Verschiedene Geldscheine (Symbolfoto).
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Verschiedene Geldscheine (Symbolfoto).

Einkommen

Armut verändert den Freundeskreis

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Weitreichende Folgen für soziale Beziehungen.

Wer arbeitslos wird und irgendwann nur noch ein Einkommen unterhalb der Armutsgrenze zur Verfügung hat, verliert mehr als Job, Geld und berufliche Anerkennung. Finanzieller Abstieg führt auch dazu, dass soziale Beziehungen sich verschlechtern. Das belegt erstmals eine für Deutschland repräsentative Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, die auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) basiert und in der Fachzeitschaft „European Sociological Review“ veröffentlicht wurde.

Auch in der Familie kann es zu Konflikten kommen

Als armutsgefährdet gilt in Deutschland, wer über weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens verfügt. Für ihre Studie analysierten die Soziologin Petra Böhne und ihr Kollege Sebastian Link die Angaben von mehr als 50 000 Menschen, die zwischen 1992 und 2013 für das SOEP immer wieder befragt wurden, unter anderem zu ihrem Einkommen und zur Häufigkeit ihrer sozialen Kontakte. Das Sozio-oekonomische Panel ist die größte und am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und den Ländern gefördert.

Die Auswertung der Wissenschaftler zeigt: Menschen, die in Armut geraten sind, treffen sich weniger als zuvor mit Bekannten, Kollegen oder Nachbarn, sie machen seltener Besuche und empfangen auch selbst seltener Gäste. Darüberhinaus, so Petra Böhnke, verändere sich der Freundeskreis – wenn auch nicht quantitativ. Aber nach drei Jahren in Armut gehörten immer weniger Menschen mit festem Job dazu. Ein Teufelskreis, denn dadurch verringerten sich für Arbeitslose die Möglichkeiten, „wieder einen Weg aus der Armut zu finden“ – das schon allein deshalb, weil die Betroffenen keine Informationen mehr zu Jobangeboten aus dem Freundeskreis erhalten.

Die Beziehungen innerhalb der Familie sind stabiler als die im Freundeskreis. Sie bildeten ein „starkes soziales Netz, das auch dafür sorgt, dass arme Menschen in der Regel nicht völlig sozial isoliert sind“, erläutert Sebastian Link. Indes: Familien könnten zwar Notlagen auffangen, allerdings könne diese Situation auch zu Konflikten führen, worunter dann die Qualität der Beziehungen innerhalb der Familie leide.

Darüberhinaus kämen bei Menschen, die von Armut betroffen sind, auch noch weitere Faktoren dazu, das soziale Gefüge aus Freunden und Bekannten belasten. Denn nicht selten machen Arbeitslosigkeit und das Wissen, sich kaum noch etwas leisten zu können, seelisch und auch körperlich krank. Das wiederum kann zu Rückzug führen, die soziale Isolation nimmt immer weiter zu.

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