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Neue Studie aus den USA zeigt: Bereits ein Glas Wein am Tag schadet dem Gehirn

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Von: Pamela Dörhöfer

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Eine Studie aus den USA zeigt, dass schon wenig Alkohol täglich die graue und weiße Substanz im Gehirn schrumpfen lässt.

Philadelphia – Dass man sich das Gehirn sprichwörtlich wegtrinken kann, ist hinlänglich bekannt. Bisher allerdings wurde der Verlust geistiger Leistungsfähigkeit zumeist erst mit erheblichem Alkoholkonsum in Verbindung gebracht. Ein Forschungsteam der University of Pennsylvania (USA) ist nun jedoch zu dem Ergebnis gekommen, dass auch der Genuss alkoholischer Getränke in einem Maße, das die meisten Menschen vermutlich als moderat betrachten würden, das Gehirn schädigen kann. Die Analyse gibt umso mehr zu denken, als sie auf einem sehr umfangreichen Datensatz – dem von mehr als 36.000 Erwachsenen – basiert. Ihre Studie zur Assoziation zwischen Alkoholkonsum und dem Volumen der grauen und weißen Substanz im Gehirn haben die Forschenden im Fachjournal Nature Communications veröffentlicht.

Knapp zusammengefasst sagt die Studie aus, dass bereits ein Glas Wein oder eine Flasche Bier am Tag die graue und weiße Substanz (beides sind wesentliche Bestandteile des Zentralnervensystems) schrumpfen und das Gehirn schneller als normal altern lassen – wobei die Verluste nicht auf eine bestimmte Region beschränkt sind. Damit stehen diese aktuellen Ergebnisse teilweise im Gegensatz zu Aussagen früherer Arbeiten. Zwar ist man sich in der Wissenschaft seit langem darin einig, dass starkes Trinken dem Gehirn schadet. Doch mit Blick auf maßvollen Alkoholkonsum gingen viele bislang davon aus, dass er zumindest für das Gehirn keine negativen Folgen hat, einige vertreten sogar die Ansicht, dass das Trinken geringer Alkoholmengen – nicht mehr als ein Glas Wein am Tag – sich positiv auf die geistige Leistungsfähigkeit älterer Menschen auswirken kann.

USA: Forschende finden keinen linearer Anstieg der schädlichen Wirkung

Die Forschenden aus den USA fanden bei ihren Untersuchungen indes heraus, dass eine Steigerung des täglichen Alkoholkonsums von einem halbem auf ein Bier oder von einem halben Glas auf ein Glas Wein bei einem 50-jährigen Menschen Veränderungen im Gehirn auslöst, die dem Altern von zwei Jahren entsprechen. Zum Verständnis: Ein Bier meint eine Flasche mit knapp 0,5 Liter Inhalt, ein Glas Wein bedeutet 0,2 Liter. Ein halbes Bier oder ein halbes Glas Wein bezeichnen die Forschenden als jeweils eine Einheit.

Ob Prosecco, Sekt, Champagner oder Wein: Auch maßvoller Genuss dieser Getränke kann schon schaden.
Ob Prosecco, Sekt, Champagner oder Wein: Auch maßvoller Genuss dieser Getränke kann schon schaden. © Getty

Erhöhten 50 Jahre alte Menschen ihren Konsum von täglich zwei auf drei Einheiten – also etwa auf eineinhalb Gläser Wein – so alterte das Gehirn gleich um dreieinhalb Jahre. Ein kleiner Trost für alle, die ein kühles Blondes oder einen edlen Tropfen in geringen Mengen schätzen: Der Wechsel von null Alkohol am Tag auf eine Einheit – also ein halbes Bier oder 0,1 Liter Wein – bewirkte noch kein allzu dramatisches Schrumpfen des Gehirns; der Verlust lässt sich laut der Studie mit einem halben Jahr Alterung vergleichen. Wer jedoch von Abstinenz auf täglich vier Getränke umsteigt, muss demnach mehr als zehn Jahre Gehirnalterung hinnehmen. Der Anstieg verlaufe nicht „linear“, wird Studienautor Remi Daviet, der mittlerweile an der University of Wisconsin-Madison arbeitet, in einer Mitteilung der University of Pennsylvania zitiert. Klar sei aber: „Es wird schlimmer, je mehr Sie trinken.“

