Illegale Deponie: Haumüll und Plastik mischen sich.
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Illegale Deponie: Haumüll und Plastik mischen sich.

Plastikmüll

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  • Frank-Thomas Wenzel
    vonFrank-Thomas Wenzel
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Malaysia versucht eine Schattenseite der Globalisierung in den Griff zu bekommen und schickt illegal importierten Plastikmüll retour.

Die malaysische Regierung kämpft verbissen gegen den Import von ungewolltem Plastikmüll. Gerade wurden mehr als 4000 Tonnen in Industriestaaten zurückgeschickt. Weitere Retouren stehen an. Wir erläutern, was beim Recycling von Kunststoff schiefläuft.

Woher stammt der Plastikabfall?

Nach Angaben der Regierung wurden von insgesamt 150 Containern 43 nach Frankreich und 42 nach Großbritannien zurückgeschickt. USA, Kanada, Spanien, Portugal oder Litauen sind weitere Empfängerstaaten. Der Abfall war in den vergangenen gut drei Monaten ins Land gelangt. Es dürfte sich um Kunststoffmüll minderer Güte handeln, der für illegale Recyclingfirmen bestimmt war. Die Kosten für die Rücktransporte werden von den Importeuren und den Frachtunternehmen getragen. Deutsche Firmen sind nicht betroffen. Malaysias Umweltministerin kündigte an, dass bis Mitte 2020 weitere 110 Container in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt werden.

Wie ist der illegale Handel mit dem Müll möglich?

Vor allem wegen mangelnder Transparenz und Kontrollen sowohl in den Ausfuhr- als auch in den Einfuhrländern. Ferner ist der Transport per Schiff billig. Hinzu kommt, dass es eine riesige Grauzone gibt: Malaysia spielt im globalen Geschäft mit Plastikabfällen eine wichtige Rolle. Bestimmte Stoffe werden, wenn sie sortenrein und sauber sind, für mehrere hundert Dollar pro Tonne gehandelt – der bekannteste ist PET, aus dem unter anderem Getränkeflaschen gemacht werden. Doch es ist auch viel gemischtes und verunreinigtes Plastik im Umlauf, das mit großem Aufwand recycelt werden muss. Selbst das vorschriftsmäßige thermische Verwerten in Müllverbrennungsanlagen ist teuer. Deshalb suchen Entsorger billige Wege, um die Reststoffe loszuwerden.

Warum landet der Kunststoff ausgerechnet in Malaysia?

Jahrelang importierte China große Mengen. Das wurde vor zwei Jahren von der dortigen Regierung gestoppt, weil es für sie mittlerweile schwer genug ist, den eigenen Plastikmüll zu entsorgen. Die Ströme des Abfalls haben sich seither unter anderem nach Indonesien, Hongkong und Malaysia verschoben. Häufig legt der Müll weite Wege über mehrere Staaten zurück. In den Importländern gibt es eine große Zahl nicht genehmigter Recyclinganlagen. Diese sortieren häufig den verkäuflichen Sekundärrohstoff heraus und verbrennen den Rest unter unzulänglichen Bedingungen, in vielen Fällen landet er auch auf nicht genehmigten Deponien.

Exportiert auch Deutschland Plastikabfall nach Malaysia?

Ja. Die Mengen sind zuletzt sogar stark gestiegen. Laut Statistischem Bundesamt wurden in den ersten neun Monaten 2019 „Direktausfuhren“ von 135 000 Tonnen gezählt, das entspricht einer Steigerung um 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wobei noch Müll in unbekannter Menge hinzukommt, der über Umwege in das Land gelangt. Insgesamt führten deutsche Firmen in den drei Quartalen 784 000 Tonnen „Altkunststoffe“ aus – mit einem Wert von fast 240 Millionen Euro. Wobei der allergrößte Teil tatsächlich legal wiederverwertet wird. Der Naturschutzbund schätzt, dass überdies jährlich etwa 4000 Tonnen Reststoffe aus gelben Säcken in Malaysia landen. Zugleich wurden von Januar bis September 2019 356 000 Tonnen Plastikabfall im Wert von 108 Millionen Euro eingeführt. Dieser wurde entweder recycelt oder verbrannt oder weitertransportiert.

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