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Am Limit

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Von: Verena Kern

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Nebelbänke umhüllen Ölpumpen in einem Tal in Texas.
Nebelbänke umhüllen Ölpumpen in einem Tal in Texas. © Jerod Foster/dpa

Weil bei der Energiewende so viel vermurkst wurde, erleben die Fossilen nun wieder goldene Zeiten. Sind die Pariser Klimaziele überhaupt noch in Reichweite? Eine neue Studie gibt Anlass zur Hoffnung. Die Kolumne „Öko-logisch“.

Optimismus ist im Moment wirklich nicht einfach, auch oder gerade beim Klimaschutz. Erst verdrängte Corona das Thema aus der Öffentlichkeit und von der politischen Agenda, jetzt ist es Russlands Krieg gegen die Ukraine. Weil bei der Energiewende so viel vermurkst und verzögert wurde, erleben die Fossilen nun wieder goldene Zeiten. Deutschlands Kohlekraftwerke werden wohl doch länger laufen. Flüssiges Erdgas ist der neue Star. China baut seine Kohleflotte aus. Die USA fördern mehr Öl und Gas. Sind die Pariser Klimaziele überhaupt noch in Reichweite?

Wie es damit steht, haben nun acht Expert:innen von Universitäten, Klimaforschungsinstituten, der Internationalen Energieagentur und dem UN-Klimasekretariat untersucht. Ihre Studie hat das Fachmagazin „Nature“ in seiner jüngsten Ausgabe kurz vor Ostern veröffentlicht.

Der Report analysiert die Klimazusagen der Staaten, die seit der Klimakonferenz vor fünf Monaten in Glasgow auf dem Tisch liegen. Für Glasgow mussten alle Länder erstmals ihre Zusagen nachschärfen. Die meisten haben das getan. Rechnet man alles zusammen, landet man bei einer Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts von 1,9 bis zwei Grad. Vor Glasgow reichte es erst für 2,2 Grad. Das ist zwar kein riesengroßer Fortschritt, aber eben doch eine Verbesserung.

Verena Kern.
Verena Kern. © Verena Kern

Doch wie immer in solchen Fällen gibt es auch ein Aber. Beziehungsweise gleich mehrere. Damit es mit den zwei Grad klappt, müssen alle Zusagen vollständig und rechtzeitig erfüllt werden. Zweitens: In die Berechnung sind nicht nur die Klimaversprechen eingeflossen, die die Länder bis 2030 erfüllen wollen, sondern auch die längerfristigen Ziele. Solche Netto-Null-Ziele bis zur Jahrhundertmitte haben mittlerweile 75 Länder, die insgesamt für drei Viertel der weltweiten CO2-Emissionen stehen.

Und drittens: Für das Paris-Abkommen reicht das immer noch nicht. Das darin vereinbarte Limit von „deutlich unter zwei Grad“ wird nach wie vor verfehlt. Erst recht das 1,5-Grad-Limit. Dass dieses eingehalten wird, ist laut Studie nach heutigem Stand zwar nicht vollkommen ausgeschlossen. Die Wahrscheinlichkeit liegt aber nur bei sechs bis zehn Prozent.

Ich habe lange überlegt, ob ich diese Ergebnisse als einen Grund für Optimismus sehen soll. Oder ob die pessimistischen Stimmen auf Twitter doch recht haben, wenn sie sagen, alles schön und gut, aber es hält sich sowieso niemand an diese Zusagen. Optimismus ist mir lieber.

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