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Affenpocken: Erkrankung breitet sich aus – die Stigmatisierung auch

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Von: Lucas Maier

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Stigmen sind in unsere Gesellschaft weit verbreitet. Durch Erkrankungswellen wie Corona oder die Affenpocken nehmen diese weiter zu.

Berlin – Ob Corona oder Affenpocken: Es scheint so, als würde mit der Ausbreitung von Krankheiten auch immer eine gesellschaftliche Stigmatisierungen und Diskriminierung einhergehen. So hatten zu Anfang der Corona-Pandemie asiatisch gelesene Menschen mit einer Stigmatisierung und teils heftigen Anfeindungen zu kämpfen.

Bei den Affenpocken treffen die Stigmen nun bestimmte Menschen aufgrund ihrer sexuellen Präferenzen. Auch Alexander Winter, der sich mit den Affenpocken infiziert hat, berichtete gegenüber dem Nachrichtenmagazin Spiegel von solch einer Diskriminierung.

Affenpocken in Deutschland: Das Stigma wächst mit der Krankheit.
Affenpocken in Deutschland: Das Stigma wächst mit der Krankheit. (Archivfoto) © Cynthia S. Goldsmith/dpa

Affenpocken in Deutschland: Die Übertragungswege sind vielfältig

Die Übertragungswege von Affenpocken sind vielfältig. Anders als bei der Corona-Pandemie gibt es eine Übertragung über Aerosole aller Wahrscheinlichkeit jedoch nicht, das schreibt das Robert-Koch-Institut (RKI). Ob sich Affenpocken über direkte sexuelle Übertragungswege verbreiten können, ist derzeit noch nicht geklärt, heißt es weiter.

Jedoch kann die Krankheit über engen Körperkontakt übertragen werden. Gerade der Schorf der Pocken sowie deren Inhalt ist hochinfektiös. Der Betroffene Alexander Winter desinfiziert deshalb alles, was er in seiner Wohnung berührt.

Infektion mit Affenpocken: Bei dem Betroffenen begann alles mit Husten

Bei dem 36-Jährigen aus Berlin hat sich die Krankheit anfänglich durch Husten gezeigt, später folgten weitere grippeähnliche Symptome, schilderte er. Die ersten Pocken hielt er zuerst für Mückenstiche, erst ein Besuch beim Arzt gab Aufschluss über die Infektion mit Affenpocken.

Die Reaktionen aus seinem Freundeskreis irritierten Winter, die Klischees über Affenpocken säßen tief, wie er gegenüber spiegel.de berichtet. So werden die Affenpocken von vielen Menschen als rein sexuell übertragbare Krankheit wahrgenommen, die nur beim Sex zwischen Männer übertragen werden würde, heißt es weiter.

Affenpocken: Der Umgang in Deutschland irritiert

Die von dem 36-Jährigen beschriebene Reaktion des Gesundheitsamtes, zeichnet ein ähnlich stigmatisierendes Bild. Als sie den jungen Mann nach der Laborbestätigung seiner Infektion anriefen, soll zur Kontaktnachverfolgung lediglich nach seinen Sexualpartnern gefragt worden sein. Das Amt riet Winter, laut seiner Darstellung, außerdem dazu, seinem Arbeitgebenden nichts von der Infektion mit Affenpocken zu erzählen. Nach seinen Erkenntnissen sei aber keiner seiner Sexualpartner bisher kontaktiert worden.

Laut dem „Bundesministeriums für Bildung und Forschung“, wird eine Impfung für Risikogruppen seit dem 9. Juni von der Stiko empfohlen. Dazu zählen auch: „Männer, die gleichgeschlechtliche sexuelle Kontakte mit wechselnden Partnern haben.“ Die anderen beiden Gruppen mit einer Empfehlung zur Affenpocken-Impfung sind das „Personal in Speziallaboratorien“ und Kontaktpersonen. Eine Infektion durch sexuellen Kontakt schließt Winter jedoch nahezu aus, da seine beiden Partner nicht infiziert sind.

Männer und die Affenpocken: Ein Stigma, das gefährlich ist

Zu der sexuellen Übertragung der Affenpocken zwischen homosexuellen Männern schreibt das RKI: „Das Risiko ist nicht auf Menschen beschränkt, die sexuell aktiv sind oder auf Männer, die Sex mit Männern haben.“ Es heißt jedoch auch, dass die Fälle sich derzeit bei Männern häufen, die (auch) Geschlechtsverkehr mit Männern haben. Im Interview mit dem niederländischen Medium kamera one, sagte der Betroffene James McFadzean zuletzt, dass es sich keines Wegs um eine „Schwulenkrankheit“ handle. Die Krankheit trete schließlich in allen Teilen der Gesellschaft auf.

Ich finde, es sagt viel über unsere Gesellschaft aus, wenn die Mehrheit der Menschen mit Achselzucken, Geringschätzung & Häme über das Leid einer Minderheit redet – ganz in der Annahme, dieses Leid sei weniger wert als das eigene.

Alexander Winter auf Nachfrage von fr.de

Alexander Winter hat seine Infektion auf Twitter öffentlich gemacht und versucht auf diesem Weg über die Krankheit aufzuklären. Einige Menschen hätten erst durch seine Veröffentlichungen eine Infektion bei sich festgestellt, heißt es laut spiegel.de. Neben vielen positiven Rückmeldungen erhält Winter auch Homo-feindliche Zuschriften. Da die Krankheit jede Person treffen könnte, seien diese Ansichten nicht nur diskriminierend, sondern auch auf gesundheitlicher Ebene eine Gefahr. (Lucas Maier)

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