„Zeitalter des Menschen“ – Forschende stellen Nachweis für neues Erdzeitalter vor
Bisher war das Anthropozän nicht klar definiert. Die Anthropocene Working Group hat nun einen Vorschlag unterbreitet, wann das „Zeitalter der Menschen“ beginnt.
Lille – Das Anthropozän beschreibt den Zeitraum der Erdgeschichte, in dem die Menschheit einen signifikanten Einfluss auf die Entwicklung des Planeten ausübt. Auch wenn der Begriff bereits häufig Verwendung findet, gibt es bislang noch keine klare Definition des neuen Erdzeitalters nach geologischen Maßstäben. Eine solche zu erarbeiten, ist Aufgabe der Anthropocene Working Group (AWG). Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, hat die Arbeitsgruppe nun einen Vorschlag vorgestellt, der das Jahr 1950 als den Beginn des Anthropozäns definiert. Als Referenz dient ihnen dabei eine Sedimentprobe aus Kanada.
So definiert sich das Anthropozän
Offiziell leben wir momentan im Holozän, das vor etwa 12.000 Jahren begann. Der Grund, warum einige Forschende ein neues Erdzeitalter einläuten wollen, ist, dass der Mensch in den letzten Jahrzehnten einen zunehmend großen Einfluss auf den Planeten hatte und auch nach wie vor hat. Daher auch der Name Anthropozän - das Zeitalter des Menschen.

Um mit dem Begriff wissenschaftlich arbeiten zu können, muss klar definiert sein, wann das Zeitalter beginnt und wodurch es sich auf geologischer Ebene auszeichnet. Für letzteres wird eine Sedimentprobe als Standard festgelegt. Auf diese können Forschende sich dann beziehen.
Bereits in einer Abstimmung im Jahr 2019 hatte sich die AWG darauf geeinigt, den Start des Anthropozäns um die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts zu verorten, wie auf der Webseite der Anthropocene Working Group nachzulesen ist. Am Dienstag wählten die Forschenden einer Meldung der Nachrichtenagentur afp zufolge eine Sedimentprobe aus dem Lake Crawford in Kanada als optimale Referenzprobe für das Anthropozän.
Sedimentprobe aus Kanada als Nachweis des Anthropozäns
„Den Beginn des Menschenzeitalters machen die Experten an sogenannten Geomarkern in der Probe fest, allen voran radioaktiven Niederschlägen von Atomwaffen-Tests nach dem Zweiten Weltkrieg“, schreibt die dpa. Weitere Marker sind zum Beispiel Treibhausgase oder auch Mikroplastik. Diese Geomarker lassen sich in Proben rund um die Welt nachweisen.
Die Probe aus dem kanadischen See eignet sich unter anderem deshalb so gut als Referenz, weil sie aufgrund von Sedimentablagerungen klar erkennbare Jahreslinien hat. Unter anderem deshalb konnte sie sich gegen die elf anderen Orte durchsetzen, deren Proben ebenfalls in Betracht kamen. Um offizieller Standard zu werden, müssen nun noch drei Gremien über den Vorschlag der AWG abstimmen. Die endgültige Entscheidung könnte bis August 2024 vorliegen. (sp)