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„Anti-Aging-Mittel“ sind wirkungslos

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Von: Pamela Dörhöfer

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Altern ist immer, von Anfang an. Aber kann man den Prozess verlangsamen?
Altern ist immer, von Anfang an. Aber kann man den Prozess verlangsamen? © Jochen Lübke/dpa

Forschende aus Deutschland untersuchen den Effekt von Intervallfasten und anderen Methoden auf das Altern

Nicht zu altern oder den schleichenden Verfall zumindest hinauszuzögern dürfte ein Traum sein, der fast so alt ist wie die Menschheit. Gelungen ist es bis heute nicht wirklich – auch wenn die Lebenserwartung stark gestiegen ist und viele Ältere längst nicht mehr so greisenhaft wirken wie noch vor 100 Jahren. Alterungsprozesse aufzuhalten ist ein Feld, mit dem sich weltweit viele Forschungseinrichtungen befassen. Ein Team des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), des Helmholtz-Zentrums München und des Deutschen Zentrums für Diabetes hat nun die Wirkung von drei Mitteln und Wegen untersucht, für die bislang die Vermutung bestand, sie könnten das Altern verlangsamen.

Das ernüchternde Ergebnis: Alle drei erwiesen sich in Versuchen mit Mäusen als wirkungslos. „Es gibt keine innere Uhr des Alterns, die man mit einem einfachen Schalter regulieren könnte – zumindest nicht in Form der hier untersuchten Behandlungen“, bilanziert Dan Ehninger, Initiator der Studie, die im Fachmagazin „Nature Communications“ veröffentlicht wurde.

Eine der drei Methoden dürfte vielen Menschen bekannt sein: Es handelt sich um Intervallfasten. In Fachkreisen gibt es seit einigen Jahren die Theorie, dass eine eingeschränkte Kalorienzufuhr Alterungsprozesse bremsen und Langlebigkeit fördern kann, unter anderem auch auf Basis von Studien mit sehr alten Menschen. Bei den Mäusen in der aktuellen Studie allerdings hatte das Intervallfasten keinen Einfluss auf das Altern. Im Mittelpunkt stand dabei indes nicht die Lebensspanne der Tiere, sondern die altersabhängige Veränderung verschiedener Körperfunktionen.

Was ist mit Rapamycin?

Der zweite begutachtete Ansatz greift in die Freisetzung des Wachstumshormons ein, indem er auf den Rezeptor zielt, der dieses Hormon freisetzt. Diese Methode zeigte ebenso wenig einen durchschlagenden Effekt wie die dritte, die an einem Knotenpunkt des Zellstoffwechsels ansetzt. Letzteres ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil genau darauf auch das „Anti-Aging-Medikament“ Rapamycin setzt.

Rapamycin gilt in der Alternsforschung als Hoffnungsträger. Erst im August veröffentlichte das Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns in Köln eine Studie, demnach bereits eine kurze, zweiwöchige Gabe bei Fruchtfliegen und eine dreimonatige Einnahme bei Mäusen die Tiere vor altersbedingten Veränderungen im Darm schützte und ihr Leben verlängerte. In der Medizin wird Rapamycin wird bei Organtransplantationen eingesetzt, weil es die Immunabwehr bremst und so ein Abstoßen des fremden Gewebes verhindern kann. US-amerikanische Forschenden wiesen 2009 nach, dass Mäuse, die Rapamycin einnahmen, einige Monate länger lebten als ihre Artgenossen.

Wissenschaftler:innen des DZNE wiederum hatten bereits 2013 in einer Studie die Annahme geäußert, dass Rapamycin zwar lebensverlängernd auf Mäuse wirkt, weil es vermutlich die Tumorbildung hemmen kann, dass es aber keinen allgemeinen Effekt auf das Altern hat. In der aktuellen Studie des DZNE sahen die Forschenden die Vermutung bestätigt, dass Rapamycin den natürlichen Alterungsprozess und die damit einhergehende Verschlechterung von Körperfunktionen nicht aufhalten kann – ebenso wenig wie die beiden anderen untersuchten Methoden. Immerhin: Bei einzelnen Mäusen, heißt es in einer Mitteilung des DZNE, ließ sich feststellen, dass sie jünger aussahen als sie in Wirklichkeit sind.

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