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Eine Gorillafrau mit ihrem vier Monate alten Baby.

Lebensraum

Affen vom Aussterben bedroht

Noch gibt es mehr als 500 Arten von Affen - doch damit könnte bald Schluss sein, sagen Forscher. Und wir Menschen sind der Grund.

Goldstumpfnasen, Java-Plumploris, Rotkehl-Nachtaffen, Riesen-Mausmakis oder Löwenäffchen – noch tummeln sich mehr als 500 Arten von Primaten in den tropischen und subtropischen Regionen der Erde. Ob das auch in 25 Jahren noch so ist, halten Experten für fraglich: 60 Prozent der Arten sind derzeit vom Aussterben bedroht, bei 75 Prozent schrumpfen die Populationen, berichtet ein internationales Wissenschaftler-Team im Fachblatt „Science Advances“. Verantwortlich dafür sei in erster Linie der Mensch, vor allem deshalb, weil er immer tiefer in die Lebensräume der Tiere eindringt, diese zerstört und Jagd auf die Tiere macht.

Die insgesamt 31 Primaten-Forscher um Alejandro Estrada von der National Autonomous University of Mexico (Mexico City/Mexiko) hatten Daten aus der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN sowie einer Datenbank der Vereinten Nationen ausgewertet. Zudem untersuchten sie, wie sich die Waldbestände angesichts eines wachsenden ökonomischen Drucks entwickeln werden und wie die Landwirtschaft im 21. Jahrhundert die Lebensräume der Tiere verändern wird. Und sie bewerteten den Einfluss von Jagd, illegalem Handel oder dem Abbau von Bodenschätzen auf die Bestände der Primaten.

Weltweit betrachtet gehe die größte Gefahr für die Tiere von der Landwirtschaft aus, berichten die Forscher in ihrem Übersichtsartikel. Wälder würden abgeholzt, um Acker- oder Weidefläche zu schaffen. Um die Bewirtschaftung zu ermöglichen, würden Straßen mitten durch die Wälder hindurch gebaut. 76 Prozent aller Arten von Primaten hätten durch die Landwirtschaft Teile ihrer Lebensräume verloren.

Die wachsende Nachfrage nach Palmöl-Produkten etwa habe einen erheblichen Rückgang unter den Sumatra Orang-Utans und den Borneo Orang-Utans wesentlich mitverantwortet, schreiben die Wissenschaftler. Die Ausbreitung von Kautschuk-Plantagen bedrohe die Nördliche Weißwangen-Schopfgibbons (Nomascus leucogenys) sowie die Hainan-Schopfgibbons (Nomascus hainanus) in China. Von letzterem lebten noch weniger als 30 Tiere auf der Welt.

Obwohl Primaten in den tropischen und subtropischen Regionen der Welt vorkommen – vor allem in Afrika, Südamerika und Asien – seien die Ursachen der Zerstörung auch in der westlichen Welt zu finden. „Die Lebens- und Wirtschaftsweise in den industrialisierten Ländern trägt zur Bedrohung von Primaten bei“, erläutert Eckhard W. Heymann vom Deutschen Primatenzentrum in Göttingen, der an der Studie mitgewirkt hat, in einer Mitteilung seines Instituts. „Viele der Ressourcen und Produkte, zu deren Gewinnung Lebensräume von Primaten vernichtet werden, wie beispielsweise Bodenschätze, Rindfleisch, Palmöl und Soja, werden letztlich in den industrialisierten Ländern verbraucht.“

Es gehe aber nicht darum, eine Liste mit allen Gefahren für Primaten aufzustellen, schreiben die Forscher in ihrem Artikel weiter. Vielmehr wollten sie die Entwicklung effektiver und nachhaltiger Maßnahmen anstoßen, die das Überleben der Primaten mittel- und langfristig fördern. Vorrangige Ziele seien eine bessere Bildung und die Bekämpfung der Armut. Armut veranlasse die Menschen in vielen Fällen dazu, ihre Umweltressourcen auszubeuten. Letztlich müssten die Menschen verstehen lernen, dass sie vom Schutz der Wälder und der Primaten profitieren können – ohne auf ihre eigenen Bedürfnisse verzichten zu müssen. Auch das Bevölkerungswachstum müsse gebremst werden.

Die Primaten seien eine der artenreichsten Gruppen unter den Säugetieren. Bekannt seien 504 Arten, die sich auf 79 Gattungen und 16 Familien verteilten. Die kleinste Primatenart – der Madame Berthes Mausmaki – wiegt gerade einmal 30 Gramm. Am größten und schwersten sind die Gorillas mit etwa 200 Kilogramm Körpergewicht. Zwei Drittel aller Arten lebten in nur vier Ländern: in Brasilien, Madagaskar, Indonesien und der Demokratischen Republik Kongo.
„Wir haben eine letzte Chance, die vom Menschen verursachte Bedrohung der Primaten und ihrer Lebensräume zu eliminieren oder mindestens erheblich zu reduzieren, die Schutzbemühungen zu lenken und das Bewusstsein für die weltweit missliche Lage der Tiere zu erhöhen“, schreiben die Forscher abschließend in ihrem Artikel. Dies sei auch eine Frage der Menschlichkeit. „Immerhin sind sie unsere nächsten biologischen Verwandten.“ (Anja Garms, dpa)

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