Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Jahresbilanz

Zu fest umarmt

  • Nina Luttmer
    VonNina Luttmer
    schließen

Menschen vertrauen den Sparkassen in der Krise, die im Corona-Jahr vermehrt Kredite vergaben. Die Geldinstitute fühlen sich geehrt - und überfordert.

Zwischenzeitlich hörte sich Helmut Schleweis an wie Darth Vader aus „Star Wars“. Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) sprach in der virtuellen Pressekonferenz am Mittwoch kurzzeitig mit verzerrter Stimme. Auch ein Jahr nach Ausbruch der Corona-Pandemie kämpfen Journalist:innen, Verbände und Unternehmen noch mit der Technik in der neuen, virtuellen Welt.

Quietschgeräusche durch Rückkopplungen, Journalist:innen, die den Knopf für die Aufhebung der Stummschaltung nicht finden – und wie Fische im Aquarium tonlos in die Kamera sprechen –, oder solche, die nie auf stumm schalten und daher alle an Privatgesprächen oder asthmatischen Geräuschen teilhaben lassen – all das fehlte auch in der Jahrespressekonferenz des DSGV nicht.

Die 371 deutschen Sparkassen sind „wirtschaftlich robust“ durchs das Corona-Jahr 2020 gekommen, wie Schleweis sagte. Zusammen verdienten sie unter dem Strich 1,6 Milliarden Euro, das war ein Minus von 8,5 Prozent zum Vorjahr. Vor allem eine höhere Risikovorsorge für ausgefallene oder ausfallgefährdete Kredite und ein wegen der Niedrigzinsphase stark gesunkener Zinsüberschuss belastete die Geldhäuser.

Kund:innen brachten 2020 neue Einlagen von 79,1 Milliarden Euro zu den Sparkassen – ein Rekordwert. „Wir freuen uns über diesen Vertrauensbeweis – und gleichzeitig nimmt uns diese heftige liebevolle Umarmung zunehmend betriebswirtschaftlich Luft zum Atmen“, sagte Schleweis. Denn auch die Sparkassen wissen nicht mehr, wo sie dieses Geld anlegen sollen. Parken sie es bei der Europäischen Zentralbank (EZB), so müssen sie darauf Strafzinsen zahlen – 120 Millionen im Jahr 2020. Wenn die Einlagen auf dem Stand Ende Januar blieben, wird sich dieser Betrag 2021 auf mehr als 240 Millionen Euro verdoppeln, sagte Schleweis und rief die EZB auf, höhere Einlagenbeträge von Strafzinsen freizustellen.

Hilfe im Schneckentempo

Zugleich machte er klar, dass die Sparkassen reagieren müssten. Bereits jetzt erheben einige Strafzinsen auf Sparguthaben. Dies dürfte zunehmen. Schleweis betonte, man müsse Kund:innen Alternativen aufzeigen, vor allem bei Immobilien und an den Kapitalmärkten. Dies wurde auch getan. Das private Baufinanzierungsgeschäft der Sparkassen zog 2020 nochmals an. Und viele Kund:innen wagten sich neu an die Börse – vor allem Investmentfonds, aber auch Aktien waren gefragt.

In der Krise halfen die Sparkassen vielen Firmen, sie vergaben 14,1 Prozent mehr neue Kredite an sie als 2019 und stundeten in über 160 000 Fällen Kreditverpflichtungen. Schleweis mahnte aber die Politik: „Die deutschen Programme sind im Volumen und ihrer Ausgestaltung weltweit einzigartig. Die Komplexität und die deutsche Bürokratie sind es aber auch. Echte Hilfe kommt da im Schneckentempo.“ Dies müsse sich dringend ändern.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare