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Aus dieser Perspektive sieht Zypern sehr idyllisch aus.
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Aus dieser Perspektive sieht Zypern sehr idyllisch aus.

Zypern

Zyperns teure Villen am Meer

Die Küsten Zyperns sind vollgebaut mit Meerblick-Villen, gegen die das brave Wulflf’sche Reihenhaus aussieht wie aus einer Armensiedlung. Die Insel hat nur 800.000 Einwohner, hängt voller Geld und ist miserabel regiert. Ein Reisebericht.

Von Birgit Walter

Die Küsten Zyperns sind vollgebaut mit Meerblick-Villen, gegen die das brave Wulflf’sche Reihenhaus aussieht wie aus einer Armensiedlung. Die Insel hat nur 800.000 Einwohner, hängt voller Geld und ist miserabel regiert. Ein Reisebericht.

Und? Habt Ihr Euer Geld noch retten können?, fragt grinsend der Nachbar, als wir aus dem Urlaub zurück sind. Toller Witz. Als könnte ein Gehaltsempfänger auch nur einen Euro Schwarzgeld auf die Seite bringen. Andere erkundigen sich, wie sie denn so sind, die Zyprer, ob man deren Ärger auf Deutsche schon spürt im Land. Die Frage ist knifflig, denn wir haben keinen Zyprer kennengelernt. In den Hotels, Kneipen und Läden, wo man sonst im Urlaub auf Einheimische trifft, arbeiten jedenfalls keine Zyprer, sondern meist Osteuropäer.

Zypern nennt sich selbst die Liebesinsel. Ein abwegiges Synonym für ein Land, das eine Stacheldrahtgrenze in zwei Hälften teilt. Das dazu eine mentale Mauer aus Verachtung, Intoleranz und Missgunst pflegt. Zuletzt war es der griechische Teil Zyperns, der sich der Wiedervereinigung mit dem Norden widersetzte. An den ärmeren, türkischen Teil wollte der Süden keine Touristen abgeben.

Es ist nicht nur der von den Göttern geschenkte Reichtum von Sonne, Meer und einem hinreißend grünen Gebirge von lieblicher Schroffheit in der Mitte der Insel sehr erbaulich. Damit könnten die Zyprer ein schönes Leben als Urlaubsinsel führen. Aber das reicht ihnen nicht. Sie wollen nicht von Urlaubern leben, sondern von Geld. Das jedenfalls schreit der ausgestellte Reichtum an jeder Ecke. Er überschreitet oft die Grenze des Obzsönen, sehr unsympathisch.

Miserabel regiert

Durch die Innenstädte fahren 100.000-Euro-Autos mit lauter Musik. Die Autobahn hängt voller haushoher Plakate mit Blondinen vor Swimmingpools und der Aufschrift „wahrer Luxus“. Die Küsten sind vollgebaut mit Meerblick-Villen, gegen die das brave Wulff’sche Reihenhaus aussieht wie aus einer Armensiedlung. Die Insel hat nur 800.000 Einwohner, hängt voller Geld und ist miserabel regiert. Herrliche, kilometerlange Küstenwege, für Millionen aus der EU gebaut, sind nach wenigen Jahren verrottet, für Radfahrer und Kinderwagen unpassierbar. Wer kontrolliert schon das Bauen.

Zugelassen werden auch gesichtslose Hotel- und Partyorte wie Ayia Napa und Protaras, die in der Nebensaison zu hässlichen Geisterstädten mutieren. Die Promenade von Larnaca dominieren Kästen mit Kettenrestaurants. So viel göttliche Landschaft und kein städtebaulicher Gedanke.

Unser Korrespondent schrieb jüngst über einen ratlosen Restaurantbesitzer bei Limassol. Drei Häuser am Meer hat er sich bauen lassen, bis er die Kredite nicht mehr bedienen konnte. Nun hoffte er auf Deutschland. Aber wer ist das denn, Deutschland? Sollen die Restaurantbetreiber und Kellner hier fremde Villen am Meer in Zypern finanzieren? Und: Sind das schon nationalistische Gedanken?

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