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Die Zukunft des Sex

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Was sich bei der Technik für die Intimzone tut.

Fast jeder ist fast überall online – im Büro, auf der Couch oder in der Sporthalle. Auch die Liebe ist vom digitalen Umbruch nicht verschont geblieben: Man lernt sich über Dating-Apps kennen, schickt sich Liebesgrüße via Whatsapp und dokumentiert das Liebesglück auf Instagram.

Die Digitalisierung von Sex spielt dagegen in der öffentlichen Wahrnehmung bislang kaum eine Rolle. Doch Bryony Cole ist sich sicher, dass genau das der nächste Schritt ist, die Verzahnung von Sex, Intimität und Technologie. Die Amerikanerin ist Chefin des Unternehmens Future of Sex.

Sex-Tech sei mehr als bloß eine fantastische Idee, sagt Cole auf der Me Convention in Frankfurt. „Es geht um alles: sexuelle Identität, Gesundheit, aber auch Missbrauch.“ Neue Technologien seien eine große Chance, das zu verbessern, was manchmal schlecht laufe. Ein Beispiel, wie Sex-Tech neue Wege von Intimität schaffe, sei etwa Kissinger. Die App will Küssen via Smartphone möglich machen. Dabei wird ein Aufsatz auf das Smartphone gesetzt. Darin sind Sensoren, die Berührungen wahrnehmen und an den Empfänger eins zu eins weitergeben. Man muss zum Küssen also nicht mehr im selben Raum sein.

Viele Firmen haben sich dem Schutz von Frauen verschrieben. In den überfüllten U-Bahnen Japans nutzen Männer immer wieder die Enge aus, um Frauen zu begrapschen. Hunderttausende Mal luden japanische Frauen deshalb die App Diggi Police auf ihre Smartphones. Werden sie betatscht, können sie einen Alarmton aktivieren, auf dem Display erscheint ein Hilferuf, den die Frauen herumzeigen können.

In Südafrika gibt es wiederum schon seit fast zehn Jahren ein Antivergewaltigungskondom. Rapeaxe wird wie ein Tampon eingeführt. Wird ein Mann übergriffig, bohren sich kleine Widerhaken in dessen Penis, die nur ein Arzt lösen kann, der es dann der Polizei meldet. „Ich war geschockt, als ich davon erfahren habe“, sagt Cole. Aber Sex-Tech biete faszinierende Wege, auch Probleme mit sexueller Gewalt zu lösen.

Ein Konzept lehnt Cole aber rigoros ab: Apps, mit denen sich Menschen vor dem Geschlechtsverkehr ihr Einverständnis versichern. „Das funktioniert nicht“, sagt Cole. Sex sei schließlich ein Prozess, das O.K. müsse immer wieder neu gegeben werden. Ein Ja zu allem sei Unsinn.

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