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Der „Mercedes C 300 de“ gehört zur neuesten Generation der sogenannten Plug-In-Hybride.

IAA

Zwei Tonnen Mercedes, fast geräuschlos bewegt

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Daimler feiert seinen Plug-In-Hybrid, doch Kritiker bezweifeln den Nutzen für die Umwelt.

Dieser Wagen ist definitiv nichts für Auto-Poser. Springt die Ampel auf Grün, setzt er sich beinahe geräuschlos in Bewegung. Ebenso zurückhaltend schnurrt er mit seinen fast zwei Tonnen Gewicht durch die Stadt. Dank des Elektromotors. Selbst bei einem kurzen Zwischensprint gibt sich das Auto eher zurückhaltend, da röhrt nichts, obwohl die vier Zylinder des Dieselmotors dazu geschaltet werden.

Der „Mercedes C 300 de“ gehört zur neuesten Generation der sogenannten Plug-In-Hybride. Zu seinem Verbrenner kommt ein elektrisches Aggregat, dessen Batterie mittels dickem Kabel aufladen werden kann. Auf der IAA fährt nicht nur Daimler eine ganze Flottille von Plug-Ins auf.

Eine Testfahrt mit dem C 300 de zeigt: Rund 50 Kilometer hält der Wagen rein elektrisch durch, wenn es darauf ankommt. Er kann aber auch nahtlos von E- auf Dieselantrieb hin- und hergeschalten, und beide Motoren zusammen können für heftigen Vortrieb sorgen. Das maximale Drehmoment liegt bei 700 Newtonmeter. Doch derartige Pkw spielen auf dem Automarkt bislang nur eine sehr bescheidende Nebenrolle. In den ersten acht Monaten dieses Jahres kamen laut Kraftfahrtbundesamt gerade einmal 22 915 Exemplare auf die Straßen, das entspricht einem Marktanteil von einem Prozent. Aber da soll sich im nächsten Jahr nach Einschätzung vieler Experten schlagartig einiges ändern. Die Brüsseler Denkfabrik Transport & Environment (T&E) hat die Ankündigungen und Pläne der in der EU aktiven Autobauer ausgewertet. Das Ergebnis der Studie: Derzeit sind 55 verschiedene Modelle auf dem Markt. Ihre Zahl soll sich 2020 auf 100 fast verdoppeln. Der Kunde werde 2025 sogar die Auswahl aus mehr als 140 verschiedenen Modellen haben. 1,8 Millionen Autos würden dann mit dem Doppelantrieb und der Steckdose in Europa produziert.

Auffälligstes Merkmal der Plug-Ins ist ihr geringer Normverbrauch. Für den C300 de zum Beispiel gibt Mercedes 1,6 bis 1,4 Liter Diesel an. Das entspricht einem CO2-Ausstoß von 42 bis 38 Gramm pro Kilometer. Zum Vergleich: Der C 300 d kommt mit seinem konventionellen Antrieb auf offiziell 142 bis 129 Gramm.

Doch wie ist das mit der Plug-In-Funktion? Wer nicht in der eigenen Garage oder am Arbeitsplatz Strom tanken kann, muss sich eine öffentliche Ladestation suchen. Das ist nicht einfach. Fünf Anläufe in der Frankfurter Innenstadt scheiterten im Versuch. Entweder die Ladesäulen waren belegt oder durch einer Verbrenner blockiert oder außer Betrieb. Die Folge: Ohne Stromzufuhr von außen wird der Ladezustand des Akkus im C300 de auf einem Minimal-Niveau gehalten.

VCD sieht „Mogelpackung“

Der Verbrenner übernimmt einen Großteil der Arbeit. Bei einer Fahrt von Frankfurt nach Hamburg und zurück ergab sich dadurch ein Verbrauch laut Bordcomputer von knapp sechs Liter Diesel. Daimler teilte dazu mit: „Je kürzer die Fahrtstrecke bis zum erneuten Aufladen ist, desto höher fallen der relative rein-elektrische Anteil und damit der Verbrauchsvorteil aus.“

Der alternative Verkehrsclub VCD warnt indes vor der Plug-In-Technologie: Sie sei „kein Teil der Lösung, sondern eine Mogelpackung“, so Michael Müller-Görnert, der verkehrspolitische Sprecher des Clubs. Er bezeichnet die Autos als „reine Energiefresser“. Umweltschützer kritisieren überdies, dass die Fahrzeuge durch ihr hohes Gewicht auffallen – der C300 de ist rund 300 Kilo schwerer als der C300 d. Bei Wagen mit großen Batterien kommt hinzu, dass für deren Herstellung schon große Mengen Energie benötigt werden. Ferner hat unter anderem Christian Hochfeld, Direktor der Denkfabrik Agora Energiewende, darauf hingewiesen, dass die Fahrer womöglich auf das externe Laden aus freien Stücken verzichten werden, weil es schlicht zu mühsam sei.

Dass Plug-Ins der gehobenen Kategorie mutmaßlich Dienstwagen sein werden, begünstigt dieses Verhalten noch. Denn die Spritrechnung spielt dann häufig für die Fahrer keine Rolle, da sie auch den Kraftstoff vom Arbeitgeber bezahlt bekommen.

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