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Nationalfeiertag auf Zypern: In diesem Jahr tragen viele Zyprer neben der Flagge des Landes noch andere Botschaften mit sich.
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Nationalfeiertag auf Zypern: In diesem Jahr tragen viele Zyprer neben der Flagge des Landes noch andere Botschaften mit sich.

Zypern-Rettung

Zypern fühlt sich von der EU erpresst

Zypern ist gerettet - doch in Nikosia ebbt der Protest gegen die Rettungsbeschlüsse nicht ab. Zum heutigen Nationalfeiertag herrscht in dem Inselstaat vor allem eins: Wut.

Von Ferry Batzoglou

Jannis Georgiou trinkt auch an diesem Montagmorgen seinen geliebten Mokka im Stammcafé in Nikosias Altstadt. Dem strahlenden Sonnenschein zum Trotz: Der redselige Rentner ist ernüchtert – so wie die meisten seiner Landsleute an diesem Tag. Über die Entscheidungen der Eurogruppe zur Zypern-Rettung, die nach einer erneut dramatischen Sitzung in der Nacht zu Montag im fernen Brüssel gefällt wurden, diskutiert Georgiou schon heftig mit seinem Tischnachbarn. „Das sind sehr harte Entscheidungen. Wir steuern auf eine Katastrophe zu“, sagt er.

Der Grund dafür, dass die Zyprer Trübsal blasen: Die Geldgeber-Troika aus EU, EZB und Internationalem Währungsfonds sowie die zypriotische Regierung unter Staats- und Regierungschef Nikos Anastasiadis hatten sich zwar in der Nacht zu Montag abermals auf einen Rettungsplan geeinigt. Die Eurogruppe der 17 Finanzminister der Euro-Staaten gab der acht Punkte umfassenden Einigung noch in der Nacht ihre Einwilligung. Der Plan zur Zypern-Rettung sieht aber unter anderem vor, dass das zweitgrößte Geldinstitut des Landes, die Laiki Bank, sofort geschlossen und abgewickelt wird. Spareinlagen bis 100.000 Euro werden generell nicht am Rettungspaket beteiligt. Dafür werden Aktionäre, Anleihegläubiger und Einleger beider großer Banken und damit auch der Bank of Cyprus in erheblichem Umfang beteiligt. Im Gegenzug erhält das pleitebedrohte Zypern einen Troika-Kredit von zehn Milliarden Euro.

Der Tag danach ist in Zypern ein Nationalfeiertag mit Paraden im ganzen Land. Traditionell melden sich Politiker zu Wort oder Zyperns mächtiger Erzbischof Chrysostomos II. „Auf uns warten schwere Zeiten“, warnte er. „Der Hunger wird zunehmen, auch die Verzweiflung. Aber ich will es wieder sagen: Unser Volk kann verschwenderisch sein, aber auch sehr bescheiden leben.“ Sichtlich bedrückt meinte Parlamentspräsident Jannakis Omirou: „Den heutigen Nationalfeiertag erleben wir Zyprer in einer sehr kritischen Phase unserer Geschichte. Leider erfahren wir von unseren EU-Partnern statt Unterstützung und Solidarität nur Erpressung, Galle und Essig. Unsere Antwort darauf lautet: Nationale Souveränität, Selbstbewusstsein und Widerstand.“

Sprengsatz explodiert in einer Bankfiliale

Unterdessen ebben in Nikosia die Proteste gegen die Troika nicht ab. Als die dramatische Eurogruppensitzung am späten Sonntagabend in Brüssel ihren Anfang nahm, brachten Hunderte Menschen vor der EU-Vertretung in Nikosia ihren Protest zum Ausdruck. Sie skandierten „Raus aus dem Euro“ und „Unabhängigkeit, Freiheit, Demokratie“.

Im Ort Polemidia detonierte ein Sprengsatz in einer Bankfiliale. Beobachtern vermuteten einen Zusammenhang mit den von der Troika gestellten Bedingungen für Zyperns Bankenrettung. Dem Anschlag zum Trotz: Am Montag liefen die Vorbereitungen für die am Dienstag geplante Öffnung der Banken auf Hochtouren. Zyperns Geldinstitute sind bereits seit dem 16. März geschlossen. Aus Angst vor einem Ansturm auf die Banken hat Zyperns Parlament inzwischen die gesetzliche Grundlage für Kapitalverkehrskontrollen geschaffen. Demnach können die zyprischen Behörden den Geldverkehr beschränken, um eine Kapitalflucht im Keim zu ersticken. In den letzten Tagen konnten Bankkunden nur beschränkt Geld abheben – lediglich 100 Euro pro Tag bei der Laiki-Bank.

Im scharfen Kontrast zur Stimmung im Lande versuchte Zyperns Finanzminister Michalis Sarris Zuversicht zu versprühen und wies einen Weg aus der Sackgasse: „Das neue Kapitel heißt Energiewesen“, sagte Sarris mit Blick auf die Gasvorkommen vor Zyperns Südküste. Doch bis das klamme Euro-Land die ersten Gas-Einnahmen verbuchen kann, werden mindestens fünf Jahre verstreichen.

Am Athener Airport herrschte derweil am Montag Hochbetrieb. Zahlreiche Griechen, die im Laufe der Griechenland-Krise ein Konto im Bruderland Zypern eingerichtet hatten, waren unterwegs nach Larnaka. Man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, was sie am Dienstag als Erstes tun.

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