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Kolumne

Alpenblüte

Bonusverträge bei Chefärzten sind problematisch: In den Vertragstexten geht es nicht um Qualität von Medizin, nicht um das Wohlergehen von Patienten, sondern es geht ausschließlich um wirtschaftlichen Erfolg.

Von Dr. med. Bernd Hontschik

Früher war die Welt noch in Ordnung. Früher war ein Chefarzt noch ein richtiger Chefarzt. Der Chefarzt war ein Professor. Der Professor hatte seine eigene Sprechstunde, seine eigene Station, seine eigenen Assistenzärzte, behandelte seine Patienten und stellte seine Rechnungen selbst. Früher, da wohnte der Privatassistent quasi auf der Privatstation, und wenn der Herr Professor abends noch mal vorbeischaute, konnte er schon mal eine angebrochene Flasche Rotwein dalassen, die er mit seiner Gattin vor dem Kamin nicht ganz leeren konnte.

Diese Leibeigenschaft wurde dem Privatassistenten mit Protektion im OP und auf Kongressen gelohnt, mit Karrierehilfe bei der Habilitation, und irgendwann war er dann selbst ein Chefarzt, ein Professor, mit eigener Station, eigenem Assistenten, Gattin und Kamin.

Doch wie sieht es heute aus? Chefärzte haben zwar immer noch eigene Stationen, eigene Sprechstunden, eigene Assistenten und schreiben immer noch eigene Rechnungen, aber sie müssen hohe Abgaben an das Krankenhaus leisten. Das ist auch in Ordnung, denn sie benutzen ja die Einrichtung und das Personal. Aber in etwa der Hälfte der Chefarztverträge finden sich heute sogenannte Bonusvereinbarungen.

Diese Bonusvereinbarungen enthalten konkrete Zahlen. In der Chirurgie zum Beispiel sind das Operationszahlen, die die Abteilung des Chefarztes erreichen muss – sonst gibt es halt keine Bonuszahlungen, stattdessen Ärger mit der Betriebsleitung. In diesen verharmlosend auch Zielvereinbarungen genannten Vertragstexten geht es nicht um Qualität von Medizin, nicht um das Wohlergehen von Patienten, sondern es geht ausschließlich um wirtschaftlichen Erfolg.

Die Abschaffung der Leibeigenschaft, die hohen Abgaben und die Machtübernahme durch die Betriebswirtschaft im Krankenhaus zwingen selbst Chefärzte zu neuem Denken. Einer der fünfzehn in den letzten sechs Jahren entlassenen Geschäftsführer der privaten Rhön-Universitätsklinik Marburg/Gießen gründete nun in der Schweiz zusammen mit acht Chefärzten besagter Universitätsklinik eine „Healthcare Group“, selbst für die Schweiz eine neue, bislang unbekannte Blume.

Die Herren stellen sich vor: Sie „haben langjährige berufliche Erfahrung, enge Kontakte zur Industrie und können medizinische Konzepte für Leistungserbringer auf dem neuesten Stand der medizinischen Wissenschaft erstellen“. Und nicht nur das: Sie sind „ein Netzwerk von Experten, die eine langjährige praktische Tätigkeit in Führung und Management von Krankenhäusern haben“. Aha. Da waren die Bonuszahlungen wohl nicht hoch genug?

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