Medizin

Alternative zu Antibiotika

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Peptide wirken gegen Bakterien.

Seit vielen Jahren suchen Wissenschaftler nach Wirkstoffen, die Antibiotika ersetzen können – insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmenden Resistenzen von Erregern. Wissenschaftler der Cornell University, der Georgetown Universitiy (beide USA) und der Freien Universität Berlin haben nun untersucht, ob antimikrobielle Peptide, wie sie natürlicherweise in Lebewesen vorkommen, eine Alternative sein könnten. Ihre Studie wurde im Fachmagazin „Science“ veröffentlicht.

Peptide sind kleine Eiweiß-Bausteine, die aus mehreren Aminosäuren bestehen; es gibt viele verschiedene Peptide, die unterschiedliche Aufgaben erfüllen. „Antimikrobielle Peptide schützen Tiere und Pflanzen vor Infektionen vor allem mit Bakterien, aber auch Pilzen, Parasiten und Viren“, erklärt Jens Rolff, Biologe an der Freien Universität Berlin. Dabei verfügten sie über Eigenschaften, die sie weniger empfindlich gegen die Entwicklung von Resistenzen bakterieller Erreger machten als Antibiotika. Das habe unter anderem damit zu tun, dass antimikrobielle Peptide Bakterien sehr schnell töten, sagt Rolff. Deren Mutationen seien so weniger wahrscheinlich.

„Wird ein Tier, zum Beispiel ein Insekt, von Bakterien attackiert, antwortet es immer mit einem Cocktail aus antimikrobiellen Peptiden“, erläutert der Biologe. In der Medizin werde dagegen häufig nur ein Antibiotikum eingesetzt. „Wir haben uns gefragt, warum die Natur diese andere Lösung immer wieder hervorgebracht hat“, sagt Rolff. Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass die einzelnen Substanzen des Peptid-Cocktails sich ergänzen, um die Wirkung zu verstärken. Zudem könnten schon kleinste Änderungen in den Sequenzen einzelner antimikrobieller Peptide eine große Wirkung entfalten.

Die Wissenschaftler sehen aufgrund dieser Eigenschaften langfristig die Perspektive, antimikrobielle Peptide gezielt gegen Infektionen einzusetzen, möglicherweise auch in Kombination mit Antibiotika. Das könnte nach Ansicht der Forscher möglicherweise sogar dazu führen, dass Antibiotika, die aufgrund verbreiteter Resistenzen nicht mehr helfen, im Mix mit antimikrobiellen Peptiden dann doch wieder Wirkung entfalten. Damit, so Rolff, ließe sich das Arsenal zur Bekämpfung resistenter Keime erweitern.

Ein Problem könnte allerdings darin bestehen, dass antimikrobielle Peptide in ihren Wirkmechanismen oft sehr ähnlich seien und möglicherweise das Risiko von Resistenzen gegen körpereigene antimikrobielle Peptide im Menschen bestehe, sagt Rolff. Das sei kein unlösbares Problem. Aber es müsse sehr genau überprüft werden. 

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