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Corona und Alzheimer: Gibt es einen Zusammenhang? Was eine neue Studie zeigt

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Von: Tanja Banner

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Wer eine Corona-Infektion hatte, hat ein höheres Risiko, eine Erkrankung wie Alzheimer oder Parkinson zu bekommen oder einen Hirninfarkt oder Hirnblutungen zu erleiden, zeigt eine neue Studie. Das Risiko sei jedoch nicht höher als bei Atemwegserkrankungen wie einer Grippe oder Lungenentzündung. (Archivbild)
Wer eine Corona-Infektion hatte, hat ein höheres Risiko, eine Erkrankung wie Alzheimer oder Parkinson zu bekommen oder einen Hirninfarkt oder Hirnblutungen zu erleiden, zeigt eine neue Studie. Das Risiko sei jedoch nicht höher als bei Atemwegserkrankungen wie einer Grippe oder Lungenentzündung. (Archivbild) © imago images/TheNews2

Eine dänische Studie zeigt, dass das Risiko, an Alzheimer oder Parkinson zu erkranken, nach einer Corona-Infektion erhöht ist. Was ist dran?

Kopenhagen – Es ist Sommer und obwohl die Corona-Zahlen in Deutschland auf hohem Niveau sind, scheint das Virus und die von ihm ausgelöste Krankheit Covid-19 ihren Schrecken für viele Menschen verloren zu haben. Da lässt eine neue Studie aufhorchen, die Forschende um die Erstautorin Pardis Zarifkar von der Abteilung für Neurologie am Rigshospitalet in Kopenhagen im Fachjournal Frontiers Neurology veröffentlicht und auf dem achten Kongress der europäischen Akademie der Neurologie (EAN) in Wien vorgestellt haben.

Das Ergebnis der Forschenden: Die 43.375 Personen, die in der Studie positiv auf Corona getestet wurden, hatten im Vergleich zu den Corona-negativen Studien-Teilnehmenden ein höheres Risiko, an Alzheimer oder Parkinson zu erkranken sowie einen ischämischen Schlaganfall (Hirninfarkt) oder Hirnblutungen zu erleiden. Für die Studie wurden die Gesundheitsdaten von etwa der Hälfte der dänischen Bevölkerung zwischen Februar 2020 und November 2021 analysiert, außerdem wurden die Daten von Grippe-Patient:innen aus einem Vergleichszeitraum vor Beginn der Corona-Pandemie unter die Lupe genommen.

Erhöhtes Alzheimer-Risiko nach Corona-Infektion? Studie zeigt Zahlen

„Mehr als zwei Jahre nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie sind die genaue Art und die Entwicklung der Auswirkungen von Covid-19 auf neurologische Erkrankungen noch immer nicht geklärt“, betont die Erstautorin Pardis Zarifkar in einer Mitteilung. „Frühere Studien haben einen Zusammenhang mit neurologischen Syndromen festgestellt, aber bisher ist nicht bekannt, ob Covid-19 auch das Auftreten spezifischer neurologischer Erkrankungen beeinflusst und ob es sich von anderen Atemwegsinfektionen unterscheidet“, so Zarifkar weiter.

Krankheiterhöhtes Risiko nach Corona-Infektion
AlzheimerRisiko 3,5 Mal höher
ParkinsonRisiko 2,6 Mal höher
ischämischer Schlaganfall (Hirninfarkt)Risiko 2,7 Mal höher
HirnblutungenRisiko 4,8 Mal höher
Quelle: Studie (Zarifkar et al 2022)

In der Studie untersuchten die Forschenden nicht nur, wie hoch das Risiko für eine neurologische Krankheit nach einer Corona-Infektion ist – sie blickten auch auf andere Atemwegserkrankungen. Konkret wurden gut 8000 Menschen mit Influenza A/B und fast 1500 Personen mit einer Lungenentzündung und negativem Corona-Test mit in die Studie einbezogen. Dabei stellte sich heraus, dass das Risiko für die meisten neurologischen Erkrankungen bei Corona-positiven Personen nicht höher war als bei Personen, die eine Influenza oder eine andere Atemwegserkrankung diagnostiziert bekommen hatten. Eine Ausnahme gab es: Im Vergleich mit über 80-jährigen Personen, die an Influenza oder einer Lungenentzündung erkrankt waren, hatten Covid-19-Patient:innen ein 1,7-fach erhöhtes Risiko, einen ischämischen Schlaganfall zu erleiden.

