der die Wirkung des „Jarkowski-Effekts“ auf „Apophis“ untersucht. Diese Entdeckung ist ein Grund mehr, warum der Asteroid bei seinem Vorbeiflug an der Erde genau beobachtet werden wird.

Vom 3. bis 14. März soll das Nasa-Radioteleskop „Goldstone“ in Kalifornien auf „Apophis“ gerichtet sein. Mit guten Radaraufnahmen können die Forschenden anschließend unter anderem sagen, welche Form der Asteroid hat: Ist er eher wie eine Kartoffel geformt, wie eine Erdnuss oder besteht er gar aus zwei Teilen, die nur durch Schwerkraft zusammengehalten werden? Das Augenmerk der Forschenden liegt beim Vorbeiflug des Asteroiden im März 2021 auf der Form von „Apophis“ und seiner Rotationsbewegung. Bisher weiß man nur, dass der Asteroid auf eine sehr komplizierte Art rotiert.

Wie bewegt sich „Apophis? Daten sind wichtig für die Rückkehr des Asteroiden 2029

Möglichst genau zu wissen, wie sich der Asteroid bewegt, ist wichtig: Die Daten, die die Astronom:innen 2021 vom Asteroiden gewinnen können, werden in Modelle einfließen, die vorausberechnen sollen, wie sich „Apophis“ bei seiner großen Annäherung im April 2029 verhält. Fachleute vermuten, dass die Gravitation der Erde 2029 Auswirkungen auf den Asteroiden haben wird. „Wir wissen, dass die nahe Begegnung mit der Erde den Kurs von Asteroid Apophis verändern wird“, erklärte der Astronom Davide Farnocchia vom Center für die Erforschung von erdnahen Objekten (CNEOS) bereits vor einiger Zeit. Wie genau sich die Begegnung auswirken wird, können die Forschenden noch nicht abschätzen – die Daten fehlen.

Name des Asteroiden:99942 Apophis
Benannt nach:ägyptischer Gott des Chaos
Durchmesser:etwa 300 Meter
Datum der Entdeckung:19. Juni 2004
Umlaufdauer um die Sonne:323 Tage und 12 Stunden
Sehr naher Vorbeiflug an der Erde:13. April 2029, in etwa 31.000 Kilometern Höhe
Klassifizierung:Potentially Hazardous Asteroid (s. Infobox)

Asteroid „Apophis“ als Testobjekt: Forschende planen Übung zur planetaren Verteidigung

Um fehlende Daten geht es auch bei einer Forschungsgruppe, die den Asteroiden „Apophis“ bei seinem Vorbeiflug am 5. März ebenfalls genau beobachten wird. Das International Asteroid Warning Network (IAWN) hat eine Übung zur planetaren Verteidigung geplant, die sich um „Apophis“ dreht. Es handele sich um eine „Koalition der Willigen“, die „kein wissenschaftliches Ziel“ habe, erklärt der Koordinator des Projekts, Vishnu Reddy, gegenüber space.com. „Das Ziel ist, neue Beobachtungen zu bekommen, als wüssten wir nichts über das Objekt“, so Reddy weiter. Das Team soll die planetare Verteidigung üben: Angenommen, ein gefährlicher Asteroid wird entdeckt – wie schnell können die Beteiligten die Daten zusammentragen, die benötigt werden, um die Gefährlichkeit des Asteroiden richtig einzuschätzen und richtig zu reagieren?

Im Dezember 2020 beobachtete das planetare Verteidigungsteam den Asteroiden „Apophis“ bereits mit dem Weltraumteleskop „Neowise“. Der Vorteil des Infrarotteleskops im Weltall: Die Astronom:innen können die Größe des Gesteinsbrockens schneller einschätzen als das mit den irdischen Teleskopen möglich ist, die in der Regel neue Asteroiden entdecken. Für die Teilnehmenden der Übung, die so tun, als gäbe es die bisher bekannten Daten von Asteroid „Apophis“ noch nicht, dürfte das ein Schreckmoment gewesen sein: Sie ermittelten einen möglichen Einschlag des Asteroiden auf der Erde. Tatsächlich weiß man bereits, dass in den kommenden Jahrzehnten keine Gefahr von „Apophis“ droht. „Wenn man die bekannten Beobachtungen mit einbezieht, verschwindet das Einschlagsrisiko“, betont Reddy. „Wir kennen seinen Orbit sehr gut, er wird uns nicht treffen.“

„Potentially Hazardous Asteroid“

Der Asteroid „Apophis“ wurde vom Minor Planet Center der Nasa als „potentially hazardous asteroid“ (PHA), also „potentiell gefährlicher Asteroid“ eingestuft. In diese Kategorie werden Asteroiden klassifiziert, deren Umlaufbahn sie sehr nah (mindestens 7,5 Millionen Kilometer) an die Erde heranführen und die mindestens einen Durchmesser von 140 Metern haben. Damit würde der Asteroid bei einem Einschlag auf der Erde schwere regionale Schäden verursachen.

Weltraumteleskop „Neowise“ blickt noch einmal zu Asteroid „Apophis“

Das planetare Verteidigungsteam wartet – genau wie die weiteren Forschenden – auf die Daten, die das „Goldstone“-Radioteleskop liefern soll. Aber auch das Weltraumteleskop „Neowise“ soll noch einmal zum Asteroiden „Apophis“ blicken. Die Forschenden hoffen, dass sie den Asteroiden dann von einer anderen Seite beobachten und so einige Details zu seiner Oberflächenbeschaffenheit erfahren können. Denn im schlimmsten Fall – dem Einschlagsszenario – gilt: Je mehr Daten zur Verfügung stehen, desto besser können die Fachleute die Situation einschätzen. (Tanja Banner)

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