Es gibt eine Reihe steuerlicher und rechtlicher Auswirkungen, die einer Heirat folgen.

Nach der Heirat

Vermögen in der Ehe - das müssen Sie wissen

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Nach der Hochzeit teilen die Ehepartner nicht automatisch alles. Verdienst und Vermögen bleiben individueller Besitz - der Wertzuwachs gehört aber beiden. 

Die Hochzeit, der schönste Tag des Lebens verbindet nicht nur die Herzen zweier Menschen. Auch vor dem Finanzamt und anderen Institutionen ist das Ehepaar von nun an eine Einheit. Es gibt eine Reihe steuerlicher und rechtlicher Auswirkungen, die einer Heirat folgen. Wir erläutern die wichtigsten Veränderungen.

Vermögen in der Ehe

Was die Ehepartner zum Zeitpunkt der Hochzeit besitzen, bleibt weiter das Eigentum jedes einzelnen. „Jeder behält sämtliche Vermögensgegenstände, die er in die Ehe mitbringt“, sagt Eva Becker. Die Berliner Fachanwältin für Familienrecht ist Vorsitzende des Geschäftsführenden Ausschusses der Arbeitsgemeinschaft Familienrecht im Deutschen Anwaltverein. Auch Vermögensgegenstände, die ein Partner während der Ehe unter seinem Namen erwirbt, sind sein Eigentum. Besitzt einer der Partner zum Beispiel eine Wohnung, so gehört diese durch die Heirat nicht automatisch zur Hälfte dem anderen. Falls es zur Scheidung kommt, fällt die Wohnung selbst ebenfalls nicht in die Masse der Dinge, die geteilt wird.

Zugewinngemeinschaft - Ehe ohne Ehevertrag

Ab dem Zeitpunkt der Eheschließung sieht der Staat das Ehepaar als Zugewinngemeinschaft an. Das bedeutet: Mögen die in die Ehe mitgebrachten Gegenstände individuelles Eigentum sein, so wird der Wertzuwachs während der Ehe geteilt. Das Beispiel einer Eigentumswohnung macht dies deutlich: Diese gehört einem Ehepartner und war vor der Hochzeit 100 000 Euro wert. 20 Jahre später will sich das Paar trennen. Die Wohnung wird jetzt mit 300 000 Euro gehandelt. 200 000 Euro müssen geteilt werden. Das ist der sogenannte Zugewinnausgleich. „Sein Ziel ist es, im Fall einer Scheidung einen Ausgleich zwischen den Vermögen der Ehepartner zu schaffen“, sagt Becker. Hintergrund ist, dass in der Regel beide Partner während der Ehe Vermögen erwirtschaften und beide bei der Scheidung gleichviel von der Vermögenssteigerung profitieren sollen.

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Verdienst in der Ehe

Der Partner oder die Partnerin verdient mehr als man selbst? Eine Heirat verschafft in dieser Hinsicht keine Vorteile. Trotz Jawort wird das Gehalt nicht zwangsläufig geteilt. Jeder behält den Anspruch auf das, was er erwirtschaftet. Überzieht einer der Partner sein Konto, haftet der andere dafür ebenfalls nicht. Anders ist es, wenn beide ihre separaten Konten auflösen und nur noch ein Gemeinschaftskonto führen. Jetzt sind beide gegenüber der Bank dafür verantwortlich, wenn der Dispokredit überzogen wurde, weil einer der Partner das Konto leergeräumt hat. Laut der Vorwerk Familienstudie haben übrigens fast 60 Prozent der Paare ausschließlich gemeinsame Konten.

Gütertrennung durch einen Ehevertrag

Wer Geld und Liebe trennen möchte, kann vor der Eheschließung die Gütertrennung vereinbaren. Ein notarieller Vertrag legt dabei fest, dass beide Ehepartner ihr Vermögen für sich behalten und auch neu erworbenes Vermögen nicht geteilt wird. Im Falle einer Scheidung gibt es keine Teilhabe an dem Vermögen des anderen Partners durch Zugewinnausgleich. Nur das sogenannte Gebrauchsvermögen, also Hausrat, Ehewohnung oder gemeinsames Auto müssen aufgeteilt werden.

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Steuerklassen in der Ehe

Eine Heirat bringt steuerliche Vorteile. Grundsätzlich gilt, dass der Ehepartner mit dem höheren Gehalt in der Steuerklasse III richtig untergebracht ist, denn hier werden vergleichsweise wenig Steuern gezahlt. Sie muss mit Steuerklasse V kombiniert werden. Nach der Hochzeit sind beide Ehepartner zunächst automatisch in der Steuerklasse IV. Diese ist dann vorteilhaft, wenn beide ungefähr gleich verdienen. In der Steuerklasse IV muss keine Steuererklärung abgegeben werden, wenn kein Lohnersatz oder Krankengeld bezogen wurde. Die Stiftung Warentest empfiehlt, dennoch eine Steuererklärung abzugeben. „Dann können Sie noch Steuerabzüge – etwa durch Kosten für haushaltsnahe Dienste – geltend machen“, heißt es.

Zugriff aufs Vermögen des Ehepartners

Solange es um den gemeinsamen Haushalt geht, sind beide Ehepartner verpflichtet, sich an Ausgaben zu beteiligen. Lebensmittel, Haushaltsgeräte, Möbel, Reparaturverträge oder der Kauf von Heizöl sind notwendige Ausgaben. Kauft der Ehemann eine neue Waschmaschine, muss die Ehefrau also ihren Obolus beisteuern.

Gemeinsamen Besitz verkaufen

Hält einer der Ehepartner den Zweitwagen nicht mehr für sinnvoll, kann er ihn auch gegen den Willen des anderen verkaufen. Eine Ausnahme gilt, wenn das Geschäft einen Vermögensgegenstand betrifft, der nahezu das gesamte Vermögen des veräußernden Ehegatten ausmacht. Das kann vor allem bei einer Immobilie der Fall sein. Hierzu muss der Ehegatte die Zustimmung des Partners einholen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Vermögensgegenstände vor oder nach der Hochzeit erworben wurden. „Mit dieser Regelung soll verhindert werden, dass ein Ehegatte der Familie ohne Zustimmung seines Partners die wirtschaftliche Basis entzieht“, sagt Dominik Hüren von der Bundesnotarkammer in Berlin. Es soll außerdem sichergestellt werden, dass der Partner im Fall einer Scheidung den potenziellen Zugewinnausgleich erhält.

Schulden in der Ehe

Hat ein Ehepartner Schulden, steht der Staat aufseiten der Gläubiger. Wenn es zu Pfändungen kommt, wird zu ihrem Schutz vermutet, dass sämtliche Gegenstände in der Wohnung dem verschuldeten Ehepartner gehören. Will der andere Ehepartner vermeiden, dass der von seinem Geld bezahlte neue Fernseher abtransportiert wird, muss er den Kaufvertrag über das Gerät vorlegen.

Rentenansprüche in der Ehezeit

Die Rentenansprüche, die während der Ehezeit erworben werden, gehören nur dem, der gearbeitet hat. Verzichtet einer der Partner auf Berufstätigkeit oder beschränkt sich auf eine Halbtagsstelle, hat er – solange die Ehe besteht – nicht automatisch Anspruch auf einen Teil der Rente des anderen. Anders ist das bei Scheidung oder im Todesfall.

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