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Schreibübung oder Rechnung? In den Archiven lagern noch viele solcher Stäbchen
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Schreibübung oder Rechnung? In den Archiven lagern noch viele solcher Stäbchen

Inschriften entschlüsselt

Antike Geldsorgen

Es steht schon auf Palmblättern aus dem alten Arabien: die liebe Not mit dem Geld und den Schulden. Schon damals wurden offenbar Schulden mit neuen Schulden bezahlt von Geschäftsleuten. Lesen können das aber nur ganz wenige Menschen.

Einen Einblick in die Alltagssorgen einer längst vergangenen Kultur haben jetzt über 2.000 Jahre alte Inschriften auf Palmblattrippen geliefert. Schon damals plagten die Menschen in Arabien offenbar finanzielle Sorgen. Dies ergab jetzt eine Entzifferung der etwa zigarrengroßen Palmholzstäbchen durch deutsche Forscher. So ließ ein Geschäftsmann auf einem der Holzstäbchen notieren, dass er sich Geld leihen musste, um Schulden bezahlen zu können.

Die Wissenschaftler entdeckten diesen Text in der Sammlung der Bayerischen Staatsbibliothek in München, die rund 400 beschriftete Holzstäbchen aus der Region umfasst. Diese kamen bereits in den 1980er Jahren in einer antiken Ruinenstätte im Norden des Jemen ans Tageslicht. „Es sind Briefe dabei, Verträge, Urkunden und Etiketten von Warenlieferungen“, sagt der Orientalist Peter Stein von der Universität Jena. Er ist einer der wenigen Experten weltweit, die diese in sogenannter Minuskelschrift geschriebenen Texte lesen und übersetzen können. Den Holzstäbchen komme bei der Beschreibung des Lebens der Menschen in der Region eine ähnliche Bedeutung zu wie dem Papyrus in Ägypten oder der Tontafel in Mesopotamien.

Alltagssorgen einer längst vergangenen Epoche

Den Forschern gelang es in sechsjähriger Arbeit, die Schriften aus dem Münchner Archiv auszuwerten. „Die Mehrzahl dieser Nachrichten wurde in sabäischer Sprache verfasst, außerdem liegen uns Stücke in Minäisch vor“, sagt Stein, der seine Ergebnisse in einem Buch veröffentlicht hat. Sabäisch war die Sprache eines antiken Königreichs im Gebiet des heutigen Jemen. Minäisch wurde in einem der damaligen Nachbarstaaten gesprochen.

Die im Wüstensand gefundenen Holzstäbchen ermöglichten den Forschern einen genauen Einblick in geschäftliche und persönliche Probleme in der vorislamischen Zeit. Sie fanden aber auch Orakelsprüche und Texte, die offensichtlich von Schülern als Schreibübungen verfasst wurden. Leider seien von den Korrespondenzen stets nur einzelne Briefe konserviert worden, die andernorts aufbewahrten Antworten auf die Schreiben fehlten.

Schrift in Südarabien schon über 3.000 Jahre alt

Steins Kollege Norbert Nebes hält die bisher analysierten Stäbchen-Texte für „höchst bedeutsam“ für die vorislamische Geschichte Arabiens, weil vergleichbares Alltagsschriftgut von der Arabischen Halbinsel sonst unbekannt ist. Ein Glücksfall sei der Fund aber noch aus anderen Gründen. So lasse sich anhand der hölzernen Dokumente das Alter der altsüdarabischen Schriftkultur erstmals mittels naturwissenschaftlicher Methoden datieren. Danach dürfte die Schrift in Südarabien bereits im späten 2. Jahrtausend vor Christus eingeführt worden sein - mehr als zwei Jahrhunderte früher als bislang angenommen.

Die Beschäftigung mit den Holzstäbchen ist den Forschern zufolge aber längst nicht abgeschlossen, denn noch sind nicht alle Inschriften entziffert. Weitere Überraschungen seien zu erwarten. (dapd)

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