+
Gene Sperling soll US-Präsident Barack Obama helfen.

Porträt

Zweite Chance

  • schließen

Obamas neuer Wirtschaftsberater, Gene Sperling, hat Erfahrung darin, Interessen auszuloten und knappe Mehrheiten zu nutzen. Das kann er im Kampf gegen die Republikaner im Repräsentantenhaus gut gebrauchen.

Die Luft wird dünn in Washington. Die Republikaner haben die Mehrheit im Repräsentantenhaus, das Staatsdefizit ist auf einem Rekordhoch angelangt, ebenso die Arbeitslosenquote. Unter diesen schwierigen Bedingungen bleiben dem demokratische US-Präsidenten Barack Obama nur zwei Jahre, um die Amerikaner davon zu überzeugen, dass er trotzdem eine zweite Amtszeit verdient hat.

Schon lange war es deshalb ein offenes Geheimnis, dass der Präsident sich als Wirtschaftsberater einen erfahrenen Mann ins Weiße Haus holen würde. Einen, der die Fallstricke aus eigener Erfahrung kennt und weiß, wie man sie meistert. Einen wie Gene Sperling. Jetzt ist es offiziell: Der 52-Jährige wird Obama künftig als Direktor des Nationalen Wirtschaftsrates zu Seite beraten und damit Nachfolger des schillernden Lawrence Summers.

Der gelernte Jurist ist in der Politik-Szene groß geworden. In den Neunzigern arbeitete er für den damaligen Gouverneur von New York, später war er wesentlich daran beteiligt, dass Bill Clinton die Präsidentschaftswahlen gewann. Zum Dank holte der ihn in den Inner Circle des West Wing, den Entscheidungsflügel im Weißen Haus. „Wenn Sie nach Clintonismus in einer einzigen Person außer Bill Clinton selbst suchen, dann finden Sie ihn vermutlich bei Gene Sperling“, schrieb ein New York Times-Kritiker. Sperling sei ein unermüdlicher Advokat solider Haushaltspolitik – und ein politischer Streber.

Doch vor allem hat Gene Sperling Erfahrung darin, Interessen auszuloten und knappe Mehrheiten zu nutzen. Unter Clinton half er, eine neue Besteuerung des Erwerbseinkommens bei Niedrigeinkommen durch die damals von Republikanern dominierten Häuser zu manövrieren. Sperling, der zuletzt als Berater Finanzminister Timothy Geithner zur Seite stand, ist ein Macher, der sich bei der Durchsetzung seiner Ideen wenig um Parteizugehörigkeit schert. „Eine wirkliche Suche nach Lösungen lässt sich nicht mit einem Denken in rechts und links oder pro und kontra Globalisierung machen“, kommentierte er sein Vorgehen selbst.

Doch 2008 verfiel er selbst den Verlockungen des großen Geldes und dem Charme der Wall Street. Sperling ließ sich von der Investmentbank Goldman Sachs anheuern und kassierte ein Jahresgehalt von 900000 Dollar dafür, dass er ein karitatives Projekt in Afrika leitete. „Wenn Obama Sperling zum Berater ernennt, zeigt er, dass er der Wall Street viel zu nahe steht“, ereiferte sich deswegen die linke Internet-Zeitung Huffington Post.

Ökonomen werfen ihm vor, die Finanzmärkte unter Clinton von der Leine gelassen und die drohende Immobilienblase nicht rechtzeitig ernst genommen zu haben. Jetzt bekommt er eine zweite Chance.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare