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Steigende Preise würden die Normalisierung anzeigen, auf die die Europäische Zentralbank (EZB) sehnsüchtig wartet.
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Steigende Preise würden die Normalisierung anzeigen, auf die die Europäische Zentralbank (EZB) sehnsüchtig wartet.

Inflation

Zwischen Hoffnung und Hysterie

  • Markus Sievers
    VonMarkus Sievers
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Noch immer liefert die Inflationsrate keine eindeutige Rechtfertigung für eine andere Geldpolitik – die Zinsen steigen dennoch. Die Analyse.

Inflation erscheint heutzutage als ein Phänomen aus alten Tagen – etwas für die Geschichtsbücher, aber nicht für Gegenwart und Zukunft. Mittlerweile aber spekulieren mehr und mehr Anleger an den Finanzmärkten darauf, dass sich dies bald ändern könnte. Der neue Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis ist sich schon sicher. „Über kurz oder lang wird sich die anhaltend gute Konjunkturlage in weiter steigenden Preissteigerungsraten ausdrücken“, lautet seine Prognose.

Das wäre, so paradox es klingen mag, aus volkswirtschaftlicher Sicht eine gute Nachricht. Denn steigende Preise würden die Normalisierung anzeigen, auf die die Europäische Zentralbank (EZB) sehnsüchtig wartet. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass die Geldpolitik zur Normalität zurückkehrt, die Anleihekäufe reduziert oder stoppt und die Zinsen erhöht.

Noch sind die Daten gemischt, weshalb EZB-Präsident Mario Draghi zögert. Für die Inflation sagen die Sparkassen selbst eine Rate von 1,8 Prozent für 2018 voraus, etwas mehr als für 2017. Dies gilt aber nur für Deutschland. Im Euro-Raum erwarten die Institute wie im Vorjahr 1,5 Prozent. Und diese Daten spiegeln auch die Verteuerung von Öl, anderen Energierohstoffen und Nahrungsmitteln wieder. Für die Geldpolitik wichtiger ist der allgemeine Preisdruck. Diesen zeigt die Kernrate der Preissteigerung an, die eben die stark schwankungsanfälligen Produkte ausklammert. Sie wird laut den Sparkassen 2018 bei 1,5 Prozent in Deutschland und bei 1,2 Prozent in der Euro-Zone liegen. Vor allem der Wert für die Währungsunion ist noch ein Stück von dem EZB-Ziel für eine Teuerung knapp unter zwei Prozent entfernt.

Überalterung dämpft Inflation 

Allerdings weisen die Sparkassen auf grundlegende Veränderungen im wirtschaftlichen Umfeld hin, die dauerhaft niedrigere Werte als früher erwarten lassen. Dies hieße entsprechend für die EZB, dass sie schon bei einer geringeren Preissteigerung früher aus der lockeren Geldpolitik aussteigen könnte beziehungsweise müsste. So vereinfacht es die Digitalisierung den Verbrauchern, durch Online-Shops wie Amazon die Preise zu vergleichen. Das verstärke dauerhaft den Druck auf die Preise, meint Uwe Burkert, Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg. Zweitens führt er die Globalisierung an: Dadurch steigt der Anteil der billigen chinesischen Komponenten in der Produktion deutlich. Drittens kommt die Altersstruktur der Bevölkerung hinzu. Wenn zu wenige junge Menschen nachrücken, sinkt die Nachfrage.

Diese Umwälzungen erkennt auch Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Diba, an. Allerdings zieht er andere Schlüsse daraus. Aus seiner Sicht spricht der anhaltend geringe Inflationsdruck dafür, dass die EZB sich Zeit lassen muss mit einem grundlegenden Wandel ihrer Ausrichtung. Gerade die aktuellen Daten zeigten, dass die Inflation in Deutschland hinter den Erwartungen zurückbleibe. Den Märkten bescheinigt Brzeski eine „Inflations-Hysterie“.

In dieser unsicheren Lage bleibt ein Trost: Auch ohne grundlegende Kehrtwende der EZB beginnen dank der starken Konjunktur und der steigenden Renditen in den USA die Zinsen anzuziehen. Die fünfjährige Bundesanleihe verließ in dieser Woche erstmals seit Ende 2015 wieder den Bereich der Negativrendite. Ein weiteres Signal, dass an den Finanzmärkten die Normalisierung schon beginnt.

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