Alternative Heilmittel

Zoff wegen Homöopathie

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Minister Spahn unterstützt die Globuli – und erhält dafür viel Kritik.

Globuli und Besuche beim Heilpraktiker statt Schulmedizin? Michael Porath ist ganz offensichtlich ein Anhänger der Homöopathie. Auf einer Veranstaltung mit Bundesgesundheitsminsiter Jens Spahn am Dienstagabend in Berlin zeigt er sich beunruhigt über „Aussagen führender Funktionäre der Kassen, die Kostenübernahme in Frage stellen“. Was denn Spahn dazu sage, will der Mann aus Mecklenburg-Vorpommern wissen.

Alternativmedizin und Homöopathie, setzt Spahn an, hätten ihre Berechtigung: „Die spannende Frage ist, was zahlen Kassen und was nicht.“ Grundsätzlich gelte, aus Krankenkassenbeiträgen, „die wir alle finanzieren“, werde alles bezahlt, wofür es einen Nachweis gebe, dass es auch in der Behandlung wirke. Aber die Kassen könnten Globuli als sogenannte „Satzungsleistung“ übernehmen.

Er, argumentiert Spahn, sei dafür, Debatten richtig einzuordnen. Für Arzneimittel würden die Kassen jährlich bis zu 50 Milliarden Euro ausgeben, für Homöopathie dagegen lediglich 20 Millionen Euro. Darüber könne man jetzt wochenlang „mit ganz viel Emotion“ diskutieren und diejenigen, „die auf diese Behandlung setzen“, voll vor den Kopf stoßen. Angesichts der „Verhärtungen“ in der Debatte müsse man aber auch fragen, ob es das wert sei. „Ich habe mich entschlossen: Es ist so okay, wie es ist.“

In 18 Monaten als Gesundheitsminister hat Spahn heikle Themen angepackt, etwa die Impfpflicht für Masern. Von der Homöopathie als Kassenleistung lässt er lieber die Finger. Zu groß der Ärger mit den lautstarken Anhängern dieser „besonderen Therapierichtung“, zu gering der Nutzen für die Krankenkassen, wenn man die Kostenerstattung verbieten wollte. Doch mit seiner aktuellen Positionierung hat er sich ebenfalls einen Proteststurm eingefangen. Und zwar von den Gegnern, die die Gelegenheit nutzen, in die Offensive zu gehen. Die Anhänger bleiben hingegen leise.

„Es kann nicht sein, dass ein plumpes Betrugsschema wie Homöopathie durch Krankenkassen bezahlt wird und skrupellose PolitkerInnen das so hinnehmen, weil sie es können“ schreibt etwa der Moderator Jörg Kachelmann auf Twitter, wofür er viel Zustimmung bekommen hat.

Auch in der Politik wird scharfe Kritik geübt: „So wenig Wirkstoffe die Kügelchen haben, so wenig Rückgrat hat Jens Spahn, der die Placebos weiterhin von den Kassen bezahlen lässt“, reagierte etwa Jan Korte, der Parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion im Bundestag.

Oder SPD-Mann Karl Lauterbach, der die Kostenübernahme schon seit Jahren bekämpft. „So okay ist es nicht, wenn wir die Wissenschaft der Medizin aufgeben, nur weil es wenig kostet, medizinischen Unsinn zu bezahlen“, so der Gesundheitsökonom und Sozialdemokrat. „Der Staat muss zur Wissenschaft stehen. Auch im Konflikt. Immerhin stirbt der Patient, wenn er falsch behandelt wird.“

In Deutschland sind die Regeln für die Erstattung von Medikamenten und Behandlungen eigentlich sehr klar. Die von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlten Leistungen müssen laut Sozialgesetzbuch “ ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich“ sein. Bei herkömmlichen Medikamenten muss daher mit umfangreichen Studien nachgewiesen werden, dass sie tatsächlich einen Nutzen haben. Davon wird sogar der Preis abhängig gemacht, den die Kassen an die Pharmaunternehmen zahlen.

Das alles gilt aber nicht für homöopathische Mittel. Sie gehören zwar nicht zum regulären Leistungskatalog der Kassen, diese können die Übernahme der Kosten von Behandlungen und Globuli-Kügelchen aber freiwillig übernehmen. Das tun viele Kassen – es lockt Kunden an.

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