Das Risiko für neurodegenerative und hirnorganische, nicht aber für neuroimmune Erkrankungen war bei Covid-19-positiven ambulanten Patienten im Vergleich zu Covid-negativen ambulanten Patienten erhöht. Mit Ausnahme des ischämischen Schlaganfalls traten die meisten neurologischen Erkrankungen nach Covid-19 jedoch nicht häufiger auf als nach anderen Atemwegsinfektionen.

„Schlussfolgerung“ in der Studie (Zarifkar et al 2022)

Alzheimer nach Corona – Ähnliches Risiko wie bei anderen Atemwegserkrankungen

Die Studie zeigt also, dass das Risiko, nach einer Corona-Infektion an Alzheimer oder Parkinson zu erkranken, einen Hirninfarkt oder Hirnblutungen zu bekommen, erhöht ist. Das ist es jedoch auch bei anderen Atemwegserkrankungen wie der Grippe. „Wir fanden Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für die Diagnose neurodegenerativer und hirnorganischer Erkrankungen bei Covid-19-positiven Patienten im Vergleich zu Covid-negativen Patienten“, fasst Zarifkar die Studie zusammen. Dieses Ergebnis müsse in naher Zukunft durch große Registerstudien bestätigt oder widerlegt werden, betont die Forscherin und ergänzt: „Erfreulicherweise scheinen die meisten neurologischen Erkrankungen, abgesehen vom ischämischen Schlaganfall, nach einer Covid-19-Infektion nicht häufiger aufzutreten als nach einer Influenza oder einer bakteriellen Lungenentzündung.“

Ein erhöhtes Risiko für andere neurodegenerative Krankheiten wie Multiple Sklerose, das Guillain-Barré-Syndrom oder Narkolepsie fanden die Forschenden in ihrer Studie weder für Corona-Patient:innen noch für Personen mit Influenza oder einer Lungenentzündung. „Diese Erkenntnisse werden uns helfen, die langfristigen Auswirkungen von Covid-19 auf den Körper und die Rolle von Infektionen bei neurodegenerativen Erkrankungen und Schlaganfällen besser zu verstehen“, erklärt Zarifkar.

Alzheimer-Risiko nach Corona-Infektion: Ähnlich wie bei Grippe und Lungenentzündung

Sara Imarisio, Forschungsleiterin der Organisation Alzheimer‘s Research UK und an der dänischen Studie nicht beteiligt, betont in einem Statement noch einmal, was die Forschenden in der Studie ganz ähnlich als Schlussfolgerung notiert haben: „Diese Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Covid-19 mit einem erhöhten Risiko für die Diagnose der Alzheimer-Krankheit verbunden ist, allerdings war dieser Zusammenhang nicht stärker als bei anderen Atemwegserkrankungen wie der Grippe.“ Es könne sein, dass Personen im Frühstadium der Alzheimer-Krankheit „anfälliger für Krankheiten wie Covid-19 sind“, so die unabhängige Expertin. Bisher sei noch relativ wenig über die langfristigen Auswirkungen von Corona auf die Gesundheit des Gehirns bekannt. „Wer sich Sorgen um sein Gedächtnis und sein Denken oder um die langfristigen Auswirkungen von Covid-19 macht, sollte seinen Arzt konsultieren“, empfiehlt Imarisio.

Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat sich auf Twitter zu der Studie geäußert: „Leider keine Panikmache. Es ist gut, auf diese Gefahr hinzuweisen“, schreibt er und fährt mit einer Warnung fort: „Sich im Sommer vorbeugend zu infizieren ist nicht schlau. Angepasste Impfstoffe kommen.“ (tab)

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