Digitalisierung

Zukunft aktiv mitgestalten

  • schließen

IG Metall fordert mehr Mitbestimmungsrechte im Maschinenbau.

Die IG Metall fordert mit Blick auf die Digitalisierung erweiterte Mitbestimmungsrechte für Betriebsräte im Maschinenbau. „Bisher hat der Betriebsrat weder Einfluss auf die Frage, welche Produkte hergestellt werden, noch auf Entscheidungen, wo Digitalisierung im Unternehmen eingesetzt wird. Das wollen wir ändern“, sagte IG-Metall-Vorstandsmitglied Wolfgang Lemb zu Beginn einer zweitägigen Maschinenbaukonferenz in Berlin. An Bundesregierung und Bundestag appellierte Lemb, die gesetzlichen Grundlagen für erweiterte Beteiligungsrechte der Beschäftigten zu schaffen. Die schwarz-rote Koalition müsse nun „zügig vom Ankündigungs- in den Handlungsmodus umschalten“ und endlich eine industriepolitische Strategie für das kommende Jahrzehnt vorlegen.

Anders als andere Branchen ist der Maschinenbau laut Lemb in zweifacher Hinsicht von der Digitalisierung betroffen: Als Hersteller innovativer Produkte seien die Unternehmen Treiber der Digitalisierung, auf betrieblicher Ebene häufig eher Getriebene. In beiden Bereichen müsse es mehr Mitbestimmung für die Belegschaften geben, um Fragen der Arbeitsplatzsicherheit ein größeres Gewicht zu verleihen und innerbetriebliche Qualifizierungsanstrengungen zu stärken. 

Als Beispiel nannte Lemb den von Siemens angekündigten Abbau von 2900 Stellen an deutschen Standorten. Alternative, betriebswirtschaftlich machbare Konzepte seitens der IG Metall und des Siemens-Betriebsrats habe die Konzernführung wegen fehlender Mitbestimmungsrechte ignorieren können. 

Doch nicht allein in großen, gerade auch bei mittleren und kleinen Maschinenbauern müsse die Mitbestimmung gestärkt werden. Lemb regte an, auch für Unternehmen mit weniger als 200 Beschäftigten freigestellte Betriebsräte einzuführen. 

In näherer Zukunft wird die Zahl der Arbeitsplätze im Maschinenbau von derzeit mehr als einer Million stabil bleiben oder leicht ansteigen. Einer Studie des IMU-Instituts für arbeitsorientierte Forschung und Beratung zufolge, die von der Gewerkschaft in Auftrag gegeben wurde, werde die steigende Nachfrage nach digitalisierten Maschinenbauerzeugnissen zunächst kräftig genug sein, um Arbeitsplatzverluste durch die Digitalisierung in der Branche selbst auszugleichen, sagte Studienautor Jürgen Dispan. Auf mittlere und längere Sicht – in etwa fünf bis 15 Jahren – dürften unter dem Strich aber Stellen verloren gehen.

Davon betroffen werden nach Einschätzung Dispans vor allem „Bürotätigkeiten“ sein: In Einkauf, Vertrieb, Controlling, Personalwesen und in der Verwaltung insgesamt werde die Digitalisierung einen Großteil menschlicher Arbeit ersetzen. Demgegenüber sei in der Produktion die Automatisierung schon sehr weit fortgeschritten, weshalb sich dort weitere Rationalisierungseffekte auf die Belegschaften in Grenzen halten dürften. In jedem Fall müssten Weiterbildungsangebote für die Beschäftigten ausgeweitet und intensiviert werden. 

Lemb forderte ein neues arbeitsmarktpolitisches Instrument: Um die Auswirkungen der Digitalisierung im Sinne der Beschäftigten abzufangen, bedürfe es eines „Transformations-Kurzarbeitergelds“. Mit einer raschen Umsetzung rechnet der Gewerkschaftsvorstand aber nicht: „Das ist das Bohren dicker Bretter.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare