Das Europäisches Patentamt in München registriert einen deutlichen Anstieg von Anmeldungen aus China. 
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Das Europäisches Patentamt in München registriert einen deutlichen Anstieg von Anmeldungen aus China. 

Patente

Zukunft nur mit Anmeldung

  • Thomas Magenheim-Hörmann
    vonThomas Magenheim-Hörmann
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Immer mehr Patentanmeldungen kommen aus China. Hat das Land bald alle Konkurrenten in Sachen Innovation überholt? Die Analyse.

Wenn Patente ein Spiegel für künftige Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit von Volkswirtschaften sind, drohen Europa und Deutschland anspruchsvolle Zeiten. Das legen aktuelle Statistiken des Europäischen Patentamts in München nahe. Denn im Patentindex der Behörde sorgt vor allem China 2019 für Furore. Um bemerkenswerte fast 30 Prozent auf über 12.000 Schutzrechtsersuchen haben Patentanmeldungen aus dem Reich der Mitte voriges Jahr zugelegt. Damit ist China hinter dem Spitzentrio USA, Deutschland und Japan nun auf Platz vier und hat Frankreich auf Rang fünf verdrängt. Auf Firmenebene bahnt sich eine Wachablösung zu Lasten des deutschen Konzerns Siemens an.

Denn 2018 waren die Bayern noch Patentweltmeister. Ein Jahr später finden sie sich mit 2619 Patentanmeldungen nur noch auf Rang fünf der Unternehmensrangliste des Europäischen Patentamts wieder. Zwar hat der Münchner Technologiekonzern 2019 gut 100 Patentersuchen mehr eingereicht. Aber der US-Konzern United Technologies und die beiden südkoreanischen Ideenschmieden LG sowie Samsung sind vorbeigezogen - der chinesische Konzern Huawei ist mit über 3500 Anmeldungen sogar vorbeigestürmt.

Besonderen bedeutsam ist dabei, dass sich der chinesische Vormarsch auf ausgesprochene Zukunftstechnologien konzentriert. So sind Anmeldungen aus China im Bereich digitale Kommunikation, dem mittlerweile wichtigsten Anmeldegebiet überhaupt, binnen Jahresfrist um zwei Drittel geradezu explodiert. Dabei fokussiert sich vieles auf Erfindungen rund um den neuen Mobilfunkstandard 5G. Ein Viertel aller Anmeldungen für Digitalpatente entfällt mittlerweile auf China, was technologische Abhängigkeiten signalisiert.

„Das schnelle Wachstum der Patentanmeldungen für digitale Technologien ist in unserem Patentindex 2019 der herausragende Trend“, sagt Amtschef Antonio Campinos. Das spiegele die digitale Transformation der Wirtschaften in aller Welt wider. Bei Computertechnologie als zweitem Treiber steigender Anmeldezahlen mit Anwendungen für künstliche Intelligenz im Zentrum, dominieren US-Konzerne wie Google und Microsoft vor asiatischen Konzernen. Deutschland und Europa findet sich dort nicht auf Spitzenplätzen. Domäne europäischer Anmelder bleibt der Transportbereich rund um den Automobilsektor.

Insgesamt stiegen damit die Anmeldungen beim Europäischen Patentamt 2019 um vier Prozent auf gut 181 000, was vor allem auf China und Südkorea zurückgeht. Überdurchschnittliches Wachstum von 5,5 Prozent auf über 46 000 Anmeldungen verzeichnet die Patentnation Nummer eins USA. Deutschland als Nummer zwei hat es nur auf ein halbes Prozent mehr Anmeldungen und knapp 27.000 Anträge gebracht. Anmeldungen aus Japan waren sogar um gut zwei Prozent auf noch rund 22.000 Ersuchen rückläufig. Danach kommt schon China und ist dabei, die Lücke mit Riesenschritten zu schließen. Binnen zehn Jahren haben sich Patentanmeldungen von dort versechsfacht, Tendenz zunehmend.

Nun sind die Anmeldungen noch keine erteilten Patente. Bis klar ist, ob eine Erfindung sich als schützenswert erweist, vergehen rund drei bis vier Jahre. Wie es aussieht sind chinesische Anmeldungen aber werthaltig. Sie seien nicht schlechter, als die anderer großer Anmeldenationen, sagen Experten des Amts.

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