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Neuer Bluttest entwickelt – er soll Alzheimer früh erkennen können

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Von: Tanja Banner

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Ein neuer Bluttest soll Alzheimer lange vor den ersten Symptomen erkennen können, heißt es in einer neuen Studie. (Symbolbild)
Ein neuer Bluttest soll Alzheimer lange vor den ersten Symptomen erkennen können, heißt es in einer neuen Studie. (Symbolbild) © imago images/Science Photo Library

Je früher Alzheimer diagnostiziert wird, desto besser können Therapien helfen. Nun haben Forschende einen Bluttest gegen Alzheimer entwickelt.

Seattle – Alzheimer ist eine tückische und bisher unheilbare Krankheit. Sie bahnt sich lange im Voraus an – eine Studie hat gezeigt, dass man erste Alzheimer-Anzeichen bis zu neun Jahre vor der Diagnose erkennen kann. Das ist möglich, weil Alzheimer im Gehirn bereits Jahre oder gar Jahrzehnte vor den ersten typischen Symptomen beginnt, sich zu entwickeln.

Das Protein Amyloid-Beta wird falsch gefaltet und verklumpt sich im Gehirn. Es entstehen kleine Ansammlungen (sogenannte Oligomere) zwischen den Nervenzellen, die letztendlich zum Abbau geistiger Fähigkeiten führen. Heutzutage wird die Krankheit meist erst dann diagnostiziert, wenn die typischen Alzheimer-Symptome, wie ein Erinnerungsverlust, auftreten.

Alzheimer früh erkennen: Neuer Bluttest könnte helfen

Je früher die Krankheit erkannt wird, desto besser wirken Therapien, weshalb die Forschung daran arbeitet, Alzheimer schneller zu erkennen – im Idealfall lange bevor die ersten Symptome auftreten. Gleichzeitig wird auch an Mitteln gearbeitet, die den geistigen Verfall bei einer Alzheimer-Demenz bremsen. Ein Forschungsteam der Universität von Washington in Seattle hat nun einen Bluttest entwickelt, der Alzheimer frühzeitig erkennen soll.

„Forscher wünschen sich einen zuverlässigen Diagnosetest für die Alzheimer-Krankheit – und zwar nicht nur einen Test, der die Diagnose Alzheimer bestätigt, sondern einen, der auch Anzeichen der Krankheit erkennen kann, bevor es zu kognitiven Beeinträchtigungen kommt“, erklärt Valerie Daggett von der Universität von Washington in einer Mitteilung.

Alzheimer-Bluttest erkennt toxische Oligomere vor den ersten Symptomen

Sie ist Teil eines Teams, das den sogenannten SOBA-Test entwickelt hat, der in Blutproben den Wert von Amyloid-Beta-Oligomeren ermitteln kann. Die Studie dazu wird am 9. Dezember 2022 im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht. SOBA konnte im Rahmen der Studie Oligomere im Blut von Alzheimer-Patientinnen und -Patienten finden – und sogar im Blut mancher Personen aus der Kontrollgruppe wurde der Test fündig. Bei diesen Personen wurde Jahre später eine milde kognitive Einschränkung diagnostiziert.

Der SOBA-Test nutzt eine einzigartige Eigenschaft der toxischen Oligomere aus: Wenn die falsch gefalteten Amyloid-Beta-Eiweiße beginnen, sich zu Oligomeren zu verklumpen, entsteht eine sogenannte Alpha-Faltblatt-Struktur. Diese ist in der Natur normalerweise nicht zu finden. Eine frühere Forschungsarbeit von einem Team um Daggett hatte 2019 gezeigt, dass diese Alpha-Faltblatt-Struktur sich an andere Alpha-Faltblatt-Strukturen binden.

Bluttest gegen Alzheimer: SOBA-Test könnte auch Parkinson erkennen

Aus diesem Grund enthält der SOBA-Test eine synthetische Alpha-Faltblatt-Struktur – an die sich andere Alpha-Faltblatt-Strukturen im Blut binden. Anschließend wird geprüft, ob die Oligomere aus Amyloid-Beta-Proteinen bestehen – ein deutlicher Hinweis auf eine mögliche spätere Alzheimer-Erkrankung.

Das Forschungsteam arbeitet derzeit mit weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern daran, SOBA zu einem diagnostischen Test für Oligomere weiterzuentwickeln. Es könnte auch möglich sein, den Test so umzugestalten, dass er toxische Oligomere anderer Proteine erkennt – und so beispielsweise auch als Früherkennung für Parkinson dienen kann.

„Wir stellen fest, dass viele menschliche Krankheiten mit der Anhäufung von toxischen Oligomeren verbunden sind, die diese Alpha-Faltblatt-Strukturen bilden“, so Daggett. „Nicht nur Alzheimer, sondern auch Parkinson, Typ-2-Diabetes und andere. SOBA erfasst diese einzigartige Alpha-Faltblatt-Struktur, sodass wir hoffen, dass diese Methode bei der Diagnose und Untersuchung vieler anderer ‚Proteinfehlfaltungs‘-Krankheiten helfen kann.“ (tab)

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