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Die Beiträge zur Krankenkasse werden künftig wieder zu gleichen Teilen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer getragen.

Krankenkasse

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    Rasmus Buchsteiner
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Gute Nachrichten für Millionen Krankenkassenmitglieder: Sie werden 2019 entlastet.

Gut 73 Millionen gesetzlich Krankenversicherte gibt es in Deutschland. Rund 57 Millionen davon zahlen Beiträge. Für sie beginnt das neue Jahr mit einer positiven Botschaft: Sie werden vom 1. Januar an deutlich entlastet. Zum einen kann eine Vielzahl der Kassen dank der weiterhin guten Konjunkturlage den Zusatzbeitrag senken.

Aber selbst bei den Krankenkassen, die die Beiträge stabil halten oder sogar anheben, kommt es unterm Strich zu einer Entlastung. Denn zum 1. Januar 2019 greift der Beschluss der großen Koalition, wonach sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer künftig den gesamten Beitragssatz wieder teilen. Unternehmen zahlen mehr, die Beschäftigten weniger.

Nach einer Erhebung des Vergleichsportals krankenkassen.net senken fast 40 der insgesamt 109 Kassen zum 1. Januar ihren Zusatzbeitrag. Davon profitieren den Berechnungen zufolge knapp 22 Millionen zahlende Mitglieder. Etwa 50 Kassen halten den Satz stabil, weniger als zehn werden ihren Beitrag anheben. Von einer Erhöhung sind aber lediglich knapp 70 000 Versicherte betroffen.

„Es ist ein gutes Signal, dass die Solidargemeinschaft der 73 Millionen gesetzlich Krankenversicherten auf einem soliden finanziellen Fundament steht“, sagte die Chefin des Spitzenverbandes der Krankenkassen, Doris Pfeiffer auf Anfrage. Stand Ende September verfügten die Kassen über Rücklagen von insgesamt 21 Milliarden Euro.

Der gesamte Beitragssatz einer Krankenkasse setzt sich zusammen aus dem gesetzlich festgelegten allgemeinen Beitrag von 14,6 Prozent und einem von Kasse zu Kasse unterschiedlichen, variablen Zusatzbeitrag. Die preiswerteste, bundesweit geöffnete Kasse ist vom 1. Januar an die hkk. Sie senkt ihren Zusatzbeitrag von 0,59 auf 0,39 Prozent. Der Beitragssatz beträgt damit insgesamt 14,99 Prozent. Die teuersten bundesweit offenen Kassen sind die DAK und die KKH mit einem unveränderten Zusatzbeitrag von 1,5 Prozent, wodurch sich ein Beitragssatz von 16,1 Prozent ergibt.

Während der Zusatzbeitrag bisher allein von den Beschäftigten und Rentnern gezahlt werden musste, wird er vom 1. Januar an wieder zur Hälfte von Arbeitgebern beziehungsweise der Rentenversicherung übernommen. Das ergibt unterm Strich eine zusätzliche Entlastung der Versicherten um fast sieben Milliarden Euro. Die Wiederherstellung der sogenannten Parität, die bis Juli 2005 bestanden hatte, hatte die SPD im Koalitionsvertrag mit der Union durchgesetzt.

Ein konkretes Beispiel: Ein Versicherter bei der größten deutschen Krankenkasse, der Techniker Krankenkasse, mit einem Monatseinkommen von brutto 3000 Euro zahlt bisher einen Beitrag von 8,2 Prozent (die Hälfte von 14,6 Prozent plus 0,9 Prozent Zusatzbeitrag). Das ergibt 246 Euro. Künftig beträgt der Satz nur noch 7,65 Prozent (die Hälfte von 14,6 Prozent plus die Hälfte des auf 0,7 Prozent gesenkten Zusatzbeitrags). Somit muss nur noch ein Monatsbeitrag von 229,50 Euro gezahlt werden. Das ist eine Ersparnis von 16,50 Euro monatlich oder 198 Euro im Jahr.

Um es allerdings noch komplizierter zu machen: Bei höheren Einkommen wird die Ersparnis etwas geschmälert. Denn gleichzeitig steigt zum Jahresanfang die sogenannte Beitragsbemessungsgrenze. Dieser Wert bezeichnet den Gehaltsbestandteil, auf den der Beitragssatz gezahlt werden muss. Er wächst in der Krankenversicherung am 1. Januar von 4425 auf 4537,50 Euro monatlich.

Damit nicht genug: Gleichzeitig steigt zum Jahresanfang auch der Beitragssatz in der Pflegeversicherung um 0,5 Prozent. Dann beträgt der Satz, den sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer außer in Sachsen teilen, 3,05 Prozent. Kinderlose müssen 3,3 Prozent zahlen. Da allerdings gleichzeitig der Satz in der Arbeitslosenversicherung um 0,5 auf 2,5 Prozent sinkt, heben sich diese beiden Änderungen gegenseitig auf. Auf dem Lohnzettel wirkt sich bei den allermeisten allein die Senkung der Kassenbeiträge aus.

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