Scout 24

Zurück in die Zukunft

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Warum kaufen Finanzinvestoren eine Firma zurück, die sie erst 2015 an die Börse gebracht haben?

Wer in Deutschland eine Wohnung oder ein Auto sucht, dem sind die Online-Portale von Scout24 ein Begriff. Noch genauer kennen die Finanzinvestoren Hellman & Friedman sowie Blackstone den Münchner Mittelständler, der im heimischen Börsensegment M-Dax notiert, schließlich hat das Duo ihn vor drei Jahren für damals 30 Euro je Aktie an den Kapitalmarkt gebracht. Erst voriges Jahr wurden letzte Aktienpakete abgestoßen. Nun geht es zurück in die Zukunft. Die beiden Finanzinvestoren wollen Scout24 mindestens zur Hälfte wieder von der Börse zurückkaufen für 46 Euro je Aktie. Scout24-Chef Tobias Hartmann findet das gut. Denn mit Hilfe der Investoren will er ein größeres Rad drehen und EU-weit den Online-Anzeigenmarkt konsolidieren. Die Münchner schielen auf Ebay-Kleinanzeigen.

Kartellrechtlich heikel ist das, weil das in Deutschland marktführende Auto-Verkaufsportal mobile.de eine 100-prozentige Tochter von Ebay Kleinanzeigen ist. Nummer zwei dieser Digitalbranche ist Scout24, womit die beiden Marktführer unter ein Dach kämen. Ganz aussichtslos ist das Vorhaben gleichwohl nicht. Der Markt hat sich in den vergangenen Jahren stark aufgesplittet. Neue Wettbewerber wie Heyca, Carwow oder Auto1 sind hinzugekommen. Andererseits ist es im Online-Geschäft schwierig, eine einmal etablierte Nummer eins oder zwei anzugreifen.

Einen Strich durch die Rechnung machen könnte neben dem Kartellamt auch das Verlagshaus Axel Springer. Dem seinerseits immer mehr ins Digitale drängenden Medienhaus wird ebenfalls ein Interesse an Ebay Kleinanzeigen nachgesagt.

Die Übernahme von Scout24 durch die Finanzinvestoren ist die Voraussetzung dafür, dass eine aggressive Zukaufsstrategie funktionieren wird. Doch beide Seiten, sowohl die Investoren als auch die Führung von Scout24 lassen keinen Zweifel daran, dass das klappen wird. Manager und Investoren haben zusammen offenbar einiges vor. Ebay Kleinanzeigen soll nicht der einzige denkbare Zukauf sein. Als Übernahmekandidat gilt auch Online-Kreditvermittler Smava.

Schon jetzt wird Scout24 auf Basis des Übernahmeangebots mit 5,7 Milliarden Euro bewertet. Kommen die Investoren zum Zug, wäre es die größte Übernahme eines deutschen Unternehmens durch einen solchen Käufer noch vor der des hessischen Arzneimittelkonzerns Stada, die gut fünf Milliarden Euro teuer war. Die für Scout24 gebotenen 46 Euro je Aktie bedeuten einen Aufschlag von rund einem Viertel auf die Kurse vor der Offerte. Entsprechend viele Aktionäre dürften verkaufen, falls sie nicht noch auf höhere Kurse durch Zukäufe im großen Stil spekulieren.

Am Ende könnte Scout24 wieder von der Börse verschwinden, jedenfalls bis zu einem potenziell zweiten Börsengang. Vor dem ersten waren die Investoren, die Scout24 Anfang 2014 der Telekom-Schwester T-Online abgekauft hatten, drei Jahre lang als Eigner an Bord.

Scout24 ist nicht das einzige M-Dax-Unternehmen, das vor einer Übernahme von Finanzinvestoren steht. Auch den von Siemens abgespaltenen Lichtkonzern Osram erwartet ein solches Schicksal. Während zumindest das Scout24-Management das begrüßt, ist die Frage, was es für Personal und Verschuldung bedeutet. Finanzinvestoren bürden den Kaufpreis gern übernommenen Unternehmen auf.

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