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„Artemis 1“-Mission der Nasa verhindert Kommunikation mit anderen Missionen

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Von: Tanja Banner

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Die Nasa-Mond-Mission „Artemis 1“ hat Vorrang vor allem – und behindert die Arbeit mit dem „James Webb“-Weltraumteleskop, beklagt eine Forscherin.

Washington D.C. – Im laufenden Jahr hat die US-Raumfahrtorganisation Nasa gleich zwei große Missionen an den Start gebracht: Im Sommer 2022 hat das neue Weltraumteleskop „James Webb“ (JWST) seinen Dienst aufgenommen, im November brachte die neue Nasa-Rakete „Space Launch System“ (SLS) erstmals eine „Orion“-Kapsel im Rahmen des „Artemis“-Programms ins Weltall.

Während „James Webb“ viele Jahre lang beeindruckende Daten aus den Tiefen des Weltraums zur Erde funken soll, handelt es sich bei der Raumkapsel „Orion“ nur um eine wenige Wochen dauernde Mission – doch das ist offenbar trotzdem ein Problem. Denn die Kommunikation beider Raumfahrzeuge läuft über das Deep Space Network (DSN) der Nasa, ein System von 14 Antennen, die in Kalifornien, Spanien und Australien stationiert sind und die Kommunikation mit allen Nasa-Missionen außerhalb des Erdorbits übernehmen.

Deep Space Network der Nasa ist durch „Artemis“-Mission völlig lahmgelegt

Besonders für die Forschenden, die die begehrte Beobachtungszeit mit dem „James Webb“-Teleskop erhalten haben, ist das ein Problem. „Uns wurde im Sommer gesagt, dass das Deep Space Network nach dem Start der ‚Artemis‘-Mission im Grunde vollständig von ‚Artemis‘ übernommen werden würde, da das Raumschiff verfolgt werden muss“, erklärte die Astrophysikerin Mercedes López-Morales auf einer Sitzung der US-amerikanischen nationalen Akademie der Wissenschaften.

Am 16. November startete die 25-tägige „Artemis 1“-Mission der Nasa: Die Crew-Kapsel „Orion“ wurde ohne Besatzung in einen Mondorbit geschickt, am 11. Dezember soll sie wieder im Pazifik wassern. Damit bei der wichtigen und komplexen Mission alles glattläuft, ist die Kapsel beinahe ständig in Kontakt mit dem Deep Space Network – und alle andere Missionen schauen in die Röhre.

„James Webb“-Weltraumteleskop leidet unter „Artemis“-Mission

Vor dem „Artemis 1“-Start habe man López-Morales gesagt, dass bis zu 80 Stunden (etwa dreieinhalb Tage) ohne Kontakt mit dem Weltraumteleskop vergehen könnten, berichtete die Forscherin. Das scheint auf den ersten Blick kein Problem zu sein, da die Astronominnen und Astronomen nur etwa einmal pro Woche neue Kommandos an das zehn Milliarden US-Dollar teure Weltraumteleskop schicken. Unregelmäßige Kommunikation stört die Arbeit also erst einmal nicht.

Doch es gibt ein anderes Problem: „Webb“ muss die riesigen gesammelten Datenmengen regelmäßig zur Erde schicken, bevor seine Speicher voll sind. „Das große Problem ist, dass man Daten nicht so lange herunterladen kann“, erklärt López-Morales. Für „Artemis 1“ haben die Forschenden eine Lösung gefunden: Das Space Telescope Science Institute, das das „James Webb“-Teleskop betreibt, hat den Beobachtungsplan umgestellt.

Während „Artemis 1“ gibt es hauptsächlich kurze Beobachtungen am JWST

Derzeit werden hauptsächlich kürzere Beobachtungen durchgeführt, bei denen kleinere Datenmengen anfallen. So soll verhindert werden, dass die Speicher des Weltraumteleskops volllaufen, bevor das Deep Space Network wieder bereit ist, Daten zu empfangen. Eine dauerhafte Lösung ist das jedoch nicht.

Die „Orion“-Kapsel der Nasa liefert auf ihrer „Artemis 1“-Mission atemberaubende Bilder vom Mond und der Erde – doch der dauerhafte Kontakt zur Nasa macht die Kommunikation mit anderen Raumfahrtmissionen nicht leicht.
Die „Orion“-Kapsel der Nasa liefert auf ihrer „Artemis 1“-Mission atemberaubende Bilder vom Mond und der Erde – doch der dauerhafte Kontakt zur Nasa macht die Kommunikation mit anderen Raumfahrtmissionen nicht leicht. © IMAGO/Cover-Images/Nasa

2024 soll bereits die nächste „Artemis“-Mission zum Mond starten – dieses Mal mit einer menschlichen Crew an Bord. Weitere Missionen sind geplant, unter anderem sollen frühestens 2025 die nächsten Menschen im Rahmen des „Artemis“-Programms auf dem Mond landen. Forschende machen sich bereits jetzt Sorgen, wie das Deep Space Network dann mit den Datenmengen umgehen wird. „Wir bitten die Nasa verzweifelt um einen Plan, um irgendwie mehr Zugang zu den Antennen zu bekommen“, erzählt López-Morales.

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Das Deep Space Network (DNS) hat bereits die Nasa-Missionen „Apollo“ und „Voyager“ unterstützt. Im Vorfeld der „Artemis 1“-Mission wurde das DNS ausgebaut, doch offenbar nicht genug. Nun hoffen die Forschenden, dass die Nasa ein Einsehen hat und das DNS weiter ausbauen, um die wichtige Arbeit des „James Webb“-Weltraumteleskops nicht zu gefährden. (tab)

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