Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Krisensitzung in Brüssel - wieder einmal: Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici, IWF-Chefin Christine Lagarde, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und seine österreichische Amtskollegin Maria Fekter (v.l.),.
+
Krisensitzung in Brüssel - wieder einmal: Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici, IWF-Chefin Christine Lagarde, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und seine österreichische Amtskollegin Maria Fekter (v.l.),.

Zypern in der Euro-Krise

Zypern-Rettung auf Messers Schneide

  • VonSteffen Hebestreit
    schließen

Dramatische Stunden in der Zypern-Krise: Präsident Anastasiades kämpft in Brüssel um die Zukunft seines Landes und steht enorm unter Druck. Die Nacht dürfte lang werden für die EU-Finanzminister.

Dramatische Stunden in der Zypern-Krise: Präsident Anastasiades kämpft in Brüssel um die Zukunft seines Landes und steht enorm unter Druck. Die Nacht dürfte lang werden für die EU-Finanzminister.

Mit einer ganzen Reihe von Krisengesprächen hat Zyperns Präsident Nicos Anastasiades am Sonntag in Brüssel versucht, die drohende Staatspleite seines Landes in letzter Minute abzuwenden. Anastasiades warb unter anderem bei einem Treffen mit EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso und Währungskommissar Olli Rehn für ein neues Finanzierungskonzept, auf das sich Zyperns Parteien übers Wochenende verständigt hatten.

Wegen der Verhandlungen auf Spitzenebene verzögerte sich am Abend der offizielle Beginn des Krisentreffens der Euro-Finanzminister um vier Stunden. Die obersten Kassenhüter wollen ein Hilfspaket von 10 Milliarden Euro schnüren. Es wurde mit harten und langen Nachtverhandlungen gerechnet. Der konservative Anastasiades soll nach Angaben des staatlichen zyprischen Fernsehens (RIK) gegenüber seinen Gesprächspartnern in Brüssel sogar von Rücktrittsdruck gesprochen haben: „Wollt Ihr mich zum Rücktritt zwingen? Wenn es das ist, was ihr wollt, dann sagt es.“ In Brüssel war dafür zunächst keine Bestätigung zu erhalten.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zeigte sich zum Auftakt der Verhandlungen mit seinen Amtskollegen aus den anderen Euro-Staaten vorsichtig optimistisch. „Ich hoffe, dass wir heute zu einem Ergebnis kommen können“, sagte er. „Aber das setzt natürlich voraus, dass man in Zypern die Lage einigermaßen realistisch sieht. Wir sind zu einer Lösung bereit, wir wollen alles tun.“

In den vergangenen Tagen waren zwei Rettungskonzepte für die Mittelmeerinsel bereits am Widerstand des dortigen Parlaments oder der internationalen Geldgeber gescheitert. Sollten die Bemühungen des Präsidenten in Brüssel fehlschlagen, könnte Zypern wohl schon am Dienstag zahlungsunfähig sein.

Der neue Rettungsplan sieht unter anderem eine Zwangsabgabe für Bankkunden in Zypern vor, die mehr als 100.000 Euro angelegt haben. Guthaben unterhalb dieser Grenze sollen hingegen, anders als in ersten Überlegungen in der vergangenen Woche, unangetastet bleiben.

Ein Fünftel für den Staat

Die betroffenen Anleger beim größten Geldhaus, der Bank of Cyprus, sollen dem Vernehmen nach 20 Prozent zahlen. Mit vier Prozent deutlich niedriger soll dagegen die Abgabe für die Kunden anderer zyprischer Bankenhäuser ausfallen.

Bangen müssen allerdings Investoren, die ihr Geld bei der zweitgrößten Bank Zyperns, Laiki, deponiert haben. Nachdem das Parlament in Nikosia am Freitagabend die Aufspaltung und Teilabwicklung dieser Bank beschloss, ist noch unklar, was aus den Vermögen wird, die dort deponiert sind und über der Schwelle von 100 000 Euro liegen und deshalb nicht mehr von der staatlichen Einlagensicherung gedeckt sind.

Insgesamt sollen auf diese Weise laut Nikosia 5,8 Milliarden Euro an Eigenbeitrag Zyperns zusammenkommen, die die Troika aus Internationalem Währungsfonds, EU-Kommission und Europäischer Zentralbank zur Voraussetzung für weitere internationale Hilfszahlungen gemacht hat. Die Troika selbst würde in diesem Fall zehn Milliarden Euro zur Rettung des Mittelmeerstaates zur Verfügung stellen.

Vertreter der Troika äußerten sich am Sonntag eher skeptisch, ob durch diese Pläne tatsächlich die nötige Summe von Zypern aufgebracht werden könne. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) betonte aber noch einmal, dass er von der Voraussetzung für weitere Hilfen nicht abrücken werde. „Wir wollen möglichst vermeiden, dass Zypern in die Insolvenz rutscht“, sagte Schäuble der Welt am Sonntag. Nicht die Sturheit der Europäischen Union sei für die gegenwärtige Finanzkrise Zyperns verantwortlich, betonte er, sondern das Geschäftsmodell des Mittelmeerstaates, das nicht mehr funktioniere.

Steuer-Oase im Mittelmeer

Mit niedrigen Steuern, hohen Zinsen und einer laxen Geldwäsche-Kontrolle hatte sich Nikosia in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Ziel internationaler Anleger entwickelt. Zyperns Finanzsektor war aber zuletzt in Schieflage geraten, nachdem die dortigen Banken große Verluste auf griechische Staatsanleihen abschreiben mussten.

Der Inselstaat verfügt über einen vergleichsweise großen Bankensektor, der 45 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet. Ein Drittel der Einlagen zypriotischer Banken, etwa 23 Milliarden Euro, soll von russischen Anlegern stammen. Versuche der Regierung Zyperns, deshalb günstige Überbrückungskredite der russischen Regierung zu erhalten, waren Mitte vergangener Woche allerdings gescheitert.

Die Banken auf Zypern sind bereits seit mehr als einer Woche geschlossen, um Kapitalflucht zu verhindern. Zuletzt hieß es, die Geldhäuser würden am Dienstag wieder öffnen. Nach Medienberichten bereiten sich die Banken auf einen Ansturm ihrer Kunden vor, zusätzliches Sicherheitspersonal soll dafür angeheuert worden sein.

„Zypern wird einen schweren Weg gehen ? so oder so“, sagte Bundesfinanzminister Schäuble voraus. Die dortige Bankenbranche stehe vor einer harten Konsolidierung, heißt es in Fachkreisen. (mit dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare