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Zunehmende Verwüstung

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Von: Joachim Wille

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Bauern pflanzen in der Taxkorgan-Wüste im Westen der chinesischen Provinz Xinjiang Bäume.
Bauern pflanzen in der Taxkorgan-Wüste im Westen der chinesischen Provinz Xinjiang Bäume. © AFP

Weltweit sind bereits 40 Prozent der Böden geschädigt. Ein UN-Report warnt vor dem weiteren Verlust fruchtbarer Flächen.

Die Böden der Erde sind gewaltig unter Druck. Rund 70 Prozent der Landfläche weltweit sind vom Menschen verändert worden, und bereits etwa 40 Prozent sind geschädigt und daher nicht mehr so fruchtbar wie ursprünglich. Das zeigt ein am Mittwoch veröffentlichter UN-Report. Darin wird empfohlen, ein Drittel der Landfläche wieder in Stand zu setzen, um Ernährungssicherung, Biodiversität und Klimaschutz zu verbessern. Dies sei zwar kostspielig, bringe unter dem Strich aber großen Nutzen.

Unter dem Dach der UN gibt es drei Umwelt-Konventionen, die 1992 auf dem Erdgipfel in Rio de Janeiro abgeschlossen wurden – die bekannteste zum Klima, eine weitere zum Artenschutz und die dritte zur „Bekämpfung der Wüstenbildung“ (UNCCD). Das Sekretariat von letzterer, in Bonn angesiedelt, hat nun die zweite Ausgabe ihres grundlegenden Berichts zur Situation der Böden vorgelegt, den „Global Land Outlook 2“.

Die Lage ist danach dramatisch. Vom Problem der Landdegradierung ist inzwischen bereits die Hälfte der Weltbevölkerung betroffen, vor allem in Entwicklungsländern, heißt es im Report. Hauptursache für den schlechten Zustand der Böden seien nicht-nachhaltige Praktiken in der Landwirtschaft. UNCCD-Chef Ibrahim Thiaw: „Wir müssen dringend unsere globalen Lebensmittelsysteme überdenken, die für 80 Prozent der Entwaldung und 70 Prozent des Süßwasserverbrauchs verantwortlich sind und die größte Ursache für den Verlust der biologischen Vielfalt auf dem Land darstellen.“

Böden: Bis 2050 könnte eine Fläche von der Größe Südamerikas geschädigt werden

Ändert sich an den bisherigen Praktiken nichts, wird die Boden-Belastungen laut dem Report deutlich zunehmen. Dann würden bis zum Jahr 2050 weitere zwölf Prozent der Böden geschädigt, was der Fläche von Südamerika entspricht. Auch die Klimaerhitzung würde so weiter angeheizt, denn zusätzliche 253 Milliarden Tonnen CO2 würden in die Atmosphäre gelangen – durch einen Verlust an Kohlenstoff, der bislang noch im Boden gespeichert ist, sowie die Rodung von Wäldern und die Trockenlegung von Feuchtgebieten. Das entspricht in etwa den aktuellen globalen Emissionen von fünf Jahren. Fazit: „Ein Weiter-so ist kein gangbarer Weg für unser weiteres Überleben und unseren Wohlstand.“

Der Report beschreibt zwei Szenarien, in denen die Bodensituation gezielt verbessert wird. In der ersten Alternative („Wiederherstellung“) werden die Böden auf 35 Prozent der Landfläche der Erde, rund 50 Millionen Quadratkilometer, wieder in Stand gesetzt – unter anderem durch Maßnahmen gegen die Bodenerosion, einen Verzicht aufs Pflügen und ein besseres Weidemanagement. Bisher haben die Regierungen weltweit Pläne zur Bodensanierung für rund zehn Millionen Hektar, wobei mit Kosten von 160 Milliarden Dollar pro Jahr gerechnet wird. Diese Anstrengungen müssten also verfünffacht werden.

Positive Folge wäre, dass sich die Fruchtbarkeit der Böden in den meisten Entwicklungsländern um fünf bis zehn Prozent verbessern würde. Am meisten profitieren würden der Nahe Osten, Nordafrika, afrikanische Länder südlich der Sahara und Lateinamerika. Dies könne helfen, den erwarteten Anstieg der Lebensmittelpreise zu begrenzen. Weiterer Vorteil fürs Klima: Die Bodennutzung würde helfen, überschüssiges CO2 aus der Atmosphäre zu entfernen. Zwar würde in diesem Szenario die globale Waldfläche weiter zurückgehen, doch in den Böden und in der übrigen Vegetation würden bis 2050 rund 17 Milliarden Tonnen Kohlenstoff zusätzlich gespeichert. Die Artenvielfalt würde aber weiter zurückgehen, vor allem wegen der Ausdehnung von Ballungsgebieten und der Ausweitung von Äckern.

Böden: Vier Millionen Quadratkilometer unter Schutz stellen

Im zweiten Alternativszenario („Wiederherstellung und Schutz“) wird versucht, dieses Problem zu lösen. Dazu werden zusätzliche vier Millionen Quadratkilometer unter Schutz gestellt, eine Fläche so groß wie Indien und Pakistan zusammen. Es handelt sich dabei um Regionen mit besonders großer Biodiversität und Gebiete, die besonders wichtig für die Wasserregulierung und weitere „Ökosystem-Dienstleistungen“ sind.

Problem hierbei: Da in diesen Regionen keine oder weniger Landwirtschaft mehr betrieben würde, müssten die Erträge auf den restlichen Agrarflächen um fast zehn Prozent gesteigert werden. Zudem würden die Nahrungsmittel teurer. Der Artenschwund könnte mit diesen Maßnahmen stärker gebremst werden, nämlich um ein Drittel, ein kompletter Stopp aber wäre auch damit nicht möglich.

Eindeutig positiv hingegen wären die Folgen fürs Weltklima. Gegenüber dem Weiter-So-Szenario würden 83 Gigatonnen zusätzlicher Kohlenstoff gespeichert. Die UNCCD-Autor:innen argumentieren, dass der Bodenschutz unter dem Strich auch ökonomisch ein gutes Geschäft wäre. Pro investierten Dollar werde ein Nutzen von sieben bis 30 Dollar erzielt.

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