Asteroiden können der Erde gefährlich werden - doch es gibt keinen Grund für Panik. (Künstlerische Darstellung)
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Asteroiden können der Erde gefährlich werden - doch es gibt keinen Grund für Panik. (Künstlerische Darstellung)

Asteroid (2020 QG)

Asteroid verfehlte Erde um knapp 3000 Kilometer - Niemand sah ihn kommen

  • Tanja Banner
    vonTanja Banner
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Mit einem Abstand von nur 2950 Kilometern rast Asteroid (2020 QG) an der Erde vorbei. Brisant: Niemand hat das Geschoss kommen sehen - denn es gibt eine gefährliche Beobachtungslücke.

  • Der Asteroid (2020 QG) raste am 16. August 2020 in einem Abstand von nur 2950 Kilometern an der Erde vorbei
  • Es ist der knappste bekannte Vorbeiflug eines Himmelskörpers an der Erde - Himmelskörper, die der Erde näher kamen, sind dann auch eingeschlagen.
  • Asteroiden, die aus Richtung der Sonne kommen sind eine große Gefahr für die Erde.

Update vom Mittwoch, 19.08.2020: Der Asteroid (2020 QG), der so knapp wie kein Asteroid vor ihm an der Erde vorbeigerauscht ist, wurde erst sechs Stunden nach seiner größten Annäherung entdeckt. So viel war bekannt. Nun hat die US-Raumfahrtorganisation Nasa weitere Details bekanntgegeben: Bei seiner größten Annäherung an die Erde befand sich der Asteroid über dem südlichen Indischen Ozean - und zwar am 16. August um 6.08 Uhr deutscher Zeit.

Bei seinem sehr nahen Vorbeiflug an der Erde hat sich die Schwerkraft der Erde auf den etwa 2,9 bis 4,6 Meter großen Asteroiden ausgewirkt. „Unsere Berechnungen zeigen, dass der Asteroid um 45 Grad gedreht wurde, als er an unserem Planeten vorbeikam“, erklärt Paul Chodas vom Nasa-Zentrum für erdnahe Objekte (CNEOS). Der Asteroid war etwa 12,3 Kilometer pro Sekunde schnell, als er an der Erde vorbeiraste - das sind umgerechnet etwa 44.000 Kilometer pro Stunde.

Asteroiden, die wie (2020 QG) sehr klein sind, sind aufgrund ihrer Größe und Geschwindigkeit sehr schwierig zu entdecken. „Es gibt typischerweise nur ein kleines Zeitfenster von ein paar Tagen vor oder nach der Annäherung, in dem diese kleinen Asteroiden nah genug an der Erde sind, um hell genug zu sein, aber nicht so nah, um zu schnell zu sein, um sie mit dem Teleskop zu finden“, so Chodas.

Asteroid flog knapp an der Erde vorbei - und wurde erst danach entdeckt

Erstmeldung vom 18.08.2020: 2950 Kilometer. In diesem beängstigen geringen Abstand ist am 16. August 2020 der Asteroid (2020 QG) an der Erde vorbeigerauscht. Eine vierstellige Zahl - da kann man durchaus auch von einem kosmischen Streifschuss sprechen. Es handelt sich um den knappsten bekannten Vorbeiflug eines Himmelskörpers an der Erde, bestätigt Paul Chodas vom Nasa-Zentrum für erdnahe Objekte dem „Business Insider“. Noch beängstigender als der geringe Abstand zur Erde ist jedoch ein anderer Fakt: „Wir haben den Asteroiden nicht kommen sehen“, gibt Chodas zu. Der Asteroid sei aus Richtung der Sonne gekommen und war somit für Teleskope nicht zu sehen.

Asteroid (2020 QG) verfehlte die Erde - und erinnert an den Meteor von Tscheljabinsk

Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Der Asteroid, der erst etwa sechs Stunden nach seinem knappen Vorbeiflug an der Erde vom Palomar Observatory in Kalifornien entdeckt wurde, ist sehr klein und wäre für die Erde auch bei einem Einschlag nicht sehr gefährlich gewesen. Seine Durchmesser wird von Beobachtern auf 2,9 bis 4,6 Meter geschätzt - er hat also in etwa die Größe eines Autos.

Ein Asteroid dieser Größe dürfte - vorausgesetzt, er trifft die Erde - bereits in großer Höhe explodieren und auf der Erde nur wenig Schaden anrichten. Jedoch darf man auch den Meteor von Tscheljabinsk nicht vergessen: Der Asteroid mit einem Durchmesser von etwa 20 Metern kam ebenfalls aus Richtung der Sonne, weshalb man ihn im Februar 2013 im russischen Ural nicht kommen sah. Er explodierte in der Erdatmosphäre - doch seine Explosion ließ zahlreiche Fenster auf der Erde bersten, etwa 1500 Menschen wurden dadurch verletzt.

Asteroiden die aus Richtung der Sonne kommen, sind auf der Erde kaum zu sehen

Im Juli 2019 tauchte der 130 Meter große Asteroid (2019 OK) quasi aus dem Nichts auf und kam der Erde bis auf 72.400 Kilometer nahe. Entdeckt wurde er weniger als eine Woche vor seiner größten Annäherung - und er hätte bei seiner Größe durchaus das Potenzial gehabt, große Schäden anzurichten und viele Menschen zu töten.

Um gefährliche Asteroiden frühzeitig zu entdecken und beobachten zu können, gibt es Programme, die den Himmel automatisiert scannen. Die US-Raumfahrtorganisation Nasa hat 2005 vom US-Kongress den Auftrag erhalten, 90 Prozent der Asteroiden, die einen Durchmesser von mindestens 140 Metern haben, zu finden und zu beobachten.

Wie entdeckt man Asteroiden aus Richtung der Sonne auf der Erde rechtzeitig?

Doch das Problem bleiben Asteroiden, die sich aus Richtung der Sonne der Erde nähern. Asteroiden werden mit optischen Teleskopen beobachtet - was bedeutet, dass die Teleskope nur am dunklen Himmel nach ihnen suchen können. „Es gibt nicht viel, was wir tun können, um Asteroiden aus Richtung der Sonne zu finden“, gibt auch Chodas gegenüber dem „Business Insider“ zu. Es gibt nur eine Chance, sie rechtzeitig zu entdecken: Man muss sie dann finden, wenn sie am Nachthimmel zu sehen sind und dann „Vorhersagen für Jahre und Jahrzehnte machen um zu sehen, ob es eine Wahrscheinlichkeit für einen Einschlag gibt", so Chodas.

Dass Asteroiden für die Erde gefährlich werden können, ist längst anerkannt. Die Nasa arbeitet an einem Weltraumteleskop, das Asteroiden und Kometen, die aus Richtung der Sonne kommen, entdecken kann. Wenn die Gelder für die so genannte Near-Earth Object Surveillance Mission fließen, könnte das Teleskop bereits 2025 starten. Zuvor hat die Nasa gemeinsam mit der Esa eine andere Mission geplant, bei der es um Asteroiden geht: Die „AIDA“-Mission, bestehend aus den Raumsonden „Dart“ (Nasa) und „Hera" (Esa) soll einen Asteroiden aus seiner Umlaufbahn schubsen und anschließend das Ergebnis untersuchen. (Von Tanja Banner)

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