+
Gut integrierbare Zuwanderer zieht es oft in die Städte, die ohnehin prosperieren.

Bevölkerung

Zuwanderung vergrößert das Gefälle in Deutschland

  • schließen

Migranten ziehen am liebsten in die Wirtschaftszentren, so eine Studie. Das verleiht diesen zusätzlichen Schwung.

Die großen Wohlstandsunterschiede in Deutschland werden durch Zuwanderung noch verschärft. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, die dem Redaktionsnetzwerk Deutschland vorliegt.

Demnach haben ländliche Regionen, die unter Überalterung und Abwanderung leiden, in den Jahren von 2013 bis 2017 nicht ausreichend Zuwanderer hinzugewinnen können, um ihre Bevölkerungsentwicklung zu stabilisieren. Dies gelte vor allem für besonders vom demografischen Wandel betroffene Gebiete in Ostdeutschland und Nordbayern.

„Gleichzeitig kommen in die demografiestärkeren, wirtschaftsschwachen Regionen besonders viele Zuwanderer, die sich am deutschen Arbeitsmarkt sehr schwertun und vergleichsweise große Unterstützungsbedarfe haben“, schreiben die Autoren. So ließen sich in den wirtschaftsschwachen Städten Nord- und Westdeutschlands relativ viele Geflüchtete nieder.

Generell gilt: Gut in den Arbeitsmarkt integrierbare Zuwanderer, die „wichtige Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung im Land geben könnten“, ziehen am liebsten in jene Regionen, deren Bevölkerung und Wirtschaft ohnehin prosperieren, heißt es in der Untersuchung. So hätten vor allem die größeren Städte und die wirtschaftlich besonders erfolgreichen Regionen in Süddeutschland durch die Zuwanderung von Ausländern an Bevölkerung und Wirtschaftskraft hinzugewonnen.

Zwar könne Zuwanderung einen „zentralen Beitrag“ dazu leisten, die negativen Folgen des demografischen Wandels zu korrigieren; die Autoren begründen dies mit dem vergleichsweise niedrigen Altersdurchschnitt von Migranten. Dafür aber müssten gut ausgebildete, leicht in den Arbeitsmarkt zu integrierende Migranten und wirtschaftsschwächere Regionen häufiger zueinanderfinden, als sie es bisher tun.

Gemeinsam suchen

Um mehr qualifizierte Zuwanderer in strukturschwächeren Regionen anzusiedeln, empfehlen die Forscher des Instituts der Deutschen Wirtschaft deren Vertretern, ihre Regionen im Ausland stärker als bisher zu vermarkten, dabei gezielt zuwanderungsinteressierte Fachkräfte anzusprechen und die Anstrengungen zu bündeln. So müssten Unternehmen nicht allein auf die Suche nach Fachkräften gehen, sondern könnten mithilfe von Verbänden und Wirtschaftsfördergesellschaften gemeinsam auf Jobbörsen in den Herkunftsländern auftreten.

Zur Entlastung schwacher Regionen müssten Bund und Kommunen dafür sorgen, dass sich Zuwanderer mit großem Integrationsbedarf entweder verstärkt in wirtschaftsstarken Gebieten ansiedeln oder zumindest gleichmäßiger auf die Regionen verteilt würden, rät das IW.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare