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Eine Sojus-MS-Rakete beim Start von Baikonur im Juli 2019.

Raumfrachter

„Argo“ gegen „Dragon“: Konkurrenz für US-Raumfrachter

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Nach den USA und China will auch Russland mit einem mehrfach nutzbaren Raumschiff auf den Weltraummarkt.

Der US-Raumfahrtunternehmer Elon Musk und seine kosmische Fähre „Dragon“ bekommen Konkurrenz. Die russische Firma „Internationale kosmische Transportunternehmen“ (russisch kurz MTKS) will gemeinsam mit der Staatskorporation Roskosmos einen neuen Raumfrachter bauen. Die „Argo“, wie das Projekt laut der Nachrichtenagentur RIA Nowosti getauft wurde, soll bereits 2024 startbereit sein. Das teilte MTKS-Eigner Sergei Sopow russischen Journalisten mit. „Die Verwendung eines mehrfach verwendbaren Schiffs beinhaltet die Bergung und die Rückführung teurer Ausrüstung. Und sie wird die Unkosten beim Transport von Frachten im Kosmos senken“.

Wie „Dragon“ soll auch „Argo“ von einer Trägerrakete ins Weltall geschossen werden, wie „Dragon“ soll sie Material und Menschen zur Internationalen Weltraumstation (ISS) befördern. Der 11,5-Tonnen schwere russische Raumgleiter wird eine Kapsel mit einem Durchmesser von 4,1 Meter und 5,6 Meter Höhe bekommen. „Das Projekt ist sehr interessant. Es ist begrüßenswert, dass die Staatsagentur Roskosmos dieses Raumschiff gemeinsam mit einer privaten Firma entwickeln will“, sagte Iwan Kosenkow, Projektmanager der Innovationsstiftung Skolkowo für Raumfahrttechnologien. Aber noch sei das Projekt in einem sehr frühen Stadium, es sei nur schwer einzuschätzen, wie konkurrenzfähig die neue russische Raumfähre technisch und finanziell sein werde.

Laut Projektbeschreibung sollen die zunächst geplanten drei „Argo“-Exemplare in der Lage sein, Nutzlasten von bis zu zwei Tonnen ins All und von bis zu einer Tonne von dort zurück zu befördern und bis zu 300 Tage im Verband mit einer bemannten Raumstation wie der ISS zu fliegen. Zum Vergleich: „Dragon“ kann schon jetzt bis 2,5 Tonnen (geplant sind bis zu sechs Tonnen) in den Kosmos transportieren, und dort bis zu 720 Tage mit der ISS kreisen.

Aber ganz offenbar wollen die Russen mit „Argo“ preiswerter sein als die US-amerikanische Konkurrenz. Sie beziffern die Selbstkosten eines „Argo“-Fluges auf knapp zehn Millionen Dollar. Moskauer Experten halten die Zahl für optimistisch, trotzdem schließen sie nicht aus, dass der neue Raumfrachter durchaus marktfähig sein wird. „Die Kosten für einen Dragon-Flug im Staatsauftrag lassen sich auf 40 Millionen Dollar beziffern, für einen Flug der russischen Transportrakete Progress auf 20 Millionen Dollar“, sagt Raumfahrtblogger Witali Jegorow der Zeitung RBK. „Und man kann annehmen, dass ,Argo‘ billiger als ,Progress‘ sein wird, weil der Frachter mehrfach benutzbar ist.“

Laut Pawel Puschkin, dem Chef der Weltraumpassagier-Firma Kosmokurs beträgt der Preis für einen „Dragon“-Frachtflug 130 bis 150 Millionen Dollar, für einen Progress-Raketenflug 50 bis 60 Millionen Dollar. „Bleibt abzuwarten, ob Argo billiger Lasten ins All befördern wird als ,Dragon‘ oder ,Progress-MS‘.“ Ganz bestimmt aber sei „Argo“ eine Antwort auf „Dragon“.

Die US-Raumfähre ist dieses Jahr schon zur Internationalen Raumstation geflogen und hat damit das jahrzehntelange Monopol der russischen Transportraketen gebrochen. Ein teures Monopol. Laut Jegorows Portal „Otkryti kosmos“ erhöhten die Russen seit 2006 die Preise für den Transport eines Astronauten zur ISS von anfangs 25 Millionen Dollar auf 82 Millionen. Damit koste ein Weltraumticket mehr als die 70 Millionen für den kompletten Flug einer modernen russischen Sojus-MS-Rakete mit drei Sitzen. „Dragon“ kann bis zu sieben Raumfahrer befördern.

Es könnte eng werden auf dem Markt für kosmischen Fracht- und Personalverkehr. Die ISS hat laut Jegorow keinen Bedarf für Nutzlasten von mehr als einer Tonne. Zwar wollen die Chinesen 2023 den Bau einer eigenen All-Station mit mehreren Modulen beginnen. Aber sie haben auch schon ihre eigene Raumfähre „Tianzhou 1“, die schon 2017 erfolgreich an ein chinesisches Weltraumlabor andockte.

„Es bleibt abzuwarten, welchen Umfang der Markt im Kosmos entwickeln wird“, sagt Kosenkow. „Aber es gibt sehr interessante Projekte. Etwa das biologische Drei-D-Drucken, mit dem unsere Firma 3D Bioprinting Solutions erfolgreich im All experimentiert. Es kann in der Zukunft etwa zur Gewinnung von menschlichen Organen für Transplantationen dienen.“

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