1. Startseite
  2. Wissen

Demenz-Forscherin: Bis zu 40 Prozent aller Alzheimer-Fälle könnten verhindert werden

Erstellt:

Von: Tanja Banner

Kommentare

Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz – doch bis zu 40 Prozent der Fälle wären laut einer Forscherin zu verhindern.
Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz – doch bis zu 40 Prozent der Fälle wären laut einer Forscherin zu verhindern. © imago images/photothek

Bis zu 40 Prozent der Erkrankungen könnte verhindert werden – indem man Risikofaktoren vermeidet. Davon ist eine Forscherin überzeugt.

Wien – Alzheimer ist die häufigste Demenz-Form und eine tückische Krankheit, denn sie beginnt viel früher, als Betroffene sie wahrnehmen können. „Man weiß heute, dass die Ablagerung von Plaques im Gehirn schon zehn bis 20 Jahre vor dem Auftreten offensichtlicher klinischer Symptome beginnt“, erklärt die Neurologin und Demenzforscherin Elisabeth Stögmann in einer Mitteilung der MedUni Wien (lesen Sie hier mehr über mögliche Alzheimer-Symptome).

Alleine in Deutschland sind nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums ungefähr 1,6 Millionen Menschen von einer Demenz betroffen – die meisten von ihnen (etwa 70 Prozent) haben die Alzheimer-Krankheit. Die Mehrheit der Betroffenen ist über 65, Fachleute gehen jedoch von weit mehr Alzheimer-Betroffenen unter 65 Jahren aus als bislang angenommen. Entdeckt man die beginnende Alzheimer-Demenz früh, kann man der Krankheit gezielt mit Prävention oder einer medikamentösen Therapie entgegenwirken – doch Alzheimer heilen, das ist bisher noch nicht möglich.

Alzheimer-Demenz: Risikofaktoren vermeiden

Es gibt jedoch Möglichkeiten, die Krankheit von Anfang an zu verhindern: „Bis zu 40 Prozent der Demenzerkrankungen könnten durch die Beachtung und Vermeidung von zwölf wichtigen Risikofaktoren verhindert werden“, betont Stögmann. Neben bevölkerungsweiten Faktoren wie dem Zugang zu Bildung oder dem Ausmaß an Luftverschmutzung zählen dazu auch folgende individuelle Alzheimer-Risikofaktoren, die eine Demenz auslösen oder beschleunigen können:

Bekannte individuelle Risikofaktoren für Alzheimer:
Bewegungsmangel
Rauchen
Übergewicht
Bluthochdruck

Sportlich aktive ältere Erwachsene erhalten nach Angaben der MedUni Wien ihre kognitiven Fähigkeiten mit größerer Wahrscheinlichkeit als Menschen, die sich nicht bewegen. Studien zeigen außerdem, dass ein erhöhtes Demenzrisiko im Zusammenhang mit vaskulären und metabolischen Risikofaktoren (beispielsweise Bluthochdruck, Hypercholesterinämie und Adipositas) steht. Nicht alle Risikofaktoren für Alzheimer sind jedoch physisch: „Es ist seit einiger Zeit bekannt, dass es einen Zusammenhang zwischen sozialer Isolation und Demenz gibt“, erklärt Stögmann.

Alzheimer-Krankheit frühzeitig erkennen, um mit der Therapie zu beginnen

Risikopatient:innen für eine Demenz sollten möglichst früh identifiziert werden, um mit gezielter Prävention beginnen zu können. „Daher ist die Diagnose früher Phasen der Alzheimer-Krankheit wie zum Beispiel der leichten kognitiven Beeinträchtigung von besonderem Interesse“, so die Demenzforscherin. Forschende haben einen Bluttest entwickelt, der Alzheimer vor den ersten Symptomen erkennen soll. Außerdem gibt es Screening-Verfahren, „die mit einer hohen Sicherheit einen pathologischen kognitiven Abbau ausschließen beziehungsweise bestätigen können“, so Stögmann.

Denn das Tückische an einer Alzheimer-Erkrankung ist auch, dass sich mit zunehmendem Alter verschiedene kognitive Funktionen unabhängig von einer Demenz verschlechtern. Eine Abgrenzung von einem normalen kognitiven Abbau zu einem krankhaft verlaufenden Alterungsprozess ist nicht immer einfach zu treffen.

An Möglichkeiten, wie man Alzheimer beikommen oder die Krankheit frühzeitig erkennen kann, wird geforscht, doch „es müssen noch viele Fortschritte gemacht werden, bevor wir die Alzheimer-Krankheit oder andere Formen der Demenz aufhalten oder gar heilen können“, betont Stögmann. (tab)

Auch interessant

Kommentare