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Eintagsfliegen wie die Ephemera danica gibt es schon seit Millionen von Jahren.
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Eintagsfliegen wie die Ephemera danica gibt es schon seit Millionen von Jahren.

Eintagsfliegen

Sie hat selbst die Dinosaurier überlebt

  • Franziska Schubert
    vonFranziska Schubert
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Die Dänische Eintagsfliege – die übrigens länger als einen Tag lebt, ist zum „Insekt des Jahres 2021“ in Deutschland, Österreich und der Schweiz gekürt worden.

Auch wenn Eintagsfliegen vergleichsweise kurz leben, sind sie uralt. Die urtümlichen Insekten sind „viel älter als Dinosaurier. Die Eintagsfliegen sahen sie kommen und wieder vergehen“ – unter anderem damit begründet Thomas Schmitt, der Vorsitzende des Kuratoriums, die Entscheidung, warum ausgerechnet ein eher unbekanntes Kleintier wie die Dänische Eintagsfliege zum Insekt des Jahres 2021 gekürt wird. Doch genau darum geht es bei der Nominierung: Das allgemeine Wissen über und das Verständnis für die Lebensweise der Eintagsfliege und deren ökologische Bedeutung zu erhöhen – auch wenn ihr Bestand zum Glück aktuell nicht gefährdet ist.

In der Tat hat die rund zwei Zentimeter lange Dänische Eintagsfliege einige beachtliche Eigenschaften vorzuweisen: Sie ist nicht nur ein lebendes, wirbelloses Fossil, das schon zur Zeit des Unterkarbons sich in Flüssen, Bächen und in der Luft tummelte (dort allerdings nur für zwei bis vier Tage, was vor allem dem Zweck dient, sich zu vermehren). Die Dänische Eintagsfliege ist zudem auch eine Weltmeisterin in Sachen Häutungen: Bis zu 30 Mal streift das Tier seine alte Hülle ab. Kurz vor dem Lebensende steigt sie an die Wasseroberfläche, dank einer Luftschicht unter ihrer Chitinhaut. Dort angelangt, häutet sie sich sofort wieder, um sich als geschlechtsreifes Fluginsekt zu paaren.

In Sachen Fortpflanzung setzt die Eintagsfliege wie viele andere Lebewesen auf das Prinzip Masse. Sie zählt damit zu den r-Strategen, die bei der Vermehrung auf eine hohe Reproduktionsrate abzielen. Dass dabei die Zeit kostbar ist, weiß auch das Eintagsfliegenmännchen, das seine Auserwählte im Flug von hinten mit seinen langen Vorderbeinen umgreift und relativ schnell die Begattung abschließt.

Das Weibchen legt schließlich mehrere tausend Eier ab, während es im Zick-Zack-Kurs über das Wasser fliegt und dabei kurz mit dem Hinterleib eintaucht. Die klebrigen Eier sinken auf den Grund und bleiben dort hängen.

Da das Weibchen kürzere Vorderbeine hat, spricht Insektenexperte Schmitt, Direktor des Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut in Müncheberg, von einem ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus, da sich Männchen und Weibchen in ihrer Erscheinung deutlich unterscheiden.

Gut zu erkennen ist die Dänische Eintagsfliege übrigens an den auffälligen schwarzen Flecken auf ihren Flügeln. Wer sie gern einmal live sehen möchte, muss dafür aber nicht extra nach Dänemark reisen. Dort wurde das Insekt nur zum ersten Mal offiziell beschrieben – und verdankt diesem Umstand seitdem seinen Namen. Allerdings benötigt die Eintagsfliege zum Gedeihen naturnahe Flüsse und Bäche, die nicht zu stark verschmutz sind.

Auch im Schlick fühlt sie sich nicht wohl, da sie sich dort nicht so gut einbuddeln kann. Die Köcherfliegenlarve bevorzugt Sand oder Kies, wo sie sich mit ihren kräftigen Beinen ihre Wohnröhre gräbt. Dort entwickelt sie sich abhängig von Wassertemperatur und dem Nahrungsangebot ein bis drei Jahre – wenn sie nicht von einem der unzähligen Wasserräuber wie etwa der Libellenlarve gefressen wird.

Axel Vogel (Grüne), Brandenburgs Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz und Schirmherr der Aktion „Insekt des Jahres 2021“, betont die Bedeutung des Naturschutzes, der sich sehr positiv auf die Qualität vieler heimischer Gewässer und damit auch den Lebensraum der Eintagsfliege ausgewirkt habe. Insbesondere die Wasserrahmenrichtlinie der Länder habe viel bewirkt – so dass es den im Wasser lebenden Insekten derzeit oft besser gehe als den Landbewohnern, die durch die intensivierte Landwirtschaft zunehmend bedroht sind. Doch der Klimawandel kann auch Eintagsfliegen zusetzen, etwa wenn Gewässer austrocknen.

Verbreitungsgebiet: Obwohl es die urtümlichen Insekten schon seit etwa 355 Millionen Jahren gibt, leben in Mitteleuropa aber nur etwa 140 der weltweit 3000 Arten.

Flugzeiten: Von Mai bis September sind die Eintagsfliegen als ausgewachsene Fluginsekten unterwegs. Anders als der Name annehmen lässt, ist das Leben einer Eintagsfliege aber deutlich länger als nur einen Tag. Von der im Wasser lebenden Larve bis zum geschlechtsreifen Tier vergehen im Schnitt zwei Jahre. Die Larven sind zwischen einem und zwei Zentimeter lang und sind in kleinen Bächen bis hin zu großen Flüssen heimisch. Die erwachsenen Insekten leben dann jedoch nur noch zwei bis vier Tage.

Große Gruppe: Mehr als 60 Prozent aller beschriebenen Tierarten sind Insekten. Die Larve benötigt zum Gedeihen naturnahe Flüsse und Bäche (isk)

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