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1,3 Millionen Elektrofahrräder sind bereits auf deutschen Straßen im Einsatz.

Elektrofahrrad

Die zweite E-Bike-Revolution

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Lastenräder geben der Boombranche Elektrofahrrad einen neuen Schub. Als Zielgruppe gelten Paketdienste und Familien.

Lastenräder geben der Boombranche Elektrofahrrad einen neuen Schub. Als Zielgruppe gelten Paketdienste und Familien.

Zahlen sprechen manchmal eine klare Sprache. 7120 Elektroautos fahren auf deutschen Straßen, aber bereits 1,3 Millionen Elektrofahrräder – und das ganz ohne politische Anschubhilfe. Dabei hätten 90 Prozent aller Deutschen noch nie auf einem modernen Drahtesel dieser Art gesessen, sagt Dieter König. Er ist Vorstand des Vereins ExtraEnergy, der sich der Elektromobilität auf zwei Rädern verschrieben hat.

Das Potential bleibe trotz zweistelliger Zuwachsraten weiterhin groß, auch weil ein neues Wachstumsfeld ins Visier rückt – der Lastentransport. Lastenfahrräder mit Elektromotor sollen der Boombranche den nächsten Schub verleihen. Die Nachfrage gleichermaßen von Privatpersonen und Firmen sei groß, sagt König.

Der Preis ist relativ hoch. Noch.

Unternehmen wollten Lastenfahrräder mit bis zu 200 Kilogramm Zuladung zum einen auf dem Firmengelände zum Bewegen von Waren oder Teilen einsetzen. Und für den Einsatz in Innenstädten hätten mittlerweile Logistiker und Handwerker diese Form des umweltfreundlichen Transportmittels für sich entdeckt, sagt der Chef des bayerischen Fahrradclubs ADFC, Armin Falkenhein. Paketdienste wie beispielsweise UPS und DHL hätten im Ruhrgebiet Tests laufen, weil sie mit den bislang eingesetzten Kleinlastern öfter im Stau stehen. Lastenfahrräder hingegen kommen oft deutlich schneller ans Ziel. Gleiches gelte für Handwerker mit überschaubarem Materialtransport.

„Schneller beim Kunden zu sein und mehr ausliefern zu können ist bares Geld“, sagt Falkenhein. Auch erste Kaufhäuser in Innenstädten lassen sich auf diese Art mit Ware beliefern. Zum Umdenken zwingen auch die zunehmenden Einfahrverbote in innerstädtische Umweltzonen, sagt König.

Im Privatbereich liegt der Fokus vor allem auf dem Transport von Kindern und schwerem Einkauf wie Getränkekästen, sagen Fahrradhändler. Das seien zwei Bereiche, wo bislang das Auto den Vorzug hat. Lastenfahrräder könnten auch hier eine Wende bringen.
Noch sind sie eine Nische, was auch am relativ hohen Preis liegen dürfte. Zwischen 3500 und 10.000 Euro liege die Spanne, sagt König. „Keine Steuern, keine Versicherung, keine Spritkosten, das rechnet sich schnell“, meint er. Aber auch bei normalen Elektrorädern, von denen hierzulande im vergangenen Jahr rund 380.000 Stück verkauft wurden, immerhin gut ein Fünftel mehr als 2011, sei der Weg noch lange nicht zu Ende.

Vorbild Kopenhagen

Das gelte vor allem für den Weg zur Arbeit, sagt Falkenhein. Bei 15 Millionen Deutschen liege die Arbeitsstätte nicht weiter als zehn Kilometer von zuhause entfernt. Heute nutzen 1,2 Millionen Berufstätige dafür das Fahrrad. In der elektrischen Version sei es für Pendler ideal, schwört der ADFC-Chef. Er selbst habe 13 Kilometer zum Arbeitsplatz, was per Elektrofahrrad keine halbe Stunde dauere. Seine Frau sei mit dem Auto länger unterwegs. Allerdings stoße diese Art der Elektromobilität immer mehr an Grenzen, räumt der Fahrrad-Lobbyist ein.

Denn die innerstädtischen Fahrradwege seien nicht auf die zunehmende Menge an Fahrrädern sowie deren mit elektrischer Unterstützung höheren Geschwindigkeiten ausgelegt. „Wir müssen den Verkehrsraum neu verteilen“, sagt Falkenhein und verweist auf das Beispiel Kopenhagen. In der Hauptstadt von Dänemark betrage der Fahrradanteil am Stadtverkehr schon 36 Prozent und bis 2015 soll es die Hälfte werden.

Zum Vergleich: Unter deutschen Städten gelten 20 bis 30 Prozent als Spitzenwerte. Auch die deutsche Politik beginne jetzt zwar umzudenken, aber Dänemark und die Niederlande, wo es schon Fahrradschnellstraßen gibt, würden immer noch vormachen, was mit dem Fahrradverkehr in puncto Umwelt- und Verkehrsentlastung möglich sei.

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