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Die Initiative „Expedition Grundeinkommen“ will, dass Deutschland ein staatliches Modellprojekt zum bedingungslosen Grundeinkommen bekommt. 

Bedingungsloses Grundeinkommen

Zufriedener, fröhlicher, weniger einsam

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Auswertung eines Experiments: Die finnische Sozialbehörde veröffentlicht Ergebnisse zum bedingungslosen Grundeinkommen.

Das Grundeinkommen hat mir sehr geholfen“, schreibt Juha Järvinen, der nordwestlich der finnischen Hauptstadt Helsinki auf dem Land wohnt. In seiner Werkstatt baut er Holztrommeln für traditionelle Musik. „Eine Goldmine ist das nicht, aber ich brauche keine Unterstützung der Regierung mehr.“ 2017 und 2018 war Järvinen einer der ausgelosten Teilnehmer im staatlichen finnischen Experiment mit dem Grundeinkommen.

Dazu veröffentlichte die dortige Sozialbehörde Kela an diesem Mittwoch ihren Ergebnisbericht. Demnach haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer etwas mehr gearbeitet als die Erwerbslosen in der Vergleichsgruppe. Außerdem waren sie zufriedener, empfanden weniger Stress und beurteilten ihre finanzielle Situation positiver.

Von Anfang 2017 bis Ende 2018 erhielten 2000 ausgeloste Arbeitslose 560 Euro monatlich vom finnischen Staat – ohne Bedingungen. Diese Summe wurde nicht mit selbstverdientem Geld verrechnet, wenn sie zusätzliche Einnahmen erwirtschafteten. Die zentrale Frage lautete: Wirkt dieses Grundeinkommen als Anreiz, sich selbst um neue Jobs zu kümmern, also als bessere Hilfe, aus dem Arbeitslosen-Zustand herauszukommen?

In Deutschland ist die Debatte über ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle seit der Einführung von Hartz IV Mitte der 2000er Jahre im Gange. Augenblicklich unterstützen hunderttausende Bundesbürger mehrere Petitionen für eine entsprechende Reform angesichts der Corona-Krise.

Das finnische Experiment ergab, dass die Teilnehmer die durchschnittliche Zahl ihrer Arbeitstage zwischen November 2017 und Oktober 2018 von 72 auf 78 erhöhten. Die Arbeitslosen in der Vergleichsgruppe arbeiteten mit 73 Tagen etwas weniger. Den Zuwachs an Arbeitstagen kann man sich beispielsweise damit erklären, dass die Motivation stieg, weil das zusätzliche Einkommen nicht verrechnet wurde – wie bei Juha Järvinen. Andere Variante: Die Teilnehmer bemühten sich etwa um soziales Engagement und bekamen dadurch neue Kontakte in den Arbeitsmarkt.

Die Sozialbehörde Kela erklärte allerdings, dass die aktivierenden Effekte „klein“ waren. Für Jürgen Schupp vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin liegt darin dennoch eine positive Botschaft: „Das Grundeinkommen bestärkte die Leute nicht, ihre Hände in den Schoß zu legen.“ Wer eine Sozialleistung erhalte, ohne etwas dafür tun zu müssen, werde faul, lautet ein verbreitetes Argument gegen das Grundeinkommen.

Verzerrt wurden die Ergebnisse des Experiments möglicherweise durch eine andere Sozialreform der finnischen Regierung. Ab Anfang 2018 mussten normale Arbeitslose verstärkt über ihre Jobsuche Rechenschaft ablegen – sonst konnten die Leistungen gekürzt werden. Der erhöhte Druck im konventionellen System mag dazu beigetragen haben, dass auch die Erwerbslosen der Vergleichsgruppe ihre Anstrengungen und Arbeitstage erhöhten. Ohne diese Verschärfung wäre der Vorsprung der Experiment-Teilnehmer bei den Arbeitstagen vielleicht größer ausgefallen.

Ihre finanzielle Situation beurteilten die Leute im Experiment eindeutig positiver als die Leistungsempfänger der Vergleichsgruppe. 60 Prozent waren zufrieden, in der Kontrollgruppe nur 52 Prozent. Während 32 Prozent der normalen Erwerbslosen an Depressionen litten, waren es unter den Mitwirkenden des Versuchs lediglich 22 Prozent. „Sie waren zufriedener mit ihrem Leben, erlebten weniger Stress, Traurigkeit und Einsamkeit“, schrieben die begleitenden Forscherinnen und Forscher. „Die Teilnehmer hatten außerdem eine positivere Wahrnehmung ihrer kognitiven Fähigkeiten, ihrer Möglichkeit zu lernen und sich zu konzentrieren.“ Auch das Vertrauen in den Staat und die Mitmenschen nahm zu.

DIW-Ökonom Schupp plädiert dafür, wissenschaftlich begleitete Experimente zum Grundeinkommen auch in Deutschland durchzuführen. In Hamburg schaffte die Initiative „Expedition Grundeinkommen“ unlängst den Sprung über die Hürde der Volksinitiative. Sie reichte mehr als 10 000 Unterschriften beim Senat ein. Dieser muss sich nun mit dem Anliegen beschäftigen, einen Modellversuch zum Grundeinkommen durchzuführen.

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