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Affenpocken: Mit einer „harten und frühen Reaktion“ das Virus eindämmen

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Von: Pamela Dörhöfer

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Gesundheitsminister und RKI stellen Maßnahmen zur Eindämmung der Affenpocken vor. Der Impfstoff ist geordert.

Berlin - Mit einer „harten und frühen Reaktion“ soll die weitere Verbreitung der Affenpocken eingedämmt und verhindert werden, dass sich die Infektionskrankheit zu einer Endemie auswächst. Das gaben Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und Lothar Wieler, Chef des Robert-Koch-Instituts, gestern bei einer Pressekonferenz bekannt. Deshalb soll es für Infizierte eine verpflichtende Isolation von mindestens 21 Tagen geben, außerdem müssen die Symptome von Affenpocken komplett abgeklungen und die Krusten auf den charakteristischen Hautläsionen abgefallen sein, da diese infektiös sind. Auch Kontaktpersonen von Infizierten müssen sich für drei Wochen in Quarantäne begeben. RKI und Gesundheitsministerium folgen damit Belgien, das sich als erstes Land in der EU zu diesem Vorgehen entschlossen hatte. „Wir glauben, dass wir damit gute Chancen haben, den Erreger in Europa zu stoppen“, sagte Lauterbach.

Affenpocken in Deutschland: Karl Lauterbach hat bis zu 40 000 Dosen bestellt

Erarbeitet werden soll außerdem ein Konzept für Ringimpfungen von Menschen, die sich infiziert haben könnten oder bereits erste Symptome zeigen (in diesem Fall kann die Impfung den Verlauf abschwächen). Beschlossene Sache seien solche Impfungen aber noch nicht, so Lauterbach, man wolle lediglich vorbereitet sein. Deshalb habe man auch bis zu 40 000 Dosen des Impfstoffs Imvanex bestellt. Das Vakzin des dänischen Herstellers Bavarian Nordic ist in der EU seit 2013 als Impfstoff gegen die humanen Pocken zugelassen, kann aber auch gegen Affenpocken eingesetzt werden. Es handelt sich um einen Lebendimpfstoff mit einem nicht mehr vermehrungsfähigen Virus.

Menschen über 50, die in ihrer Kindheit noch gegen die Pocken geimpft wurden, sind vermutlich relativ gut vor den Affenpocken geschützt. Allerdings teilte RKI-Präsident Wieler mit, dass einer der aktuell Infizierten zu dieser Personengruppe gehört.

Das Archivfoto zeigt eine farbige elektronenmikroskopische Aufnahme des Affenpockenvirus.
Das Archivfoto zeigt eine farbige elektronenmikroskopische Aufnahme des Affenpockenvirus. © ANDREA MAENNEL, ANDREA SCHNARTENDORFF / RKI ROBERT KOCH INSTITUTE / AFP

Affenpocken: Mehrere Fälle in Deutschland gemeldet

In Deutschland hatten sich Stand gestern fünf Menschen nachweislich mit Affenpocken angesteckt. Das RKI gehe von einer weiteren Zunahme aus, sagte Wieler. Der Weltgesundheitsorganisation WHO sind bislang rund 250 bestätigte Fälle und Verdachtsfälle außerhalb von Afrika gemeldet worden. Überproportional viele davon betreffen Männer, die Sex mit Männern hatten. Lauterbach und Wieler wiesen jedoch darauf hin, dass das Virus jeden anstecken könne, unabhängig von Alter, Geschlecht und sexueller Orientierung. Gleichzeitig betonten sie, dass die Affenpocken nicht mit Corona zu vergleichen sind, weil es für die Ansteckung eines engeren Kontaktes bedürfe.

Warum die Infektionskrankheit allerdings jetzt in mehreren Ländern, darunter auch Großbritannien und die USA, gleichzeitig und erstmals ohne Bezug zum ursprünglichen Verbreitungsgebiet Afrika auftaucht, dafür hat die Wissenschaft noch keine Erklärung. Auch weiß man nicht sicher, welche Tiere das Hauptreservoir für den Erreger bilden, die meisten Fachleute vermuten, dass es Nagetiere sind. Die WHO hat den Ausbruch als außergewöhnlich eingestuft, hält eine Eindämmung der Affenpocken aber für möglich. Das Risiko für die Bevölkerung wird insgesamt als gering eingeschätzt. (Pamela Dörhöfer)

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