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Sieht nur harmlos aus: die Beifußblättrige Ambrosie macht Allergikern zu schaffen.

Allergien

Beifuß-Ambrosie: Robust, vital und Allergie-auslösend

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Die Beifußambrosie ist in Europa auf dem Vormarsch. Wissenschaftler warnen vor dem Gewächs, das die Leidenszeit von Allergikern erheblich verlängern wird.

Schlechte Nachrichten für Allergiker: Die Beifußblättrige Ambrosie ist auch in Deutschland auf dem Vormarsch und entlässt ihre Pollen bis in den Herbst hinein. Das ursprünglich aus Nordamerika stammende Gewächs wird damit die Leidenszeit jener Menschen erheblich verlängern, die empfindlich auf sie reagieren.

Ein Team von Wissenschaftlern des Loewe Biodiversität und Klima Forschungszentrums und der Goethe-Universität Frankfurt belegte jetzt in einer Studie, dass sich die europäischen Populationen der Pflanze weiterentwickelt und an Durchsetzungskraft gewonnen haben. Eine „nationale Strategie zur Bekämpfung der Art“ tue deshalb not, erklären die Wissenschaftler.

Beifuß-Ambrosie setzt ihre Pollen im Spätsommer und Herbst ab

Das unscheinbare Kraut ist in Deutschland bislang noch nicht weit verbreitet, aber im Südosten Europas bereits fester Bestandteil der Vegetation geworden. Als Spätblüherin setzt die Ambrosie ihre Pollen erst im Spätsommer und lange bis in den Herbst hinein ab. Allergiker können die Folgen deshalb bis weit in den Oktober hinein und bei mildem Wetter sogar bis Dezember spüren.

Die Pollen sind zudem erheblich aggressiver als die hiesiger Gräser und Bäume. Sie können die Symptome eines schweren Heuschnupfens bis hin zu Asthma auslösen. Schon kleinste Mengen reichen für eine Reaktion aus. In Gebieten mit großen Ambrosia-Vorkommen wie in einigen Regionen Italiens leiden laut Expertenschätzung bereits rund zwölf Prozent der Bevölkerung an Allergien durch Ambrosia-Pollen.

Allergien durch Beifuß-Ambrosie

Entsprechend hoch wäre die Zahl der Erkrankungen, würde sich die Beifußambrosie in ähnlicher Weise auch in Deutschland ausbreiten, so wie es frühere Studien bereits prognostiziert haben. Außerdem haben die Populationen in Europa ein sehr großes Spektrum an Phänotypen, sehen je nach Region unterschiedlich aus. Die Forscher vermuten, dass eine derartige Bandbreite möglicherweise bereits auf einer genetischen Anpassung an die jeweiligen Umweltbedingungen beruht.

„Wie viele invasive Arten profitiert die Beifußblättrige Ambrosie vom Klimawandel“, erklärt Oliver Tackenberg von der Frankfurter Uni. Die Pflanze habe sich vermutlich aber auch „evolutionär verändert“. Bei den Untersuchungen der deutschen Forscher stellte sich heraus, dass die europäischen Samen deutlich größer sind und mit einer Rate von 92 Prozent fast doppelt so häufig keimen wie ihre Verwandten aus Amerika. Zudem ist das Spektrum der Temperaturen, bei denen sie keimen können, breiter und die Geschwindigkeit, mit der sie das tun, deutlich höher als bei den aus Amerika stammenden Samen.

Beifuß-Ambrosie ist eine der problematischen invasiven Arten

Auch gegenüber Frost waren die Jungpflanzen in Europa toleranter – was wiederum ihre Ausbreitung in nördlichere Regionen begünstigen könnte. Experten zählen die Einwanderin aus Amerika zu den 100 problematischsten invasiven Arten überhaupt. Das Frankfurter Team veröffentliche auch die erste europaweite Karte der Gebiete, in denen die Beifußblättrige Ambrosie durch den Klimawandel künftig profitieren kann.

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Eine Erklärung für die gesteigerter Robustheit der Pflanze könnte sein, das in Europa natürliche Feinde wie der Ambrosiakäfer fehlen, sagt Tackenberg; es soll dazu aber noch weitere Untersuchungen geben. Die Forscher hoffen, dass sie danach die Prozesse, die zur Invasion der Ambrosien führen, besser verstehen – und entsprechend gezielter darauf reagiert werden kann.

Forscher fordern nationale Bekämpfungsstrategie gegen Beifuß-Ambrosie

Bisher würden nur punktuell Maßnahmen gegen die Beifußambrosie ergriffen, moniert Marion Leiblein-Wild vom Biodiversität und Klima Forschungszentrum. „Jedes Bundesland geht anders mit dem Thema um. Gerade mit Blick auf die Gesundheitsschäden brauchen wir aber eine konzentrierte, nationale Bekämpfungsstrategie, wie sie zur Beispiel in der Schweiz existiert.“

Im Nachbarland sind alle Bürger gesetzlich verpflichtet, Vorkommen der Ambriasie zu melden. In Deutschland setzt die Regierung noch auf freiwillige Mithilfe. Zu wenig, sagen die Forscher. Denn Experten gingen davon aus, dass durch Ambrosia-Allergien zusätzlich Kosten für das Gesundheitswesen von bis zu 1,19 Milliarden Europa pro Jahr entstehen werden.

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In Berlin helfen Hunde bei der Suche nach Ambrosien-Vorkommen. Ausrupfen muss der Mensch das Unkraut dann aber noch selbst.

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