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Die Klimakrise verschärft das Problem in Ländern wie Tansania, weil Frauen noch weitere Wege gehen müssen, um Wasser zu holen.

Ungleichheit

Zwölf Milliarden Stunden ohne Lohn

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Oxfam beklagt im Bericht zur Ungleichheit fehlende Bezahlung für Haus- und Pflegearbeit.

Es ist eine gigantische Summe. Etwa 10 Billionen Euro pro Jahr müssten Mädchen und Frauen weltweit zusätzlich erhalten, würde ihre bisher kostenlose Haus- und Pflegearbeit mit Mindestlöhnen bezahlt. Dieser entgangene Verdienst bewegt sich in der Größenordnung von zehn Prozent der gesamten Weltwirtschaftsleistung eines Jahres.

Das schreibt die Entwicklungsorganisation Oxfam in ihrem neuen Bericht zur globalen Ungleichheit, den sie am heutigen Montag anlässlich des Weltwirtschaftsforums von Davos veröffentlicht. „Die Zahl ist Ausdruck eines Wirtschaftssystems, das vor allem für wohlhabende Männer funktioniert“, sagte Ellen Ehmke von Oxfam Deutschland.

Den Berechnungen zufolge leisten Mädchen und Frauen pro Tag etwa zwölf Milliarden Arbeitsstunden unentgeltlich. Die entgangenen Löhne landen oft bei Männern, weil diese mit unbezahlter Hausarbeit im Rücken ihren Berufen und Karrieren nachgehen können, die ihnen entsprechende Einkommen bringen.

Ergebnis: „Die ungleiche Verteilung der Pflege- und Fürsorgearbeit schafft und verschärft soziale Ungleichheit“, so Oxfam, „weltweit besitzen Männer 50 Prozent mehr Vermögen als Frauen.“ Oxfam forderte mehr Investitionen in öffentliche Infrastruktur, die Frauen und Mädchen von unbezahlter Pflege- und Fürsorgearbeit entlasten. In armen Ländern könnten etwa Wasserleitungen und regenerative Energie den Zeitbedarf für die Beschaffung von Wasser und Feuerholz mindern. In reichen Ländern gehe es um eine gerechtere Verteilung von Erziehungs- und Betreuungszeiten.

Zudem übte Oxfam Kritik an der sozialen Ungleichheit zwischen Arm und Reich: Alleine 162 Milliardäre hätten so viel Vermögen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Die Organisation stützt sich unter anderem auf Daten von Forbes, Credit Suisse und Bloomberg.

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