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Arthrose: Wie sich Knorpel wieder reparieren lassen

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Von: Jan-Frederik Wendt

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Können Knorpel heilen? Studie weckt Hoffnung (Symbolfoto).
Können Knorpel heilen? Studie weckt Hoffnung (Symbolfoto). © Imago

Arthrose-Patient:innen müssen sich meist mit ihrem Schicksal abfinden. Knorpel heilen nicht, sagen die meisten Ärzt:innen. Eine neue Studie macht nun Hoffnung.

Frankfurt – Nach jüngsten Forschungsergebnissen besitzen Knorpel – zumindest jene in menschlichen Gelenken – eine begrenzte Reparaturfähigkeit. Das weckt Hoffnung auf Behandlungen, die den Knorpel – beispielsweise bei Arthrose – heilen oder bereits beschädigtes Gewebe vor weiterem Abbau schützen, berichtet spektrum.de.

Um sich vorzustellen, wie ein Gelenkknorpel aussieht, denken Sie an die zähe, weiße Schicht am Ende eines Hühnerknochens. Das meiste davon ist ein schwammartiges Material, die sogenannte extrazelluläre Matrix. Sie besteht aus Wasser und faserigen Proteinen und wird von speziellen Zellen, den Chondrozyten, hergestellt. „Jedes Gewebe – einmal abgesehen vom Zahnschmelz – besitzt die Fähigkeit, sich selbst zu regenerieren“, erklärt die Rheumatologin Virginia Kraus von der Duke University School of Medicine. „Dabei wird neues Gewebe gebildet, altes wird zerkleinert und weggeschwemmt“.

Arthrose: Dynamische Belastung spielt wichtige Rolle

Das Problem: Der Erneuerungsprozess im Knorpel ist sehr träge, sagt Kraus. Und es stimme auch, dass das Gewebe bei Erwachsenen nicht durchblutet sei. Nahrung erhalte der Knorpel durch dynamische Belastung: Wird auf ein Gelenk Druck ausgeübt, fließt nährstoffhaltige Gelenkflüssigkeit ein und aus. Daher sei Bewegung „so wichtig für die Gesundheit der Gelenke“, sagt Kraus. „Der Knorpel wird dadurch mit Nährstoffen versorgt“.

Kraus ist eine der wenigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die untersuchen, wie sich das Gewebe langsam erneuert. 2019 machte ihr Team eine überraschende Entdeckung: Das Level jener Proteine, die für Reparatur und Regeneration zuständig sind, unterscheidet sich von Gelenk zu Gelenk. Im Knöchel wird mehr hergestellt als im Knie und im Knie mehr als in der Hüfte.

In Arthrose-Gelenken ist mehr genetisches Material als in gesunden

Zudem zeigt die Studie, dass in Arthrose-Gelenken mehr genetisches Material vorhanden ist, das bei Reparaturprozessen wichtig ist als in gesunden. Zwar reiche dies offensichtlich nicht für die Heilung aus. Dennoch: Es könnte sein, dass der Reparaturprozess funktioniert – zumindest im Knöchel. Dieser Körperteil sei von schwerer Arthrose seltener betroffen als das Knie oder die Hüfte.

Es gibt noch weitere Hinweise darauf, dass sich menschlicher Knorpel regenerieren kann. Die sogenannte Gelenkdistraktion wird derzeit als Therapiemöglichkeit für Patient:innen mit weit fortgeschrittener Kniegelenksarthrose getestet, die zu jung für eine Prothese sind. Bei dem Verfahren werden oberhalb und unterhalb des Knies für sechs Wochen externe Fixateure angelegt, die wie eine Art Schraubzwinge aussehen. Sie sollen die Ober- und Unterschenkelknochen um etwa fünf Millimeter auseinanderdrücken. Dadurch wird der Gelenkspalt geöffnet. Die Patient:innen dürfen und sollen weiter gehen, die Apparatur reduziert dabei die Belastung, sodass das Knie mit nährstoffhaltiger Flüssigkeit versorgt ist, ohne überlastet zu werden – mit Erfolg: Das Verfahren führt zu leichten Knorpelzuwachs und verringerten Schmerzen.

Zudem macht ein neues Medikament gegen Arthrose Hoffnung. Rheumatologe Philip Conaghan von der University of Leeds (England) erforscht das Mittel. Ein Wachstumsfaktor namens Sprifermin scheint den Knorpelverlust bei einigen Patienten zu verlangsamen. Auch entzündungshemmende Ernährung kann bei Arthrose helfen. Einige Lebensmittel werden empfohlen. (jfw)

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