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Im Zweifel für den Profit

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Von: Joachim Wille

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Neben Volkswagen soll mit Bosch eine weitere Ikone der deutschen Industrie in die Abgasaffäre verwickelt sein.
Neben Volkswagen soll mit Bosch eine weitere Ikone der deutschen Industrie in die Abgasaffäre verwickelt sein. © dpa

„Invented for Life“ lautet der Bosch-Slogan. Bei der Entwicklung der Diesel-Abgastechnik scheinen die Stuttgarter das Motto ausgeblendet zu haben. Ein Kommentar.

Lieber Geld verlieren als Vertrauen. So lautete die Losung, die Robert Bosch, Gründer des heutigen Weltkonzerns, für die Führung der Geschäfte ausgab. Derzeit sieht es um das Vertrauen schlecht aus, und das könnte das Stuttgarter Unternehmen am Ende sehr viel Geld kosten. Die neuen Hinweise aus US-Ermittlungsakten, wonach der Konzern direkt in die VW-Abgasaffäre verwickelt ist, sind sehr dicht. So dicht, dass es für ihn schwierig werden dürfte, eine Mitverantwortung für die Manipulationen abzustreiten.

Es träfe nach Volkswagen nun also eine weitere Ikone der deutschen Industrie – und damit einen Traditionskonzern mit 375 000 Mitarbeitern und 70 Milliarden Euro Jahresumsatz, dessen Image bisher fast untadelig schien. Der weltgrößte Autozulieferer, der auch mit Elektrowerkzeugen und Haushaltsgeräten gut im Geschäft ist, hat dieses Position dank hoher Innovationskraft und dem frühzeitigen Erkennen neuer Trends erreicht. Bosch ist beliebt als Arbeitgeber, Bosch gilt als soziales Unternehmen. Auch die Führung galt als integer. Der frühere Konzern-Chef Franz Fehrenbach wurde 2012 in einer Umfrage gar zu Deutschlands beliebtestem „Top-Unternehmer“ erklärt.

„Invented for Life“ lautet der Bosch-Slogan, zu Deutsch: Technik fürs Leben. Bei der Entwicklung der Diesel-Abgastechnik scheinen die Stuttgarter das Motto ausgeblendet zu haben. „Invented for Profit“ muss es heißen, wenn die Vorwürfe sich erhärten. Tatsächlich ist Dieselgate ja kein bloßer Industrieskandal. Es bedeutet einen Anschlag auf die Gesundheit der Mitbürger, wenn Motoren so gesteuert werden, dass sie nur die Luft im Messlabor sauber halten, die Straßenschluchten aber mit giftigen Stickoxiden einnebeln. Und dass die Bundesregierung das in Grundsatz seit Jahren bekannte Problem nicht konsequent angeht, ja nicht einmal nach dem Aufploppen von „Dieselgate“, ist dafür keine Entschuldigung. Sondern macht den Skandal perfekt.

Bosch-Chef Volkmar Denner könnte seine vehemente Verteidigung der Diesel-Technologie noch hart auf die Füße fallen. Im Januar behauptete er: „Es geht nicht um den Diesel, sondern um das Fehlverhalten einer Firma.“ Wobei er natürlich nicht Bosch, sondern VW meinte. Neue Diesel wirkten in Städten wie Luftverbesserer, behauptete er.

Die Luft, die aus dem Auspuff von Diesel-Pkw mit moderner Abgasreinigung herauskomme, sei weit weniger belastet als die Luft, die der Motor vorher angesaugt habe. Angesichts der jüngsten Messdaten, wonach auch Neuwagen im realen Fahrbetrieb Schadstoff-Grenzwerte deutlich überschreiten, klingt Denners Diesel-Eloge reichlich zynisch.

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