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Anzeichen für Alzheimer bis zu neun Jahre vor Diagnose erkennbar

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Von: Tanja Banner

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Bei der Alzheimer-Krankheit bauen nach und nach die geistigen Fähigkeiten von Betroffenen ab. (Symbolbild)
Bei der Alzheimer-Krankheit bauen nach und nach die geistigen Fähigkeiten von Betroffenen ab. (Symbolbild) © Sven Hoppe/dpa

Forschende aus Cambridge zeigen, dass bereits Jahre vor der Alzheimer-Diagnose erste Anzeichen erkennbar sind – mit Folgen für Forschung und Patient:innen.

Cambridge – Die Krankheit Alzheimer ist tückisch und bisher unheilbar. Doch die Forschung arbeitet an Möglichkeiten, die Demenzform, an der alleine in Deutschland mehr als 1,6 Millionen Menschen erkrankt sind, in den Griff zu bekommen. Erst kürzlich zeigte eine Studie, dass ein neues Alzheimer-Medikament den geistigen Verfall verlangsamen kann. Ein Problem bei der Behandlung der Demenz hat auch damit zu tun, dass die Krankheit meist erst dann diagnostiziert wird, wenn die Alzheimer-Symptome offensichtlich sind – die neurodegenerative Erkrankung hat jedoch im schlimmsten Fall bereits Jahre oder Jahrzehnte zuvor begonnen.

Daher arbeiten Forschende unter anderem an Bluttests, die eine mögliche Demenz frühzeitig erkennen sollen. Nun haben Forschende eine Studie vorgestellt, die einen anderen Weg in der Alzheimer-Früherkennung geht: Das Forschungsteam um Erstautor Nol Swaddiwudhipong (Cambridge University Hospital) hat herausgefunden, dass man die ersten Anzeichen einer Demenz bereits bis zu neun Jahre vor der offiziellen Diagnose erkennen kann.

Alzheimer: Erste Anzeichen können bis zu neun Jahre vor der Diagnose sichtbar sein

Die Studie der britischen Forschenden wurde im Fachjournal Alzheimer‘s & Dementia: The Journal of the Alzheimer‘s Association veröffentlicht. Als Datengrundlage nutzten die Forschenden Daten der UK Biobank, einer großen Langzeitstudie, in der seit 2006 untersucht wird, wie genetische Veranlagung und Umwelteinflüsse zur Entstehung von Krankheiten beitragen. Unter den Daten befanden sich nicht nur anonymisierte Informationen über Lebensstil und Gesundheit von einer halben Million Briten zwischen 40 und 69 Jahren – die UK Biobank hat auch Daten zahlreicher Tests der Teilnehmenden gesammelt. Unter anderem wurden Aufgabenbereiche wie Problemlösung, Gedächtnis, Reaktionszeiten und Griffstärke geprüft, außerdem wurden Daten über Gewichtszunahme und -verlust sowie die Anzahl der Stürze gesammelt.

Diese Informationen nutzten die Forschenden, um herauszufinden, ob schon Jahre vor der eigentlichen Diagnose Anzeichen einer Alzheimer-Erkrankung festzustellen sind. Und tatsächlich: Das Forschungsteam fand heraus, dass Personen, bei denen später Alzheimer diagnostiziert wurde, fünf bis neun Jahre vorher in zahlreichen Tests schlechter abschnitten, als gesunde Personen. Sie hatten Probleme in folgenden Bereichen:

Problemlösung
Reaktionszeit
Zahlen-Listen merken
Langzeitgedächtnis
Paarbildung

Die Personen, die später eine Alzheimer-Diagnose bekamen, waren auch mit höherer Wahrscheinlichkeit in den vergangenen zwölf Monaten gestürzt als gesunde Personen.

Bis zu neun Jahre vor der Alzheimer-Diagnose: Subtile Beeinträchtigungen sichtbar

„Als wir uns die Krankengeschichte der Patienten ansahen, wurde deutlich, dass sie bereits einige Jahre vor dem Auftreten ihrer Symptome kognitive Beeinträchtigungen zeigten, die eine Diagnose erforderlich machten“, erklärt Nol Swaddiwudhipong in einer Mitteilung der Universität Cambridge. „Die Beeinträchtigungen waren oft subtil, betrafen aber eine Reihe von kognitiven Aspekten.“

Co-Autor Tim Rittman beruhigt jedoch: „Menschen, die sich beispielsweise nicht gut an Zahlen erinnern können, sollten nicht übermäßig beunruhigt sein“ – schließlich würden auch einige gesunde Menschen besser oder schlechter abschneiden als ihre Altersgenossen. „Wir möchten jedoch jeden ermutigen, der sich Sorgen macht oder bemerkt, dass sein Gedächtnis oder sein Erinnerungsvermögen schlechter werden, mit seinem Hausarzt zu sprechen.“

Neue Studie zeigt: Alzheimer-Demenz ist Jahre vorher sichtbar

Durch die Erkenntnisse der Forschenden könnten künftig Personen identifiziert werden, die an klinischen Studien für mögliche neue Medikamente teilnehmen können, ergänzt Rittman. „Das Problem bei klinischen Studien ist, dass sie zwangsläufig oft Patienten mit einer Diagnose aufnehmen, von denen wir aber wissen, dass sie zu diesem Zeitpunkt bereits weit fortgeschritten sind und ihre Krankheit nicht mehr aufgehalten werden kann. Wenn wir diese Menschen früh genug finden können, haben wir eine bessere Chance zu sehen, ob die Medikamente wirksam sind“, erklärt der Forscher das Problem, das in der Praxis derzeit besteht „Dies ist ein Schritt in die Richtung, dass wir in der Lage sind, Menschen mit dem größten Risiko zu untersuchen und in einem früheren Stadium einzugreifen, um ihnen zu helfen, ihr Risiko zu verringern“, erklärt Swaddiwudhipong. (tab)

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