„Die Tatsache, dass wir eine so große Stichprobengröße haben, ermöglicht es uns, subtile Muster zu finden, selbst zwischen dem Trinken von einem halbem und einem Bier pro Tag“, sagt Gideon Nave von der University of Pennsylvania, ein weiterer Studienautor. Die Forschenden nutzten für ihre Studie die UK-Biodatenbank, einem Datensatz aus Großbritannien mit genetischen und medizinischen Informationen von einer halben Million Erwachsener im mittleren und höheren Alter. Konkret analysierten die Wissenschaftler die MRT-Aufnahmen der Gehirne von mehr als 36.000 Frauen und Männern, um das Volumen der weißen und grauen Substanz in verschiedenen Regionen des Gehirns zu berechnen.

Alkohol-Studie aus den USA: Besser jeden Tag wenig oder nur am Wochenende viel?

Zudem hatten die Teilnehmer:innen schriftlich Fragen zu ihrem Alkoholkonsum beantwortet; die Spanne reichte von Abstinenz bis zu vier oder mehr Einheiten täglich. Andere Variablen wie Alter, Größe, Geschlecht, Rauchen oder sozioökonomischer Status wurden bei der Auswertung berücksichtigt. Einen solchen großen Datensatz zu haben, sei wie „ein Mikroskop oder ein Teleskop mit einer stärkeren Linse“, sagt Nave: „Du bekommst eine bessere Auflösung und fängst an, Muster und Assoziationen zu sehen, die du vorher nicht sehen konntest.“

In künftigen Arbeiten wollen die Forschenden sich weiteren Fragen zu den Auswirkungen von Alkohol auf das Gehirn widmen. „Die Studie untersuchte den durchschnittlichen Konsum, aber wir wollen nun auch herausfinden, ob es besser ist, jeden Tag ein Bier zu trinken als unter der Woche gar nichts zu trinken und dann am Wochenende sieben Bier“, sagt Gideon Nave.

Studie aus den USA zu Alkoholkonsum zeigt: Auch das Krebsrisiko steigt

Auf Basis ihrer aktuellen Erkenntnisse appellieren die Studienautoren, dass jeder oder jede überdenken sollte, wie viel er oder sie trinkt (grundsätzlich ist es Konsens, dass für Frauen geringere Mengen gesundheitsschädlich sein können als für Männer). So gebe es Hinweise, dass die Folgen des Trinkens für das Gehirn exponentiell steigen würden, sagt Remi Daviet: „Ein zusätzliches Getränk an einem Tag könnte also eine größere Wirkung als jedes der vorherigen Getränke an diesem Tag haben.“

Die Studie aus den USA zu den Folgen für das Gehirn ist nicht die einzige schlechte Nachricht für alle, die gerne mal etwas Alkoholisches trinken. So weist das Deutsche Krebsforschungszentrum in einer aktuellen Mitteilung auf die krebserregenden Eigenschaften von Alkohol hin. Er fördere unter anderem das Entstehen von Kehlkopf-, Speiseröhren-, Leber -und Brustkrebs. Weltweit ließen sich vier Prozent aller Krebsfälle auf Alkoholkonsum zurückführen. Dabei spiele die Art des Getränks – ob Wein, Bier oder Spirituosen – keine Rolle. Im Fall von Brustkrebs steigere bereits ein alkoholisches Getränk pro Tag das Risiko, im Laufe des Lebens zu erkranken. Wer rauche, steigere das Risiko, einen bösartigen Tumor zu entwickeln, noch zusätzlich. (Pamela Dörhöfer)

Eine Studie des University College London kam zu dem Ergebnis, dass Jugendliche und junge Erwachsene, die mehr als nur gelegentlich ein Glas Bier oder Wein trinken, sogar ihr Risiko für Herzerkrankungen und Schlaganfälle erhöhen.

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