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Die Vögel sind sehr treue Tiere – doch bei Beziehungskrisen beginnt auch bei ihnen die Suche nach dem Schuldigen.
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Die Vögel sind sehr treue Tiere – doch bei Beziehungskrisen beginnt auch bei ihnen die Suche nach dem Schuldigen.

Tierwelt

Albatrosse im Beziehungsstress

  • VonSandra Kirchner
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Eine Studie zeigt: Die eigentlich streng monogam lebenden Vögel trennen sich häufiger, wenn die Meere wärmer sind.

Albatrosse gelten als Inbegriff von Liebe. Sie sind nämlich streng monogam. Von Jahr zu Jahr kommen die Paare zusammen, um sich fortzupflanzen und sich gemeinsam um den Nachwuchs zu kümmern. Doch die Klimakrise könnte zur Folge haben, dass sich immer mehr dieser Seevögel „scheiden lassen“. Das geht aus einer Studie hervor, die jetzt in der Fachzeitschrift „Proceedings of the Royal Society“ veröffentlicht wurde.

Eigentlich kommt es unter Albatrossen nur extrem selten zu Scheidungen. Denn es ist erfolgsversprechender, den Nachwuchs mit bereits bekannten Partner:innen aufzuziehen. Wenn Albatros-Weibchen und -Männchen getrennte Wege gehen, dann liegt es meistens daran, dass es den Eltern nicht gelungen ist, den Nachwuchs erfolgreich großzuziehen. Die Scheidung wird in der Regel durch das Scheitern der Fortpflanzung ausgelöst, schreiben die Forschenden in der Studie.

Sich zu trennen, habe Vorteile bei der Fortpflanzung – vor allem für die Weibchen, die mit höherer Wahrscheinlichkeit einen neuen Partner finden und dann einen höheren Bruterfolg erzielen können. Doch in Jahren, in denen das Meer ungewöhnlich warm war, ließen sich Albatrosse eher scheiden.

Von über 15 500 Brutpaaren von Schwarzbrauenalbatrossen, die auf der westlich gelegenen Falklandinsel New Island brüten, haben die Wissenschaftler:innen die Fortpflanzungserfolge über 15 Jahre lang beobachtet. Während dieses Zeitraums trennten sich im Durchschnitt 37 von 1000 Paaren, die „Scheidungsrate“ lag bei 3,7 Prozent. Allerdings schwankte die Scheidungsrate bei den untersuchten Albatrossen von Jahr zu Jahr erheblich. Bei der Untersuchung wurden neben anderen Faktoren auch frühere Bruterfolge und -misserfolge der Vögel berücksichtigt. Diese allein können aber die Zunahme der Trennungen nicht erklären.

Vielmehr wird die höhere Scheidungsrate durch die Umwelt beeinflusst. In den Jahren, in denen die Oberflächentemperaturen des Atlantiks höher waren, nahmen auch die Trennungen unter den Albatrospaaren zu. 2017 lag die Scheidungsrate bei 7,7 Prozent, so die Forscher:innen von der Universität Lissabon.

Die Trennungen seien bisher hauptsächlich durch das Scheitern der Fortpflanzung mit früheren Partnern ausgelöst worden, schreibt Studien-Leitautor Francesco Ventura im Kurznachrichtendienst Twitter. Die Studie habe nun auch einen Anstieg der Scheidungshäufigkeit bei steigenden Meeresoberflächentemperaturen festgestellt. Dies deute stark auf direkte Verbindungen zwischen Umweltveränderungen und Scheidungsraten hin, so der Biologe.

Die in der Studie untersuchte Population wächst, sie ist also erfolgreich dabei, den Nachwuchs großzuziehen. Albatrosse können bis zu 70 Jahre alt werden und verbringen die meiste Zeit des Jahres getrennt voneinander. Zur Brutsaison kommen sie wieder zusammen, um gemeinsam Küken aufzuziehen. Das Männchen kommt in der Regel zuerst an Land, wo es auf seine Partnerin wartet und sich um das Nest kümmert.

Die Studienergebnisse zeigen jedoch, dass sich Paare auch dann trennen, wenn sie eigentlich eine erfolgreiche Brutsaison hinter sich haben. Dafür gibt es aus Sicht der Forscher:innen zwei mögliche Erklärungen: Die Erwärmung des Atlantiks zwinge die Seevögel dazu, länger zu jagen und weiter zu fliegen, so die eine These. Kühlere Meere seien für die Albatrosse tendenziell nährstoff- und ressourcenreicher, während wärmere Gewässer eher weniger Nahrung böten. Und wenn die Vögel nicht rechtzeitig zur Brutsaison zurückkehren, würden sich die wartenden Partner einer neuen Beziehung zuwenden.

Es sei aber auch möglich, dass die Stresshormone zunehmen, wenn sich die Umweltbedingungen verändern. Schwierigere Bedingungen für die Brut und Nahrungsknappheit könnten zu mehr Stress führen – und der Partner werde für die schlechte Leistung verantwortlich gemacht. Ein gestresstes Weibchen löse sich eher, was dann zur Scheidung führen könne.

„Nach einer schwierigen, ressourcenarmen Brutsaison können die größeren Anstrengungen und höheren Investitionen in die Fortpflanzung dazu führen, dass gestresste Weibchen die Bindung zu ihrem bisherigen Partner aufkündigen und sich einen neuen suchen, selbst wenn sie zuvor erfolgreich waren“, heißt es in der Studie. Eine Scheidung bezeichnen die Wissenschaftler:innen als Strategie der Anpassung unter langlebigen monogamen Seevogelpopulation. Ob es eine erfolgversprechende Strategie ist, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

„Angesichts der beobachteten und vorhergesagten Erwärmung der Weltmeere könnten umweltbedingte Scheidungen eine übersehene Folge des Klimawandels und ein Grund zur Sorge um den Schutz kleiner bedrohter Seevogelpopulationen sein“, sagt Francesco Ventura.

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