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Zukunft von E-Plus unsicherer denn je

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Von: Frank-Thomas Wenzel

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Der Mutterkonzern von E-Plus will seine Tochter an den O2-Konzern Telefónica verkaufen.
Der Mutterkonzern von E-Plus will seine Tochter an den O2-Konzern Telefónica verkaufen. © dpa

Wie es mit E-Plus weitergeht, lässt sich kaum vorhersagen. Ob die niederländische Mutter KPN den Mobilfunkanbieter wie geplant verkaufen kann, hängt nicht nur von der Zustimmung des Kartellamtes ab. Maßgeblich für das E-Plus-Schicksal ist auch der reichste Mann der Welt, Carlos Slim.

Was wird bloß aus E-Plus? Die Zukunft der Nummer drei im hiesigen Mobilfunkmarkt ist unsicherer denn je. Maßgeblich für das Schicksal der Firma, die mit Kampfpreisen die Branche aufgemischt hat, sind zwei höchst unterschiedliche Personen: Carlos Slim, reichster Mensch der Welt, und Andreas Mundt, Chef des Kartellamts.

Die niederländische Mutter KPN will E-Plus an Konkurrenten Telefónica verkaufen, zu dem auch O2 gehört. Am Mittwoch kündigte KPN an, die Aktionärsversammlung, die die Transaktion billigen soll, am 2. Oktober zu veranstalten. Jetzt kommt Slim ins Spiel: Er hält knapp 30 Prozent an KPN und hat angekündigt, KPN für sieben Milliarden Euro komplett übernehmen zu wollen. Am Mittwoch teilte er mit, er habe das Geld zusammen. Dem mexikanischen Milliardär, der als trickreich gilt, wurde bislang nachgesagt, Gegner des E-Plus-Deals zu sein.

Doch nun wird’s eng. Denn KPN kündigte auch an, dass auf der Aktionärsversammlung nur die Aktien stimmberechtigt sind, die bis 4. September erworben werden. Slim hätte also nur noch zwei Wochen Zeit, um KPN zu übernehmen. Insider halten dies für nicht machbar. Aber wenn es Slim primär gar nicht darum geht, den E-Plus-Verkauf zu verhindern? Torsten Gerpott, Telekommunikationswissenschaftler der Uni Duisburg-Essen, sagt, Slim ziele „offenbar darauf ab, KPN zu einem niedrigen Preis zu übernehmen, um das Unternehmen später gewinnbringend zu verkaufen.“ Die Aktie gilt als unterbewertet, sie notierte vor einem Jahr bei knapp fünf Euro. Am Mittwoch kostete sie 2,26 Euro.

Kartellamt will E-Plus-Übernahme "genau prüfen"

Einiges deutet also darauf hin, dass es unter den KPN-Aktionären ein Mehrheit für den E-Plus-Verkauf geben wird. Damit ist die Verschmelzung mit O2 noch nicht sicher. Denn dann würde die Zahl der Mobilfunknetzbetreiber auf drei schrumpfen. Branchenkenner und Wettbewerbshüter sind sich einig, dass dies massiv den Markt verändern würde. E-Plus hat stark dazu beitragen, dass die Preise sinken. Ohne den Billiganbieter dürfte es dem Trio leichter fallen, Preissenkungen zumindest zu bremsen.

Auch Gerpott rechnet mit „nachlassender Wettbewerbsintensität“. Mundt warnte, die Übernahme werde „genau geprüft“. Er könnte die Fusion mit Auflagen genehmigen. Dann müssten O2/E-Plus wohl Funkfrequenzen abgeben. Die können dann aber nur an Telekom und Vodafone fallen. Für den Wettbewerb würde das nichts bringen. Gut möglich also, dass das Kartellamt die Übernahme sowieso verbietet. Carlo Slim würde es freuen.

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